Heiner Brand begründet seine Zuversicht vorwiegend mit der besonderen Mischung innerhalb des Teams: "Wir haben eine tolle Gesamtkonstellation: feste Größen wie Andi Wolff und Johannes Golla, mittlerweile auch Julian Köster, die die Mannschaft führen können", so der Ex-Bundestrainer vor einigen Wochen im Gespräch mit handball-world.
"Und wir haben junge Leute, wie wir sie seit fast 50 Jahren nicht mehr gehabt haben", schlägt Heiner Brand den Bogen zurück zu seiner eigenen Spielerzeit: "Ende der 70er-Jahre kam die Generation um Erhard Wunderlich und Manni Freisler als junge Burschen hinzu und wir wurden 1978 Weltmeister. Seitdem gab es nie wieder eine solche Anhäufung von jungen Topspielern."
"Spielerisch muss mehr kommen"
Besonders im Rückraum sieht Brand die Mannschaft breit und variabel aufgestellt. "Rückraum links mit Köster, Grigic und Schluroff. Auf der Mitte mit Juri Knorr, der super individuelle Fähigkeiten hat, aber natürlich auch Schwankungen. Deshalb ist es wichtig, mit Lichtlein eine weitere spielstarke Option zu haben."
Im rechten Rückraum sorgen Uscins und Semper für zusätzliche Tiefe. Dennoch fordert Brand im Angriff eine klare Leistungssteigerung im Vergleich zur vergangenen WM: "Da waren Mannschaften wie Polen oder Italien phasenweise handballerisch mindestens genauso gut wie wir. Das kann einfach nicht sein. Wir müssen spielerisch überzeugen und uns gute Torchancen erarbeiten."
In der Defensive sieht Brand dagegen wenig Anlass zur Kritik: "Wir haben super Torhüter. Andi Wolff hat den Respekt von allen und ist zu einem echten Führungstyp gereift." Mit Golla und Tom Kiesler im Zentrum sei die Abwehr "sehr gut aufgestellt".
Konkurrenz stark - aber schlagbar
Auf dem Weg zu einer Top-Platzierung wartet jedoch harte Konkurrenz. Brand hebt vor allem die Dominanz der Dänen der vergangenen Turniere hervor: "Die waren bei Olympia und auch zuletzt handballerisch auf einer anderen Ebene. Es ist erstaunlich, wie sie immer wieder überragende Spieler hervorbringen."
Dazu kämen die "körperlich und taktisch starken Franzosen" sowie die "stets soliden Schweden". Angst hält Brand aber für überflüssig: "Das sind alles Mannschaften, die von uns geschlagen werden können. Die haben keine besseren Einzelspieler als wir. Wir müssen uns nicht verstecken."
Parallelen zu 2007
Auch einen Vergleich zur Heim-WM 2007 zieht Brand: "Unser Standing war vor 2007 keinesfalls höher als das jetzige", erinnert er. Damals sei das Nationalteam nach wichtigen Rücktritten nicht in einer besseren Ausgangslage gewesen.
"Heute ist das Standing mindestens ebenso gut, gerade international", so Heiner Brand. Daher sein abschließender Appell: "Vorn dabei sein müssen wir auf jeden Fall. Diese Chance darf die Mannschaft nicht ungenutzt lassen."