Fehlercode: %{errorCode}

Wenn Spanien Spanien-Dinge macht

kicker

Aus Bern berichtet Paul Bartmuß

An der fünften italienischen Slalomstange war Schluss. Das wäre ja auch zu schön gewesen, wenn Athenea noch einmal mit so einem irrwitzigen Solo zum Torerfolg gekommen wäre.

Lange durfte sich die italienische Abwehr aber nicht freuen. Zwar blockte Martina Lenzini die dribbelnde Athenea im Gegensatz zu ihren vier Kolleginnen - der Ball sprang aber genau vor die Füße von Patri. Die Abräumerin jubelte im Usain-Bolt-Stil mit imaginärem Pfeil und Bogen über das 2:1 für Spanien. Spiel gedreht.

Die Szene stand rückblickend wie ein Sinnbild für die Partie. Italien wehrte sich nach Kräften, feierte Teilerfolge und war am Ende doch geschlagen - mit 1:3.

Italien bejubelt die Führung wie einen Finaleinzug

"Spanien ist ein unglaubliches Team", sagte Rechtsverteidigerin Elisabetta Oliviero: "Wir haben herausragend gut dagegengehalten." Sie sprach von der "schönsten Niederlage der vergangenen Jahre". Italiens Weiterkommen geriet an diesem Abend nie ernsthaft in Gefahr, weil Portugal parallel gegen Belgien früh zurücklag.

Vielleicht auch deswegen feierten die italienischen Fans im Wankdorf-Stadion über 90 Minuten eine Party. Gegen Norwegen im Viertelfinale wird das Team von Trainer Andrea Soncin keinesfalls chancenlos sein, in der EM-Qualifikation endeten die Duelle 0:0 und 1:1.

Zu Beginn hatten die Azzurre die spanische Star-Auswahl mit einigen Kontern und Eckstößen ordentlich geärgert. "Wir mussten sozusagen den Anfangssturm aushalten", sagte Salma Paralluelo, selbst Stürmerin. Spanien präsentierte sich hinten einmal mehr nicht ganz sattelfest, ließ erst einen Kopfball von Kapitänin Elena Linari an die Latte zu und dann die Führung, die Italien wie einen Finaleinzug bejubelte.

Es war das erste Länderspieltor von Oliviero, die auch defensiv intensiv gefordert war: Spanien interpretierte sein 4-3-3 asymmetrisch und platzierte seine Linksverteidigerin Leila eher als Flügelstürmerin.

Aus einer starken, von Trainerin Montse Tomé personell durcheinandergewirbelten iberischen Offensive stach eine heraus, die an den ersten beiden Spieltagen erst von der Bank gekommen war: Athenea dribbelte sekundenlang vor dem 1:1, das sie dann selbst erzielte, und eben auch vor dem 2:1.

Die Krux des spanischen Erfolgs

Hingegen schickte Tomé mal eben die beste Torjägerin der laufenden EM, Esther, und Barcelonas Shootingstar Claudia Pina erst für die Schlussviertelstunde aufs Feld. Auch die bislang beeindruckende Vicky wurde diesmal nur eingewechselt.

Rund um die 70. Minute begann die Phase, in der mit bloßem Auge erkennbar wurde, warum die Rolle des Top-Favoriten bei diesem Turnier immer fester vergeben wird. Spanien machte Spanien-Sachen, kombinierte, verzögerte, beschleunigte und zog Italien auseinander.

Im spanischen Block gegenüber des italienischen herrschte darüber übrigens vergleichsweise verhaltene Freude. 14 Tore schoss La Roja, auf die jetzt die Schweiz in der nächsten Runde wartet, in der Gruppenphase. Das ist immer die Krux mit dem vielen Erfolg: Irgendwann hat man sich dran gewöhnt.