Der FSV Zwickau ist bereit für den amtierenden Meister. Die Schwäne bliesen im Vorfeld zur Jagd auf den "Heimspielauftakt-Zuschauerrekord". Der liegt bei 8.858 Besuchern gegen Magdeburg 2019/20 in der 3. Liga. Bereits am Dienstag waren über 4.500 Karten im Vorverkauf über den Ladentisch gegangen. Das sind mehr als bei den letzten beiden Heim-Auftaktspielen seit dem Abstieg in die Regionalliga Nordost 2023/24 gegen Luckenwalde (4.549) und 2024/25 gegen Greifswald (4.341) kamen. Selbst während der siebenjährigen Drittligazugehörigkeit (2016 bis 2023) gab es teils geringeres Interesse als jetzt mitten in der Ferienzeit.
Die Fans sind on fire. Und die Mannschaft? Die setzte am Wochenende beim Volkswagen Cup gegen den VfL Wolfsburg und Dynamo Dresden noch einmal ein Achtungszeichen - speziell beim 0:0 gegen den Zweitligaaufsteiger. Im 45-minütigen Aufeinandertreffen besaß die Elf von Cheftrainer Rico Schmitt nach einer starken Phase der Dresdner ab der 25. Minute bis zum Schluss hin die Chancen, das Spiel für sich zu entscheiden.
Die Aufstellung ließ zudem Rückschlüsse auf die Startelf gegen Lok zu. "Es wird logischerweise kein großes Durchwechseln mehr geben. Solche Spiele wie gegen Dynamo oder Wolfsburg, die auf einem anderen Niveau sind, gehören auch mit dazu, um unsere neuen Spieler nochmal etwas näher kennenzulernen und um zu sehen, auf welchem Niveau sich aktuell auch die befinden, die schon letzte Saison bei uns waren. Wo ist noch Luft nach oben?", erklärt Schmitt.
Startsev ist neuer Kapitän
Das Fehlen von Andrej Startsev (Fußprobleme), den Mannschaft und Schmitt zum neuen Kapitän bestimmten, sei offensichtlich, so der Fußballlehrer. Da Mike Könnecke, Startsevs Vorgänger als Spielführer und zugleich Nebenmann in der Doppelsechs seine Karriere im Juni beendet hat, hat sich Zwickau defensiv vor der Abwehr komplett neu aufgestellt. "Maximilian Somnitz und Till Jacobi haben sich dort gut reingeteilt", so Schmitt, der Somnitz - zuvor Innenverteidiger - gleich doppelt in einer neuen Rolle sieht. Der 22-jährige Berliner geht künftig auch als Vizekapitän voran. Eine Rolle, die völlig neu für den Youngster ist und auch dessen Entwicklungsschritt innerhalb des letzten Jahres unterstreicht. Schmitt: "Er hat sich sehr gut entwickelt, vom Alternativspieler hin zum Vizekapitän - durch gute Leistung!".
Es ist ein Sinnbild für die letzte Saison. Zwickau hat sich als Vierter in den Blickpunkt gespielt, Schmitt die Mannschaft mit Sportdirektor Robin Lenk zusammen weiterentwickelt. Fördern und Fordern ist da immer ein Thema, denn das fordern Cheftrainer und Sportchef immer wieder ein, zählen Spieler auch mal öffentlich an. Aber immer mit Augenmaß. Schmitt kitzelt dadurch das Optimum heraus. Paradebeispiel neben Somnitz ist Lucas Hiemann, der die letzten zwei Jahre nicht als Nummer 1 zwischen den Pfosten begann, aber letztlich Benjamin Leneis den Rang ablief. "Spricht auch für die Entwicklung von 'Hieme', der letztes Jahr in solchen Überlegungen noch überhaupt keine Rolle gespielt hatte", sagt Schmitt.
Lucas Albert, den man vor einem Jahr beinahe die Freigabe für einen Vereinswechsel geben wollte, gehört seit Kurzem wie Somnitz und Hiemann dem Mannschaftsrat an. Seit dem Drittligaabstieg und dem finanziellen Fast-Aus 2023 sind Verein und Spieler gleichermaßen gewachsen. 2025/26 ist eine Standortbestimmung: Wie weit ist der Weg zurück in die 3. Liga? Und wie positioniert sich das Umfeld? Will man den Hauruck-Aufstieg oder geht man das Ganze sachte an?