Am Ende stand die Stürmerin dann doch wieder da, wo sie stehen musste: Nach Dänemarks im doppelten Sinne schmerzhaften Ballverlust im Mittelfeld (Emma Faerge hatte Emma Snerle den Ball ins Gesicht geschossen) legte Jule Brand ab für Lea Schüller, die sich vor dem Tor nicht zweimal bitten ließ und zum entscheidenden 2:1 einschob - es war der Siegtreffer.
Die vorherigen 66 Minuten war die Bayern-Torjägerin aber beinahe unsichtbar geblieben, hatte nach dem 2:1 vier Minuten später per Kopf aber sogar noch die Chance auf den Doppelpack. "Ich weiß auch nicht, was mit Lea los ist", scherzte Trainer Christian Wück nach der Partie im ARD-Interview. "Ich glaube, sie merkt, wenn wir draußen darüber nachdenken, sie auszuwechseln, dann macht sie halt noch kurz ein Tor und geht dann raus."
Deutschland feierte gegen Dänemark den zweiten Sieg im zweiten EM-Spiel, spielerisch gesehen war im deutschen Spiel aber noch deutlich Luft nach oben. Gerade vor der Pause hatte das DFB-Team kaum Ideen gegen die kompakt stehenden Däninnen - aber auch Pech mit Schiedsrichterentscheidungen.
"Das macht was mit einer Mannschaft", erklärte Wück zum aberkannten Tor der umtriebigen Klara Bühl und dem zurückgenommenen Elfmeter. "Ich rechne der Mannschaft unglaublich hoch an, wie sie zurückgekommen ist", betonte er. "Mentalität" sei schließlich ein "Stichwort, das deutsche Mannschaften immer ausgezeichnet" habe.
Wücks Lob für Nüsken und Schüller
So auch seine, die nach dem Pausenrückstand deutlich aktiver aus der Pause gekommen war. Nach Foul an Linda Dallmann stellte Sjoeke Nüsken nach neuerlichem VAR-Eingriff dann vom Punkt auf 1:1. Die eigentliche Elfmeterschützin Giulia Gwinn fehlte schließlich nach ihrer Innenbandverletzung aus dem Spiel gegen Polen. "Das war nicht meine Entscheidung, das war eine Entscheidung von ihr", so Wück zur neuen Elfmeterhierarchie. "Es zeichnet Sjoeke aus, dass sie Verantwortung übernimmt."
Ursprünglich habe auch Ersatzkapitänin Janina Minge auf der Liste der Elfmeterschützinnen gestanden. Mit der habe sich Nüsken, die schon den zurückgenommenen Elfmeter vor der Pause hätte schießen wollen, aber im Spiel abgesprochen, wie sie erklärte.
Zehn Minuten nach dem Ausgleich erzielte dann Schüller den umjubelten Siegtreffer. "Das macht ja eine Torjägerin aus, dass sie relativ wenig zu sehen ist und dann da ist, wenn wir sie brauchen", lobte der Bundestrainer. Besonders in einem komplizierten Spiel, in dem zwischenzeitlich sogar Schiedsrichterin Catarina Ferreira Campos behandelt werden musste: "Bei so vielen Unterbrechungen ist es schwierig, Spielfluss zu kreieren", meinte Schüller.
Dementsprechend leistete sich die deutsche Elf das ganze Spiel über immer wieder unnötige Ballverluste. Von den vielen geschlagenen Flanken versandete ein Großteil: "Die Anzahl stimmt", so Wück. "Aber wir werden jetzt mit Sicherheit daran arbeiten, dass die Präzision und das Einlaufverhalten besser werden."
Geste für Gwinn, die gegen Schweden kommt
Dann sei er guter Dinge, was das letzte Gruppenspiel angeht. In Zürich (Samstag, 21 Uhr, LIVE! bei kicker) erwarten die DFB-Frauen zudem einen ganz besonderen Gast. Kapitänin Gwinn, die der Mannschaft vor der Partie "nochmal bewegende Worte" geschrieben habe, hat sich angekündigt, um "ganz nah dran an der Mannschaft" zu sein. "Sie will gegen Schweden kommen", berichtete Wück.
Am Handgelenk war Gwinn aber auch gegen Dänemark immer dabei. Alle Spielerinnen trugen ein Tape mit der Aufschrift "GG7" - Gwinns Initialen sowie ihre Rückennummer. Vor dem Spiel hatte die Elf zudem Gwinns Trikot auf dem Mannschaftsfoto gehalten. "Sowas ist einfach eine superschöne Geste", sagte Bühl. "Ich habe immer wieder draufgeschaut, ich glaube, deswegen hatte ich heute auch so viel Energie auf dem Platz."
Generell zeige die Geste eins, und zwar den "Teamspirit, der uns auszeichnet", so Bühl weiter.