Seit 96 Jahren werden die Lauberhornrennen ausgetragen. Ernst Gertsch gründete 1930 die Rennen, die danach 37 Jahre auf Anerkennung im Weltcup warteten. Eine Pause machten die Lauberhornrennen übrigens auch während des Zweiten Weltkrieges nicht, sodass der einheimische Karl Molitor zwischen 1939 und 1948 sechsmal die Abfahrt, dreimal die Kombination und zweimal den Slalom gewinnen konnte, 1940 gar gleich alle drei Rennen.
Seit 1967 sind die Rennen in Wengen dann in den Weltcup aufgenommen worden. Damit stellt die Feriendestination im Berner Oberland nicht nur die längste Abfahrt der Welt, sondern auch die am längsten im Weltcup bestehende Abfahrt des Weltcups. Vor dem 14. Januar 1967 wurde nämlich noch nie eine Abfahrt im Weltcup ausgetragen. Der legendäre Jean-Claude Killy war der erste Sieger.
Schweiz-österreichische Rivalität und vierfache Sieger
Normalerweise listen wir hier alle Podestplätze der Schweizer auf, der Artikel würde aber bei 79 Weltcup-Podestplätzen ewig werden. In der 96-jährigen Geschichte der Lauberhornrennen gab es insgesamt 76 Schweizer Siege, womit die Schweiz Rekordsieger vor den Österreichern mit 74 Siegen ist. Es ist also Vorsicht geboten am Wochenende, will man nicht hinter den Erzrivalen aus dem Nachbarland zurückfallen.
Hier einfach die Schweizer Podestplätze aufzuführen, wäre den Lauberhornrennen zudem nicht wirklich würdig, denn es gab viel mehr grosse Sieger als nur die Schweizer. So beispielsweise Toni Sailer, der in den 60er Jahren die Rennen am Lauberhorn gleich viermal in Folge gewinnen konnte, oder Ivica Kostelic, der im Slalom insgesamt gleich viermal zuoberst auf dem Treppchen stand, zudem zweimal in der Super-Kombination.
Äusserst erfolgreich war auch Franz Klammer in den 70er Jahren. Von 1975 bis 1977 gewann er vier von sechs aufeinanderfolgenden Rennen, stand als Zweiter in einer zweiten Abfahrt ausserdem auf dem Podest. Zum Österreicher aufsteigen könnte in diesem Jahr zudem Henrik Kristoffersen, der bei drei Slalomsiegen steht. Aleksander Aamodt Kilde hat ebenfalls drei Siege, wird aber bekanntlich in diesem Jahr nicht am Start stehen.
Odermatt winken weitere Rekorde
Bereits bei vier Siegen steht auch Marco Odermatt. Der Nidwaldner gewann dreimal die Abfahrt, einmal zudem den Super-G. Allgemein liegt dem 28-Jährigen das Lauberhorn. Bisher stand er zehnmal am Start, stand dabei achtmal auf dem Podest und sein schlechtestes Ergebnis war der siebte Rang von 2025 im Super-G. Ein Sieg mehr würde ihn also in der Weltcupgeschichte laut FIS-Webseite zum alleinigen Rekordsieger machen.
Momentan steht Odermatt zudem bei acht Podestplätzen. Fährt Odermatt in den kommenden Tagen mindestens einmal aufs Podest, so lässt er Carlo Janka und Beat Feuz hinter sich, die jeweils ebenfalls auf acht Podestplätze kommen. Ein Sieg in der Abfahrt würde zudem bedeuten, dass er sich den Rekord der Schweizer Abfahrtssiege auf der Lauberhorn-Weltcup-Abfahrt nicht mehr mit Beat Feuz teilen müsste.
Drei Herren machen die fehlenden Siege der Kollegen weg
Elf Siege haben Odermatt, Janka und Feuz gemeinsam und haben damit seit 2005 starke acht Siege mehr als alle anderen Teamkollegen bei Swiss-Ski. Besonders bitter ist dies für Didier Cuche, der zwar in Kitzbühel fast unschlagbar war, sich in Wengen allerdings dreimal als Zweiter hinter der internationalen Konkurrenz einreihen musste.
Für die restlichen drei Siege waren auch gleich drei Fahrer verantwortlich. 2014 konnte Patrick Küng die Abfahrt am Lauberhorn vor Hannes Reichelt und Aksel Lund Svindal gewinnen, 2025 gewann Franjo von Allmen den Super-G. Der überraschendste Sieg kam sicherlich von Niels Hintermann, der 2017 - bei zugegebenermassen nicht ganz fairen Bedingungen - in der Kombination seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte.
Slalomsieger in diesem Jahrtausend? Fehlanzeige!
So erfolgreich die Schweizer Speed-Athleten in den letzten Jahren waren, so glücklos waren die Slalomfahrer. 2022 brach Daniel Yule mit seinem zweiten Rang einen 23-jährigen Podestfluch, 2023 legte Loïc Meillard ebenfalls mit dem zweiten Rang nach. Zuvor gelang dies zuletzt Michael von Grüningen, der 1999 seinen zweiten Slalom-Podestplatz in Wengen nach 1995 realisierte.
Ein Sieg gelang aber gar noch länger nicht mehr. 1987 war es, als Joel Gaspoz seinen ersten und einzigen Weltcupsieg seiner Karriere feiern durfte. Er selbst brach damals ebenfalls einen langen Fluch, der 19 Jahre lang anhielt. Dumeng Giovanoli gewann 1968 am Lauberhorn. Es war der erste Weltcup-Slalom in Wengen überhaupt und liess eigentlich auf viele weitere tolle Schweizer Erfolge hoffen.