Der Freitag wird sehr lang sein, prognostiziert Bundestrainer Christian Wück. Erst um 21 Uhr (LIVE! bei kicker), zur Primetime, wird der deutsche EM-Auftakt gegen Polen in St. Gallen angepfiffen. Gemeinsames Frühstück und Mittagessen, eine Aktivierung sowie eine intensive Besprechung stehen noch bis zur Abfahrt ins Stadion auf dem Tagesplan.
Ab 21 Uhr müssen die deutschen Spielerinnen, die seit Montag in einem Luxushotel in Zürich wohnen, dann hellwach sein. "Wir müssen höllisch aufpassen und werden keine Mannschaft unterschätzen", kündigt Wück an. Schließlich sei es "unheimlich wichtig, gut in ein Turnier zu starten. Das funktioniert am besten mit einem Sieg. Wir wissen aber auch, dass wir dafür viel arbeiten und unsere beste Leistung abrufen müssen".
Auf dem Papier mag Polen zwar der Außenseiter in der Gruppe C - zu der außerdem noch Schweden und Dänemark gehören - sein, aber das deutsche Team ist gewarnt. "Polen verfügt über eine hohe individuelle Qualität. Wir müssen ans Limit gehen, um erfolgreich zu sein. Wir haben den Spielerinnen Stärken und Schwächen des Gegners gezeigt", berichtet der Bundestrainer und hat den Fokus beim Gegner auf Ewa Pajor gerichtet.
Die blitzschnelle Stürmerin vom FC Barcelona kann jede Abwehr vor Probleme stellen. Der Respekt in der deutschen Mannschaft vor der Ex-Wolfsburgerin ist riesig. "Ich habe schon unfassbar oft gegen sie gespielt. Ewa ist eine extrem eklige Gegenspielerin", weiß die deutsche Abwehrchefin Janina Minge vom VfL Wolfsburg. "Wir müssen Pajor in den Griff bekommen", fordert deshalb der Bundestrainer.
Personell hat Wück die größtmögliche Auswahl: Alle Spielerinnen sind fit. Große Überraschungen sind indes nicht zu erwarten. Ein Fragezeichen steht noch hinter der Zehner-Position, die von der Münchnerin Linda Dallmann oder die Frankfurterin Laura Freigang besetzt werden kann. Wück hat sich bislang nicht entlocken lassen, wer für ihn die Nase vorn hat. Nach den jüngsten Eindrücken dürfte aber Dallmann gegen Polen beginnen.
Nervös ist der Bundestrainer vor seinem ersten EM-Spiel als Coach der Frauen-Nationalmannschaft (noch) nicht. Er sagt: "Ich bin so wie immer. Die Mannschaft merkt keinen Unterschied. Ich habe ein sehr gutes Gefühl und wir haben eine gute Stimmung." Die Nervosität wird "erst morgen kommen". Möglicherweise wird es dem 52-Jährigen so ergehen wie seinen Spielerinnen auf dem Platz: "Sobald das Spiel angepfiffen wird, ist die Nervosität weg", weiß Minge aus Erfahrung.