Domen Prevc ist und bleibt der Dominator der aktuellen Skisprung-Szene. Auch zum Auftakt der 74. Vierschanzentournee in Oberstdorf gab es kein Wanken, kein Zucken beim Slowenen, keine Zweifel am Sieg. Und so sicherte sich der 26-Jährige den Auftakttriumph vor einem gewohnt lautstarken Publikum.
Von den sechs Deutschen, die an an diesem Montag an den Start gegangen waren, hatten sich in Felix Hoffmann und Philipp Raimund lediglich zwei fürs Finale qualifiziert - und dabei zunächst die Plätze vier beziehungsweise sechs erreicht.
Zajc wird plötzlich gestrichen
Hinter Prevc waren auf der Schattenbergschanze zunächst Landsmann Timi Zajc und der amtierende Tournee-Champion Daniel Tschofenig (Österreich) auf einem geteilten zweiten Rang eingelaufen. Dem 28-jährigen Hoffmann aus dem Team von Bundestrainer Stefan Horngacher fehlten dabei vorläufig nur magere 1,9 Punkte fürs Podest.
Bei der Überprüfung der Materialien wurde vor der Siegerehrung allerdings bei Zajc ein nicht regelkonformer Anzug festgestellt, weswegen der Slowene disqualifiziert wurde. "Das ist schade für ihn", sagte dazu ARD-Experte Sven Hannawald, Vierschanzentournee-Champion von 2002, und erklärte: "Ich möchte keine Sieger, die bescheißen - und dementsprechend: Auf Wiedersehen!" Das Positive aus deutscher Sicht: Somit stand Hoffmann doch noch als Dritter auf dem Podest, während es für Raimund noch Platz 5 wurde.
Debakel für Wellinger - Schwaches deutsches Teamergebnis
Olympiasieger Andreas Wellinger erlebte dagegen vor 25.500 Zuschauern in der ausverkauften Oberstdorfer Arena einen Alptraum. Der 30-Jährige schied bereits nach dem ersten Durchgang aus. Wellinger, der vor zwei Jahren zum Tournee-Auftakt noch gewonnen hatte, belegte den 49. und damit vorletzten Platz.
Pius Paschke, der im vergangenen Winter noch als Führender im Gesamtweltcup zur Tournee gereist war, schaffte es ebenfalls nicht unter die besten 30 Athleten.
Lokalmatador Karl Geiger war bereits in der Qualifikation (Platz 53) gescheitert - und sagte dazu: "Das war ein sauberer Griff ins Klo." In Hoffmann und Raimund standen somit nur zwei von sechs Deutschen im zweiten Durchgang. Das deutsche Team liegt damit weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück.
Prevc jetzt schon mit großem Vorsprung
Hoffmann sprang 132,5 und 136 Meter weit, Raimund 136 und 133 Meter. Hoffmanns Rückstand auf den auch im Gesamtweltcup klar führenden Prevc, der 141,5 und 140 Meter weit flog, beträgt umgerechnet allerdings schon fast elf Meter. Der 26-Jährige war klar der beste Springer und gewann in äußerst souveräner Manier.
"Bis auf den Domen ist alles eng beieinander", bestätigte den allgemeinen Eindruck auch Hoffmann selbst noch beim Interview mit der ARD. "Mit meinen beiden Sprüngen bin ich auch zufrieden." Später nach seinem überraschenden dritten Rang sagte Hoffmann am Stadionmikrofon außerdem noch: "Heute war es sehr cool für mich. Ich denke schon, dass es einen Schub für Garmisch gibt. Es war ein cooler Wettkampf."
Die deutschen Hoffnungen ruhen nun auf einem Prevc-Patzer sowie auf Hoffmann und Raimund. Beide springen bisher die Saison ihres Lebens. Ersterer tauchte schon in den vergangenen Jahren immer mal wieder im Weltcup auf. Wirklich nachhaltig auf sich aufmerksam machte der 28-Jährige aus Thüringen aber nicht. Das änderte sich gleich zu Beginn dieser Saison: Mit Platz 3 beim Weltcup-Auftakt im norwegischen Lillehammer feierte Hoffmann seinen ersten Podestplatz der gar nicht so kurzen Karriere. Der ruhige Athlet, der beim Temperament so ziemlich das Gegenteil zu Mannschaftskamerad Raimund darstellt, ließ weitere starke Wettkämpfe folgen.
Raimund bisher der konstanteste Deutsche
Raimund hat sich vom talentierten Athleten, der immer mal wieder sein Können aufblitzen lässt, zum Vorzeigespringer in der Mannschaft von Bundestrainer Horngacher verbessert. Raimund wartet zwar wie Hoffmann immer noch auf seinen ersten Einzelsieg im Weltcup. In der Weltspitze hat er sich aber etabliert. In den sechs Wettkämpfen direkt vor der Tournee war er nur einmal schlechter als Platz vier.
Das zweite Springen findet wie üblich am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen statt, es folgen die österreichischen Stationen Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar).