"Die Entscheidung von Xamax ist ein grosser Angriff auf die Integrität des Wettbewerbs und lässt jeglichen Fairplay vermissen", sagt Michael Lang gegenüber Blick. "Wie viele andere Vereine sind auch wir schwer enttäuscht von diesem Vorgehen." Wil kämpft wie die Teams aus Carouge, Nyon und Rapperswil um den Klassenerhalt in der Liga - und sieht die Wettbewerbsintegrität durch Xamax' Aktion gefährdet.
Dabei ist die Aufstellung der Neuenburger tatsächlich bemerkenswert: Im Mittelfeld spielten die Rückennummern 45, 34, 39 und 43, im Tor stand die 94, und Stürmer Francesco Lentini trug mit der Nummer 31 die niedrigste Zahl auf dem Spielfeld. Xamax-Boss Jean-François Collet verteidigt die Entscheidung, die Juniorenmannschaft aufzustellen: "Die Entscheidung, unsere jungen Talente nach Bellinzona zu schicken, ist ausschliesslich sportlich motiviert. Wir wollten unseren Stammspielern eine lange Reise ins Tessin vor unserem Cup-Spiel ersparen."
Doch die Kritik reisst nicht ab. Neben dem sportlichen Aspekt sorgt ein weiterer Verdacht für Unmut in der Liga. Mit dem Einsatz von U-19-Spielern könnte Xamax in der "Nachwuchstrophy" Boden gut machen, was am Ende der Saison mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag belohnt wird. Lang hält dagegen. So habe Xamax 27 Kaderspieler und sollte in der Lage sein, am Freitag und am Dienstag zu spielen. "Hätte Neuenburg in der Startaufstellung lediglich rotiert, dann wäre das noch nachvollziehbar gewesen."
Von einem Regelverstoss will Collet allerdings nichts wissen. Gegenüber Blick erklärt er: "Wir haben gegen keine Regel verstossen. Im Gegenteil, wir haben uns an die Vorgaben der SFL gehalten, die uns dazu anhält, im Rahmen der Nachwuchsförderung möglichst viele Schweizer U-21-Spieler einzusetzen." Der Schweizerische Fussballverband sieht die Sache jedoch anders. In einer Medienmitteilung vom Montagnachmittag bezeichnet die SFL das Vorgehen von Xamax als "Gefährdung der Integrität des Wettbewerbs". Zudem prüfe man Massnahmen wie eine Anpassung des Reglements.
Die Situation bleibt brisant. Während Xamax auf der sportlichen Motivation ihrer Entscheidung beharrt, haben Wut und Enttäuschung in der Challenge League ein neues Level erreicht. Ob es Konsequenzen geben wird, liegt nun in den Händen der SFL.