In der März-Ausgabe richtete er den Fokus unter anderem auf "das Team hinter dem Team". "Sie kümmern sich um alles außerhalb des Spielfelds, damit ich mich vollständig auf Handball konzentrieren kann. Ich weiß, wie wichtig das ist, und ich nehme das nicht als selbstverständlich", schreibt der Linkshänder.
Zu diesem Team gehört unter anderem auch sein früherer Athletiktrainer Anders Poulsen. Schnelligkeit und Explosivität - das ist das, was Mathias Gidsel ausmacht und das Handballherz eines jeden Fans höher schlagen lässt, wenn man ihm zuschaut.
"Nicht das passende körperliche Profil"
Doch bis zu seiner heutigen Form war es ein langer weg, wie er schrieb: "Als ich 17 war, wurde mir mehr als einmal gesagt, dass ich es als Rückraumspieler nie schaffen würde. Ich hätte einfach nicht das passende körperliche Profil dafür. Ich wog 76 Kilo und war 186 cm groß, und wenn man neben Spielern stand, die 195 bis 198 cm groß und fast 100 Kilo schwer waren, sah man den Unterschied sofort."
Poulsen habe dabei nie versucht, ihn in etwas zu verwandeln, das er nicht ist. "Er hat einfach dafür gesorgt, dass wir mich auf die richtige Art aufbauen. Wenn ich nicht größer werden konnte, musste ich stärker werden. Das war die Realität", so Gidsel.
"Von Herbst 2016 bis Frühjahr 2017 habe ich in sieben Monaten sechs Kilo zugenommen. Für mich war das eine große Veränderung. Es bedeutete fokussiertes Krafttraining, gute Regeneration und, ehrlich gesagt, auch mehr Essen, als mir als 17-Jährigem manchmal lieb war." Der Fokus lag dabei vor allem auf Hypertrophie, also auf ein höheres Trainingsvolumen mit mehr Sätzen und Wiederholungen pro Muskelgruppe.
"Ich stand stabiler"
In dieser Zeit hätten sich seine Werte deutlich verbessert. "Bankdrücken ging von 82,5 kg auf 95 kg, Rudern von 62,5 kg auf 75 kg und Kniebeugen von 100 kg auf 120 kg. In den Zweikämpfen habe ich den Unterschied deutlich gespürt. Ich stand stabiler und war schwerer zu bewegen", verrät der dreifache Welthandballer.
"Das war ein echter Fortschritt. Aber im Handball geht es nicht darum, stark auszusehen. Es geht darum, diese Stärke mit der richtigen Geschwindigkeit einzusetzen." Gidsel nannte ein Beispiel: "Bei einer Kniebeuge haben deine Muskeln vielleicht 0,5 bis 0,6 Sekunden Zeit, um maximale Kraft zu entwickeln. Auf dem Spielfeld hast du beim Sprungwurf etwa 0,2 Sekunden. Dieser Unterschied verändert alles."
Neuer Fokus im Training
Daher setze der Däne mehr auf explosive Übungen und Sprungtraining. Auch, weil er phasenweise gemerkt hatte, dass zu viel Kraft ihn langsamer gemacht hatte. Das war der Grund, warum er seinen Fokus im Training neu setzte: "Wir haben zwei bis drei Sprungeinheiten pro Woche eingebaut und einen Teil des Muskelaufbautrainings ersetzt. Jede Einheit bestand aus fünf bis sechs hochintensiven Übungen, alle mit Fokus auf Geschwindigkeit und minimale Bodenkontaktzeit."
Dadurch zeigte sich eine deutliche Verbesserung, beispielsweise im Hinblick auf seine Sprunghöhe, die er innerhalb von zwei Jahren um knapp 20 Zentimeter erhöhte. "Für mich war die Lehre klar: Ich musste nicht der größte Spieler im Raum sein. Ich musste auf die richtige Art stark sein und die Balance zwischen Muskelmasse, Kraft und Explosivität finden. Und vielleicht noch wichtiger: Es geht nicht darum zu beweisen, dass man nicht zu klein ist. Es geht darum, das zu entwickeln, was dich wirklich gefährlich macht", so Gidsel.