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Bei Gisin wurde bereits der "Sterbeprozess eingeleitet" und nun ist er die wichtigste Bezugsperson von Odermatt

kicker

Der 15. Dezember 2018 war ein Tag, der Gisin und seine Familie für immer prägte. Bei den Kamelbuckeln verlor er die Kontrolle über seine Ski, stürzte schwer und zog sich 28 Brüche, ein Schädel-Hirn-Trauma und weitere gravierende Verletzungen zu. "Eigentlich war mein Sterbeprozess eingeleitet", sagt der heute 37-Jährige rückblickend. Nur dank des schnellen Handelns der Notärzte überlebte er. Doch für Gisin war klar: Ein Comeback auf der Piste würde es nicht geben.

Drei Jahre nach seinem Rücktritt meldete sich Marco Odermatt bei ihm und fragte, ob er sich vorstellen könne, bei Stöckli als Rennsportleiter einzusteigen. "Der Materialbereich mit all den Details hat mich fasziniert", erklärt Gisin. Heute ist er die wichtige Verbindung zwischen den Athleten, den Servicemännern und dem Entwicklungsteam. Besonders die Zusammenarbeit mit Odermatt ist intensiv: "Mein Vorteil ist, dass ich Marco schon lange kenne. Das hilft, um seine Rückmeldungen zu den Ski richtig interpretieren zu können - gerade wenn sie aus den Emotionen herauskommen."

Odermatt gilt als direkt und anspruchsvoll, was Gisin jedoch schätzt. "Wenn er das Gefühl hat, dass beim Material etwas nicht so ist, wie es sein sollte, dann sagt er das geradeheraus. Das ist auch richtig so." Die limitierten Trainings- und Testtage während der Saison erfordern eine klare und effiziente Kommunikation. "Odi absolviert ein immenses Pensum und hat wenig Zeit, im Materialbereich zu schrauben", erklärt Gisin.

Zusammenarbeit mit Odermatt ein Segen und eine Verantwortung

Die Zusammenarbeit ist auch für Stöckli ein Segen - und eine grosse Verantwortung. "Odermatt ist ein Jahrhundertathlet", sagt Gisin. "Gewinnt er nicht, wird sofort nach Gründen gesucht." Für das Team bedeutet das mentalen Hochleistungssport, denn jeder Fehler wird genau analysiert.

Dass Gisin und Odermatt sich schon aus gemeinsamen Weltcup-Tagen kennen, sieht der Rennsportleiter als Vorteil. "Die Nähe hilft, aber es ist nicht immer einfach. Einerseits ist er ein Kollege, andererseits müssen wir extrem professionell sein." Doch Odermatts Professionalität erleichtert die Zusammenarbeit: "Man weiss bei ihm immer, wenn es ums Business geht und wenn es privat ist."

Die traditionellen Apéros sind seltener geworden

Trotz der vielen Erfolge - beispielsweise dem Doppelsieg Odermatts in Crans-Montana im Februar 2025 - lässt sich Gisin nicht blenden. "Die Schwierigkeit ist, sich nicht von dieser Konstanz täuschen zu lassen." Apéros in der Stöckli-Manufaktur in Malters, früher Tradition nach Podestplätzen, sind seltener geworden. "Es würde sonst etwas viel werden mit dem Anstossen", schmunzelt Gisin. Doch bei grossen Erfolgen wird immer noch gefeiert.

Für Gisin ist die Arbeit bei Stöckli mehr als ein Job. Nach seinem schweren Unfall und dem erzwungenen Karriereende fand er hier eine neue Aufgabe, die ihn erfüllt. Die Zusammenarbeit mit Odermatt ist dabei eine besondere Herausforderung - und eine grosse Freude. "Es ist ein Prozess, der auch bei einem Kaliber wie ihm nötig ist. Und ich bin gerne ein Teil davon."