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"Wenn ich morgen weine, werde ich mich nicht verstecken"

kicker

Real-Trainer Ancelotti über seinen Abschied

Es war nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung, erledigt hat Carlo Ancelotti die Aufgabe aber immer ziemlich souverän: Pressekonferenzen. Wohl auch mit dem Wissen, dass es seine letzte als Real-Trainer ist, präsentierte sich der Italiener am Freitag entspannter als gewohnt.

"Es war eine erfolgreiche Zeit, in der wir viel gewonnen haben. Eine weitere Errungenschaft ist, dass ich mehr als 700 Pressekonferenzen mit Ihnen abgehalten habe. Ihre Fragen waren nicht immer nett", frotzelte Ancelotti, der bei allen Danksagungen für Mannschaft und Klub auch die Köche nicht vergaß, "die mir vor einem Spiel Carbonara gemacht haben".

Doch natürlich fand Ancelotti auch viele ernste Worte. Vor allem, als er auf seinen Abschied im Bernabeu am Samstag zu sprechen kam. Der 65-Jährige wird im Spiel gegen Real Sociedad (16.15 Uhr) ein letztes Mal an der Seitenlinie stehen. "Es ist mein letztes Spiel - und immer, wenn eine Phase oder eine Karriere zu Ende geht, sind die Emotionen groß", wusste der erfahrene Coach zu berichten. "Das passiert mir in diesen Tagen auch, aber ich bin überhaupt nicht traurig. Ich bin glücklich, denn es ist das Ende einer beeindruckenden Phase meiner Karriere, und ich habe alles für diesen Verein getan, was ich konnte."

„Ich habe gesehen, dass ich die Champions League nicht mehr gewinnen würde, wenn ich mich nicht anpasse.“ (Carlo Ancelotti)

Und das ist so einiges. In seinen zwei Amtszeiten gewann er nach zwei Champions-League-Titeln mit Milan dreimal den Henkelpott mit Real, dazu kommen zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Der Italiener habe sich hierfür selbst neu erfinden müssen, wie er eingestand: "Ich habe gesehen, dass ich die Champions League nicht mehr gewinnen würde, wenn ich mich nicht anpasse." Die Vorbereitung auf ein Spiel sei inzwischen viel analytischer als früher. "Es gibt viele Aspekte, die man vor 20 Jahren noch nicht berücksichtigt hat. Aber ich hatte einen Trainerstab, der mir den Enthusiasmus gegeben hat, mich weiterzuentwickeln. Ich bin anders als 1995 und 2013.“

Mit Präsident Perez "noch nie gestritten"

Ancelottis Qualitäten als Trainer sind unbestritten. Doch auch die menschlichen überzeugten, in Madrid und weit darüber hinaus. Oder um es kurz zu sagen: Es ist irgendwie schwer, Ancelotti nicht zu mögen. Diese ehrliche und natürliche Art, dazu sein trockener Humor, wie er mit hochgezogener Augenbraue bei den Spielen stets einen Kaugummi mit den Zähnen malträtierte. Man nimmt es ihm sofort ab, wenn er sagt, dass seine Zeit "in völligem Einvernehmen mit dem Verein zu Ende gegangen" ist. Mit Präsident Florentino Perez habe er "noch nie einen Streit gehabt. Und ich habe auch nicht vor, am letzten Tag einen zu haben."

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Vielmehr wird er seinen positiven Gefühlen freien Lauf lassen. "Ich werde sehr schnell emotional, wie mein Großvater und mein Vater. Wenn ich morgen weine, werde ich mich nicht verstecken, das wird kein Problem sein." Zudem freue er sich darauf, seinen Abschied mit "Legende" Luka Modric teilen zu können. "Es ist sehr schön, sich mit ihm zu verabschieden."

Auch wenn es noch immer nicht offiziell ist, wird Xabi Alonso das Zepter bald übernehmen. Ancelotti wünschte ihm "alles Glück der Welt, denn er ist ein Trainer, der alle Eigenschaften hat, um diesen Verein zu trainieren. Möge er es genießen.“

Und wenn er das irgendwann nicht mehr tut? Käme nochmal ein Real-Trainer Carlo Ancelotti in Betracht? "Das weiß ich nicht", sagte er mit einem Lächeln, ehe er unter Applaus der Medienvertreter den Saal verließ. Und so ist dann doch nicht völlig auszuschließen, dass es noch eine 701. Pressekonferenz von Ancelotti bei den Königlichen gibt.