Bei der Heim-Europameisterschaft von 2024 wäre die DHB-Auswahl bereits jetzt im Halbfinale. Wegen dreier Siege - inklusive des Spanien-Erfolgs aus der Vorrunde - steht der Europameister von 2016 aktuell bei sechs Punkten. Vor zwei Jahren hatte sich Gastgeber Deutschland mit nur fünf Zählern in die Vorschlussrunde gezittert.
Allerdings ist das kein wirklicher Maßstab: Kein Team hatte in der EM-Geschichte jemals mit weniger Punkten noch ein Halbfinale erreicht. Diesmal hat sich die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason bislang schadlos gehalten. Heißt auch: Gewinnt das DHB-Team eines ihrer beiden abschließenden Hauptrunden-Spiele, wäre das Halbfinale definitiv gesichert.
Das hat den einfach Grund, dass es dann nicht mehr drei Mannschaften der Hauptrundengruppe I geben könnte, die auf 8:2 Punkte kommen. Schließlich haben Dänemark (29:31 gegen Portugal) und Frankreich (29:32 gegen Dänemark) bereits jeweils zwei Minuspunkte gesammelt - und wären bei einer weiteren Niederlage bereits bei vier Verlustpunkten. Die anderen Teams haben schon jetzt vier oder mehr Minuspunkte auf dem Konto.
Und wenn das DHB-Team zweimal verliert?
Doch wie sieht es für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Deutschland gegen Top-Favorit Dänemark UND gegen Titelverteidiger Frankreich verliert, aus? Dann würde das DHB-Team mit 6:4 Punkten nur weiterkommen, wenn Frankreich gegen Spanien sowie Dänemark zum Hauptrunden-Abschluss gegen Norwegen verliert.
In diesem Fall allerdings könnten theoretisch auch noch Norwegen und Portugal gleichziehen, weswegen ein seltener Fünfer-Vergleich herangezogen werden würde. Dann hätte selbst das bislang enttäuschende Spanien (0:6) eine minimale Restchance.
Zur Orientierung: Bei Punktgleichheit entscheidet zunächst der direkte Vergleich. Erst anschließend würden die Tordifferenz und die mehr erzielten Tore aus allen Gruppenspielen berücksichtigt. Sollte auch dann keine Entscheidung gefallen sein, entscheidet das Fair-Play-Ranking. In letzter Instanz müsste gar das Los entscheiden.
Spiel um Platz 5 auch noch möglich
So weit will es die deutsche Mannschaft um einen auch beim 30:28 gegen Norwegen wieder alles überragenden Andreas Wolff natürlich gar nicht erst kommen lassen. Schon vor dem siegreichen Norwegen-Spiel hatte Deutschlands Teammanager Benjamin Chatton erklärt: "Wir haben den Vorteil, dass die Rechnung relativ einfach sein kann, wenn wir alle Spiele gewinnen." Schon ein weiteres würde reichen.
Selbst wenn die DHB-Auswahl aber einen der ersten beiden Plätze, die lediglich fürs Halbfinale berechtigen, verpasst, wäre das Turnier nicht automatisch beendet: Die jeweiligen Dritten der beiden Hauptrunden-Gruppen spielen noch den fünften EM-Platz aus.