"Mia ham g'wunna", konnte sich Sky-Experte Hans Krankl noch erinnern, dass er mit Rapid schon gegen Dundee United gespielt hat. Gewonnen haben die Grün-Weißen im Viertelfinale der Meistercupsaison 1983/84 tatsächlich. Aber der 2:1-Heimsieg war zu wenig, weil nach dem 0:1 im Tannadice Park die Auswärtstorregel für die Schotten sprach - was der Goleador offenbar aus seinem Gedächtnis gestrichen hat.
Mit seiner Warnung vor den "typisch britischen Tugenden" hatte er wohl auch noch Männer vom Schlag eines Richard Gough, David Narey, Maurice Malpas oder Paul Sturrock im Kopf, die mit zum Besten zählten, was die "Tangerines" in ihrer Klubgeschichte zu bieten hatten. Doch die Zeiten, in denen Dundee United den Stars von Celtic und Rangers in der Liga und in im Nationalteam auf Augenhöhe begegneten, gehören der Vergangenheit an. Im heutigen Kader stehen 15 Legionäre aus zwölf verschiedenen Nationen. Darunter der finnische St.-Pölten-Leihspieler Dario Naamo.
Die Begegnung von Michael Wimmer mit den "Tangarines" liegen erst fünf Monate zurück. Zwar hat er seine Premiere als Motherwell-Trainer im Tannadice 0:1 verloren, aber der Ex-Austria-Trainer würde sich schon sehr wundern, wenn Rapid die schottische Hürde nicht nimmt. "Die Mannschaft definiert sich über ihre Kompaktheit und das schnelle Umschalten", erinnert sich der Deutsche, der das schottische Hochland trotz guter Erfolge aus familiären Gründen nach wenigen Monaten schon wieder verließ und beim heimatnahen Jahn Regensburg angeheuert hat. "In Österreich ist das Spiel am ehesten mit dem von Blau-Weiß Linz unter Scheiblehner zu vergleichen. Oder was Heraf mit Austria Lustenau gespielt hat.“
Flanke, wenn du flanken kannst
Aus Uniteds 3-5-2, das Wimmer noch kennengelernt hat, ist mittlerweile ein 4-4-2 oder auch 4-3-3 geworden, auch die halbe Mannschaft wurde in der Sommerpause ausgetauscht, am Stil, den Trainer Jim Goodwin predigt, hat sich aber wenig geändert. "Wenig Ballbesitz, wenig Tore. Hinten wie vorne." Vorne hat sich die Situation nicht verbessert seit Topscorer Sam Dalby, der immerhin für 15 Saisontore gut war, zu den Bolton Wanderers gewechselt ist. Also in die dritte englische Liga.
Um zu seinen Toren zu kommen, braucht der Tabellenvierte der Vorsaison (39 Punkte Rückstand auf Meister Celtic) vor allem Standards. „Standards, auch Einwürfe bis zum Elferpunkt und Flanken", konkretisiert Wimmer und outet Linksverteidiger Will Ferry auch gleich als Dundees Einwurfmaschine. „Der gibt auf seiner Seite überhaupt extrem Dampf." Und natürlich kommt auch er dem Credo seines Trainers nach, das Wimmer im Austausch mit Kollegen Goodwin zu hören bekam. "Never refuse a cross! Wenn es eine Möglichkeit zum Flanken gibt, dann flanken sie." Und schauen, was dabei herauskommt.
„Eng, mit leidenschaftlichen Fans, kein Hexenkessel wie bei Rapid, aber doch eklig zu spielen.“ (Michael Wimmer über die Stimmung im Tannadice Park)
28 Jahre ohne Auswärtssieg
Nach dem Abgang von Dalby hat Michael Wimmer Neuerwerbung Panutche Camará als neuen Aktivposten in der Offensive ausgemacht, für Standard-Tore ist auch der lange moldawische Innenverteidiger Iurie Iovu gut, der in der 2. Qualirunde der Conference League für das Goldtor bei UNA Strassen sorgte. Das 1:0 in Luxemburg war Dundee Uniteds erster Auswärtssieg in Europa nach 28 Jahren…
Zumindest am Donnerstag in Wien (ab 21 Uhr LIVE! bei kicker) sollten die Schotten, die noch dazu mit einigen Ausfällen zu kämpfen haben, also keine große Gefahr darstellen. Aber wie wird's in einer Woche im Tannadice Park aussehen? „Eng, mit leidenschaftlichen Fans, kein Hexenkessel wie bei Rapid, aber doch eklig zu spielen", spricht Wimmer aus Erfahrung. Und auch eine Wesensart hat der 45-Jährige in seinen vier Monaten auf der Insel ausgemacht, die für die Schotten sprechen könnte. "Die Schotten haben null Ego. Denen ist egal, ob du sie auf die Bank setzt oder sie austauschst, für sie zählt nur der Erfolg der Mannschaft. Sie sind sehr demütige Menschen.“
Barças Angstgegner
Umso stolzer sind die Fans von Dundee United auf die Bilanz ihres Klubs gegen den FC Barcelona. Vier Mal haben die Tangarines gegen die Katalanen im Europacup die Klingen gekreuzt, vier Mal blieben sie Sieger. Es ist die verheerendste Head-to-head-Bilanz des FC Barcelona überhaupt. Vielleicht ist ja auch das der Grund, warum Hans Krankl von Dundee United nicht mehr allzu viel wissen will.