Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor ist überzeugt: "Laras Unfall wäre vermeidbar gewesen", wie er im ORF sagte. Gegenüber dem Blick fordert er den Einsatz von neuartigen Flaggen mit Sollbruchstellen, die bei hoher Belastung nachgeben könnten und im Falle von Gut-Behrami von grossem Vorteil gewesen wären.
Am 20. November 2025 stürzte die 34-jährige Tessinerin beim Super-G-Training in Copper Mountain (USA) schwer. Zwischen den vielen Teams, die sich auf die neue Skisaison vorbereiteten, herrschte Chaos. Die Bedingungen waren alles andere als optimal: mässige Sicht, flaches Licht, aggressiver Schnee. Als Gut-Behrami ein Tor zu eng anfuhr, verfing sich ihre Hand in der Flagge. Die Folge: eine Drehung, ein Sturz, schwere Verletzungen. Die Diagnose: Kreuzbandriss, Innenbandriss und Meniskusschaden.
Tschuor erklärt gegenüber ORF: "Von ihr kam nie ein Vorwurf. Aber wir müssen kritisch prüfen, ob wir etwas hätten anders machen können. Verletzungsprävention muss Thema sein." Seine Lösung: Flaggen mit Sollbruchstellen, die bei hoher Belastung mittig reissen. Diese wurden bereits vor Jahren getestet und bewiesen, dass sie Drehstürze reduzieren können, da das Tor bei Kontakt nachgibt.
Dennoch setzten sie sich lediglich in Rennen und nicht im Training durch. "Im Training würden zu viele Flaggen reissen. Dann bräuchte man an jedem Tor Personal", sagt Österreichs Teamchef Roland Assinger zu Blick. Er schlägt stattdessen Dreiecksflaggen vor, wie sie im Snowboard verwendet werden. Diese bieten aufgrund ihrer niedrigen Position weniger Angriffsfläche und könnten besonders für leichtere Fahrerinnen eine Lösung sein.
Die Debatte um die Sicherheit im Skisport erhält durch die jüngsten Unfälle neue Dringlichkeit. Neben Gut-Behrami verletzte sich im April 2025 auch die Italienerin Federica Brignone schwer an einer Torflagge. Vor einem Monat traf es die 19-jährige Maja Waroschitz aus Österreich beim Europacup in Zinal - für sie war die Saison damit vorzeitig beendet.
Ob sich mit neuen Flaggen tatsächlich alle Risiken minimieren lassen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Athletinnen Zeit bräuchten, sich auf mögliche Änderungen einzustellen, da sie sich an den grossen Stangen orientieren, weil der Widerstand bei der Linie helfe.
Gut-Behrami tendiert offenbar zu einer Rückkehr
Und wie geht es für Gut-Behrami weiter? Die dreifache Siegerin der Kälberloch-Strecke in Zauchensee wird schmerzlich vermisst, denn keine andere Fahrerin von Swiss-Ski konnte in diesem Winter in ihre Fussstapfen treten. Ihr Comeback ist ungewiss, doch Tschuor zeigt sich optimistisch: "Das entscheidet Lara mit ihrem Umfeld. Wenn sie zurückkommt, ist sie sehr willkommen." Nach Informationen von Blick tendiert die Ausnahmeathletin offenbar zu einer Rückkehr - ein Hoffnungsschimmer für ihre Fans und das Team.