Der 1. FC Lokomotive Leipzig befindet sich bereits seit geraumer Zeit wieder in der Vorbereitung auf die neue Regionalliga-Spielzeit, weilt aktuell im Trainingslager in Sternberg. Viel lieber hätte man sich freilich für die 3. Liga ertüchtigt, die Tränen über den verpassten Aufstieg waren auch zu Beginn des neuerlichen Arbeitsantritts noch nicht vollends getrocknet. Cheftrainer Jochen Seitz moderiert in diesem Sommer gemeinsam mit den weiteren Verantwortlichen seinen zweiten personellen Umbruch in Probstheida. Dabei hält man an kampferprobten Prinzipien fest - gesucht werden charakterstarke und variable Spielertypen, die den meisterlichen harten Kern trefflich ergänzen können. Doch woher nehmen und nicht stehlen?
Nach viel zu kurzem Sommerurlaub, der vollumfänglich dem Frustabbau gewidmet werden musste, wirkt die Tragik der Aufstiegsspiele gegen den TSV Havelse vor fünf Wochen noch immer nach. Seitz gibt unumwunden zu, dass es "in der ersten Trainingswoche durchaus noch Nachwehen" gegeben habe: "Viele waren betroffen, dass es nicht geklappt hat und das Ganze ist nach wie vor nicht aus den Köpfen raus", kabelte der Trainer aus dem Trainingslager. Dabei hat man im vergangenen Jahr alle Erwartungen - auch die eigenen - übertroffen, holte Meisterschaft und Landespokal: "Was wir letztes Jahr geleistet haben, kann man nicht jedes Jahr erwarten, das war außergewöhnlich", so Seitz: "So eine absolute Ausnahme-Saison kommt selten vor im Fußball und noch seltener in unserer Ausgangssituation."
„Wir haben auch ein paar charakterstarke Jungs verloren, das hat schon weh getan.“ (Trainer Jochen Seitz)
Wie jeden Sommer weht frischer Wind durch die Kabinen der Regionalligisten. Auch in Probstheida wurden zehn Spieler verabschiedet - einige sollten gehen, manche durften und wiederum einigen weint man noch ein Tränchen hinterher: "Wir haben auch ein paar charakterstarke Jungs verloren, das hat schon weh getan", formuliert Seitz das Planungs-Dilemma, das auch und vor allem von der Erfüllung bestehender U-23-Quoten bestimmt wurde. Spieler und Identifikationsfiguren wie Zak Paulo Piplica oder Niclas Müller wachsen nicht auf Bäumen.
Die neue Aussaat muss erst in den Leipziger Weg eingewiesen werden, Startschwierigkeiten sind beinahe vorprogrammiert: "Wir wissen, dass die Erwartungshaltung gestiegen ist, das Gemurmel ist vielleicht etwas schneller da - damit müssen wir klarkommen", weiß der Trainer, bange ist ihm aber nicht: "Wir haben super neue Jungs dazu gewonnen, die charakterlich zu uns passen. Aber denen müssen wir schnellstmöglich unsere Prinzipien ans Herz legen, das muss schneller funktionieren als sonst." Bislang stehen die Leipziger nach den fünf Neuzugängen bei 18 Feldspielern, zwei bis drei Weitere sollen und müssen folgen. Für die soziale und sportliche Eingliederung steht ein williger und vom Erlebten gestählter Kern bereit, es geht wie immer nur gemeinsam: "Der Mannschaftsrat ist das Sprachrohr, ich habe da wunderbare Spieler, die das selbst in die Hand nehmen. Und als letzte Instanz trete ich dann auf", sagt der gebürtige Erlenbacher.
Die Ziele für die neue Regionalliga-Spielzeit, welche die Leipziger am 26. Juli mit einem Auswärtsspiel beim FSV Zwickau eröffnen werden, sind ebenfalls Produkt der internen Fokusgruppe. Schon letztes Jahr wurden in Sternberg aus ambitionierten Wandersmännern erfolgshungrige Blutsbrüder, die Messlatte wird laut Seitz "realistisch aber ambitioniert" angesetzt: "Ich bin gespannt, was dieses Jahr ausgerufen wird und bin in freudiger Erwartung," so der Trainer. Grundsätzlich solle man sich "immer hohe interne Ziele setzen, denn der erfahrene Ex-Bundesliga-Profi ist "kein Freund davon, jetzt zu sagen, mit 50 Punkten sind wir zufrieden - das will ich nicht hören".
Dauerkarten-Verkauf brummt
Die Richtung des Vereins stimmt, auch ein mögliches "verflixtes zweites Jahr" wird keine nachhaltigen Schäden im Selbstbild verursachen. Trainer und Mannschaft freuen sich auf die neue Saison - und das "neue Stadion". Bis zum Heim-Auftakt gegen die VSG Altglienicke und vor allem zum ersten Highlight des neuen Spieljahres im DFB-Pokal gegen Schalke 04 wird die schmucke neue Spielfläche inklusive Rasenheizung und Bewässerungsanlage fertiggestellt sein. Zudem brummt der Dauerkarten-Verkauf, die angepeilte Marke von 2500 Tickets ist in Reichweite, mit bislang 2093 veräußerten Fahrkarten wurde ein Rekord aufgestellt.