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Jaron Siewert: Vom Schlaganfall zum jüngsten Meistertrainer

kicker

Die Füchse Berlin (früher: Reinickendorfer Füchse) sind Jaron Siewerts Heimatverein. Der gebürtiger Berliner spielte dort von der Jugend an - u.a. gemeinsam mit Fabian Wiede und Paul Drux.

Im Alter von 20 Jahren beendete Siewert seine aktive Karriere, um sich voll auf den Job als Coach zu konzentrieren. Er arbeitete in der Folge als Co-Trainer des Junioren-Nationalteams sowie mit verschiedensten Jugendmannschaften bei den Füchsen. Seinem großen Förderer Bob Hanning fiel früh auf, dass dieser Junge riesiges Talent besitzt.

Steiler Aufstieg

Und wenn Hanning etwas auffällt, dann setzt er alles daran, dass sich ein solches Talent auch entfalten kann. Siewert also ist gerade mal 23 Jahre alt, als er 2017 den Zweitligisten TUSEM Essen übernimmt. Drei Jahre später steigt er mit Essen in die Bundesliga auf. Kurz darauf holt Hanning ihn zurück nach Berlin. Zu jener Zeit ist auch Sportvorstand Stefan Kretzschmar noch recht neu im Klub.

Im Alter von 26 Jahren wird Siewert Cheftrainer der Füchse, einen so jungen Trainer hat es im deutschen Profihandball zuvor noch nie gegeben. "Für mich geht alles sehr schnell und sehr steil aufwärts", sagte Siewert in Ausgabe 13/2024 von Bock auf Handball.

Ein Prozess

Der erste Titel kommt 2023: Die EHF European League. Dabei hat es gedauert, sich den Respekt seiner Spieler zu erarbeiten. Profis wie Hans Lindberg, Lasse Andersson oder Mathias Gidsel haben während ihrer Karrieren schon viel erlebt und noch mehr gesehen. Sie haben einige der größten Titel gewonnen und bittere Niederlagen eingesteckt. Solche Spieler wissen, worauf es im Handball ankommt, sie wollen überzeugt werden.

"Klar, als No Name in die Bundesliga zu einem Topverein wie den Füchsen zu kommen - das war natürlich erstmal ein Prozess, diesen Respekt der Spieler zu gewinnen", erzählte Siewert. "Solchen Profis geht es nicht darum, ob der Trainer nett ist oder mit dir einen Kaffee trinken geht oder sonst was. Es geht darum, ob er zum Erfolg führen kann. Ja oder Nein. Und wenn Ja, dann respektieren sie einen."

Der Schicksalsschlag

Ein großer Rückschlag kommt im Spätsommer 2022: Siewert merkt ganz plötzlich und unerwartet, dass irgendetwas nicht stimmt. Er weiß zu diesem Zeitpunkt nur überhaupt nicht, was es ist.

Er sitzt mit seinem Co-Trainer Max Rinderle in der Trainerkabine der Füchse, als ihm auffällt, dass mit seiner Koordination irgendetwas nicht in Ordnung ist. Sein Körper reagiert nicht mehr so, wie er es will. Und was das Merkwürdigste daran ist: Jaron Siewert kann nichts dagegen tun, er kann sich weder richtig artikulieren noch dagegen wehren. Er verliert die Kontrolle über seinen eigenen Körper.

Sofort rufen seine Mitarbeiter den Krankenwagen. Die Diagnose wird im Prinzip noch auf dem Weg ins Vivantes Klinikum in Berlin-Friedrichshain gestellt: Schlaganfall. Im Alter von gerade Mal 28 Jahren. Unmittelbar nach der Ankunft im Krankenhaus wird Jaron operiert. Es ist ein Ereignis, das sein Leben verändert - und auch seinen Blick auf den Handball.

Die schnelle Rückkehr

"Wenn man so einen Schicksalsschlag durchmacht, dann guckt man natürlich ganz anders auf seinen Beruf. Besonders wenn man zwei Kinder hat und nicht nur für sich alleine im Leben kämpft, sondern Verantwortung für eine Familie hat", so Siewert gegenüber Bock auf Handball.

"Das hat sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass ich Erfolge im Sport zwar schön finde, dass ich sie genieße, aber auch nicht überbewerte. Und Niederlagen sollte man analysieren, aber sich auch nicht zu Herzen nehmen. Davon geht die Welt nicht unter, noch urteilen deine dir engsten Menschen anders über dich, wenn du gewinnst oder verlierst."

Bemerkenswert, wie er den Schicksalsschlag bewältigt: Weniger als zwei Wochen nach seinem Schlaganfall stand Siewert schon wieder in der Halle.

Ruhig und analytisch zu großen Erfolgen

An der Seitenlinie ist er ein sehr ruhiger Vertreter seiner Zunft: "Wenn ich mich jetzt von Emotionen leiten lasse und nur mit den Gegnern und den eigenen Spielern unzufrieden bin, dann geht der positive Blick auf alles verloren. Bei mir zumindest."

"Andere Trainer können das vielleicht oder brauchen das, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Ich brauche es für mich nicht. In der Trainingswoche wird es dagegen natürlich schon mal lauter. Da gibt es auch klare Ansagen, da gibt es auch Konflikte. Das sehen die Leute aber nicht und mich stört das nicht, dass ich als der ruhige, analytische, vielleicht manchmal unterkühlte Typ gesehen werde", sagt Siewert.

Mit dieser Art hat er große Erfolge eingefahren. Siewert hat Eigengewächse wie Nils Lichtlein, Tim Freihöfer oder Matthes Langhoff genauso in die Mannschaft integriert (und zu Leistungsträgern geformt) wie internationale Top-Spieler a la Mathias Gidsel, Lasse Andersson oder Dejan Milosavljev.

2024/25 holte er mit Berlin die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte - und wurde im Alter von gerade einmal 31 Jahren zum jüngsten Meistertrainer der Bundesliga. Dazu erreichte er mit den Füchsen das Champions-League-Finale. Zu Beginn dieser Saison gewann er mit Berlin das zweite Jahr in Folge den Supercup. Dann kam das vorzeitige Aus für ihn.

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