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"Wir wissen, dass wir mithalten können": Aufsteiger Groß'lohe vertraut seinen Nehmerqualitäten

kicker

2016 kickte der SC Großschwarzenlohe noch in der Kreisliga - zwei Aufstiege in Folge später stieß der Verein aus dem Landkreis Roth südlich von Nürnberg bereits das Tor zur Landesliga auf. Im Sommer 2025 folgte nun die (vorläufige) Krönung: Mit 76 Punkten holten die Mittelfranken souverän die Meisterschaft und dürfen sich nun erstmalig in der Vereinsgeschichte Bayernligist nennen.

"Das ist crazy. Wir haben einfach eine brutale Entwicklung genommen", schwärmt Trainer Florian Bauer, der den Aufschwung des Vereins seit knapp zehn Jahren begleitet und durchaus als Architekt des Erfolgs bezeichnet werden darf.

Stolz auf Herangehensweise

Jener Erfolg ist insbesondere aufgrund der Philosophie des kleinen Vereins bemerkenswert, wie der ehemalige Regionalligaspieler erläutert: "Unser Weg ist es, hungrige Spieler zu entwickeln. Diesem Kurs sind wir weiterhin treu geblieben. Wir wollen Jungs haben, die nicht nur ein Jahr da bleiben, sondern bestenfalls den Verein ins Herz schließen. Daher achten wir neben der sportlichen Qualität ebenso auf den Charakter - und der passt bei unseren sieben Neuzugängen." Die erfüllen allesamt die gleichen Kriterien: jung, ehrgeizig und aus der Region.

Dabei seien dem Verein noch ganz andere Kaliber von Spielern angeboten worden. Allein die Anzahl an offerierten Akteuren war deutliche höher als in den Vorjahren, doch die Entscheidungsträger um Bauer wollten "nicht durchdrehen". Negativbeispiele von missglückten personellen Neuausrichtungen nach Aufstiegen gibt es im Fußball schließlich einige. Beim SCG ticken die Uhren allerdings ein wenig anders - und dennoch dürften sich die Verantwortlichen aufgrund des gestiegenen Interesses am Verein in ihrem Weg bestätigt fühlen. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Coach: "Wir sind stolz auf unsere Herangehensweise. Mittlerweile kommen alle Spieler von selbst gerne - auch, wenn es im Umkreis vielleicht ein paar Euro mehr zu verdienen gibt."

Derby zum Auftakt - oder doch nicht?

Ein solcher Verein mit höherem Etat und ambitionierten Zielen ist beispielsweise der Ligarivale aus Kornburg. Beim TSV wird die Bayernligareise des SCG beginnen - eine weite Auswärtsreise wartet jedoch nicht: Keine vier Kilometer trennen die beiden Sportgelände - von der Herangehensweise ist die Kluft zwischen beiden Vereinen dafür umso größer. "Für uns geht es als Aufsteiger um den Klassenerhalt. Kornburg hat öffentlich geäußert, dass man in die Top-5 will. Das gibt deren Kader fraglos her, wobei die Kunst ist, die Qualität in Punkte umzumünzen. Trotzdem finde ich die Zielsetzung gut, weil ich kein Fan von Tiefstapeln bin", bewertet Bauer den Lokalrivalen.

Die Ansetzung des Derbys zum Auftakt ist folglich absolut gelungen, wackelt allerdings bereits zwei Wochen vorher aufgrund der eventuell zu absolvierenden Pokalrunden. Eine Verschiebung liegt daher durchaus im Bereich des Möglichen, käme für den SCG wohl aber nicht ganz ungelegen, wie der Übungsleiter erklärt: "Unsere Vorbereitung hat zwei Seiten: Die, die fit sind, ziehen brutal mit. Leider haben wir auch komische Themen, und es fehlen uns recht viele Spieler."

Glaube an eigene Qualität

Doch das Selbstvertrauen in die eigene Stärke ist nach 24 ungeschlagenen Partien in Folge zum Ende der Vorsaison immens. Verstärkend wirken zudem zahlreiche Testspiele gegen Bayernligisten in der Vergangenheit oder die Pokalreise 2023 mit Siegen gegen gleich vier künftige Ligarivalen. "Wir wissen, was wir können und vor allem, dass wir mithalten können", zeigt sich der 37-Jährige somit optimistisch und nimmt die verbliebenden Akteure in die Pflicht: "Jetzt muss eben die kleine Gruppe in den Driverseat. Davor habe ich jedoch keinerlei Angst, sondern ganz viel Glaube an unsere Qualität."

Doch, dass die Bayernliga ein anderes Level verlangt, ist dem Trainer ebenso bewusst - schließlich ist eine Staffel mit 34 Spieltagen weitaus herausfordernder als eine Pokalrunde oder Testspiele. "Es wird uns eine höhere Handlungsschnelligkeit und ein höheres Maß an Unterschiedsspielern erwarten. Daher können wir durchaus mal auf die Schnauze kriegen - umfallen werden wir aber nicht", schließt Bauer seine Analyse.

Bevor die ersten sportlichen Gewitterwolken am Horizont aufziehen, bleibt dem Verein erstmal eine große Vorfreude über die anstehenden Aufgaben auf neuen Sportplätzen. Und ganz unrealistisch ist der Klassenerhalt laut Statistik auch nicht: In den letzten acht Jahren kam der Meister der Landesliga Nordost fünfmal aus Mittelfranken - und alle Meister hielten im Jahr eins nach dem Aufstieg die Klasse in der Bayernliga. Gegen ein Fortführen dieser Serie hätte der SCG sicherlich nichts einzuwenden.