Aus Herning/Silkeborg berichtet Niklas Beckmann
Als Dänemark sein abschließendes EM-Vorrundenspiel gegen Portugal bestritt, saß die deutsche Handball-Nationalmannschaft gerade noch beim gemeinsamen Abendessen.
Nach dem Steak für den Magen wurde der nächste Hammer serviert: Das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit verloren die eigentlich übermächtigen Dänen ein Pflichtspiel in der Jsyke Bank Boxen zu Herning.
"Wir haben es angeguckt. Die letzten Minuten war ich schon baff, dass die Portugiesen das wirklich durchbekommen haben", erzählt Nils Lichtlein gegenüber handball-world. "In der ersten Halbzeit bis Anfang zweiter Halbzeit dachte man immer noch so: 'Irgendwann werden die Dänen jetzt nochmal aufziehen oder zünden'. Dass die Portugiesen das geschafft haben, die wirklich unten zu halten und auch vorne ihren Spielstil einfach durchgebracht haben, ist beeindruckend gewesen."
Was bedeutet die Dänemark-Pleite für die deutsche Gruppe?
Was bedeutet das für Deutschland und die Konstellation in der Hauptrunden-Gruppe I? "Ich glaube, Dänemark hat jetzt richtig Schaum vorm Mund", meint Rune Dahmke. "Es ist wahrscheinlich gut, dass wir jetzt nicht gegen sie spielen, nachdem sie mal nach gefühlt 15 Jahren ein Spiel verloren haben. Das ist dann wahrscheinlich aber auch der einzige Vorteil, wenn wir über Dänemark nachdenken."
Hätte Dänemark nicht gegen Portugal verloren, wäre der Weltmeister und Olympiasieger der erste Hauptrunden-Gegner des deutschen Teams gewesen. So trifft Deutschland am morgigen Donnerstag (22. Januar) auf die Iberer.
"Es ist natürlich schön zu sehen, dass man die Dänen schlagen kann. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es die Gruppe noch schwerer macht", so Lichtlein, der bei den Füchsen Berlin an der Seite des dänischen Superstars Mathias Gidsel spielt.
Aus Sicht von Justus Fischer macht die Dänemark-Pleite die Gruppen-Konstellation an sich "ein bisschen komplizierter". Er geht von "noch angezündeteren" Dänen aus - und dürfte dabei vor allem an Gidsel denken. Das deutsche Trio bewertet die Situation also ziemlich ähnlich.
Dahmke: "Sind doch Menschen"
Die Dänen sind u.a. an ihrer - für ihre Verhältnisse - außergewöhnlich schlechten Wurfquote (in der ersten Hälfte nur 50 Prozent, am Ende immerhin 64 Prozent) gescheitert. Vor allem Linksaußen Emil Jakobsen (1/5) erlebte gegen Portugal einen gebrauchten Abend. "Am Ende sind es doch Menschen, die da den Ball werfen müssen und die spielen auf einem unfassbar hohen Niveau - seit einer sehr langen Zeit und wirklich sehr konstant. Aber es trifft irgendwann jeden Mal, dass du einen schlechten Tag hast", so Positionskollege Dahmke.
Er erklärt: "Und meistens ist es dann wirklich so, dass wenn ein schlechter Tag kommt, dass dann mehrere in der Mannschaft so einen schlechten Tag erwischen. Und das Momentum dir so ein bisschen aus den Fingern gleitet. Und das ist den Dänen gestern passiert."
Ändert diese Niederlage etwas am Favoriten-Status der Dänen? Dahmke sagt im Gespräch mit handball-world: "Ich glaube nach wie vor, dass sie mit Abstand die beste Mannschaft sind. Dass sie jetzt vielleicht den Schuss vor den Bug bekommen haben, den sie vielleicht auch mal gebraucht haben. Aber dass es jetzt eher noch gefährlicher ist, gegen die Dänen zu spielen."
Die deutschen Handballer treffen am Montag (26. Januar) auf den Co-Gastgeber. Bis dahin müssen Dahmke und Co. erst noch die Aufgaben Portugal und Norwegen (24. Januar) erledigen.
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