Senor Perez, so weist ihn sein Namensschild auf der rechten Brustseite seiner in Schwarz und Anthrazit gehaltenen Uniform aus, nimmt seinen Job ernst. Nach der Anreise am Flughafen Barcelona-El Prat kommen nicht alle Touristen (oder Einheimischen) an diesem Zollbeamten, dem letzten Hindernis vor der ellenlangen Warteschlange am Taxistand, unbeachtet vorbei. Was er in einem der mehr mürrisch als verständnisvoll geöffneten Koffer "findet", ist nichts Verwerfliches - verändert seine zunächst sehr strenge Miene jedoch schlagartig.
Halbfinals und Endspiel in wenigen Stunden ausverkauft
"Oh, una pala de pádel!", sagt er mit einem (jetzt freundlichen) Augenzwinkern. Ja, ein Padelschläger. Und? Er liebe diesen Sport, sagt "J. Perez", spiele selbst seit über 25 Jahren. Und klar, auch er wird sich die Premier Padel Finals im Palau Sant Jordi nicht entgehen lassen. Allerdings: "Ich habe nur Karten für diesen Donnerstag und Freitag ergattern können." Das Wochenende mit Halbfinals, den Spielen um Platz 3 und den beiden Endspielen der Männer und Frauen mit Eintrittspreisen zwischen 54 und 225 Euro war innerhalb weniger Stunden ausverkauft.
"Zum Glück habe ich am Samstag und Sonntag frei, meine Frau wird mich nur vor dem Fernseher finden", sagt Herr Perez - und lacht herzhaft. Verbunden mit den besten Wünschen, "nicht krank zu werden" angesichts des nicht nur in der kosmopolitischen Hauptstadt Kataloniens grassierenden Padel-Fiebers. Und schon widmet er sich dem nächsten Touristen - und dem nächsten akribisch zu inspizierenden Gepäckstück.
Premier Padel Finals 2025 - es scheint, als würde in ganz Spanien die Temperatur gen Siedepunkt steigen. Hier, wo die Duelle im von Glaswänden und Gitterzäunen begrenzten, 20 mal 10 Meter großen Court nach Fußball die klare Nummer zwei in der Gunst der Sport-Fans sind. Hier, wo die weiblichen und männlichen Superstars der Szene von überdimensionalen Werbewänden grüßen. Hier, wo sie auf dem 137 Meter hoch gelegenen Montjuic, einem der beiden "Hausberge" Barcelonas, ein rauschendes Padel-Festival erwarten: im Palau Sant Jordi.
Erst die Turner, dann Eric Clapton - und jetzt Popcorn
Nicht nur wegen des strahlend blauen Himmels, durchzogen von zahllosen Kondensstreifen der Flugzeuge, die sich nicht wie andere Maschinen beinahe im Zweiminutentakt im Landeanflug auf Barcelona-El Prat befinden, erinnert die Arena mit ihrer gigantischen Kuppel an eine Art römischer Tempel; innen unterteilt in vier Ebenen für 15.000 Padel-Jünger. Insgesamt wurden über 42.000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. In der Olympia-Halle von 1992, damals Wettkampfstätte der Turner, Hand- und Volleyballer, acht Jahre später für das Davis-Cup-Finale der Gastgeber gegen Australien (3:1) oder Anziehungspunkt für Konzerte internationaler Größen wie Eric Clapton (wird kommenden Mai wieder erwartet), herrscht schon vor dem ersten Aufschlag Hochbetrieb.
Die Verpflegungsstände werden mit Sandwiches (7,50 Euro), Hot Dogs (6,20), süßem Gebäck oder Popcorn (je nach Größe bis zu sechs Euro) und diversen Getränken (0,33 Liter Limo oder alkoholfreies Bier 4,30 Euro) bestückt. In der 2500 Quadratmeter großen und von einer Zeltkonstruktion überdachten Fan-Zone gibt es schon die 2026er-Modelle an Schlägern zu kaufen, Poster, Schweißbänder, Bälle - und natürlich die Trikots der Top-Stars wie Augustin Tapia, Arturo Coello, Juan Lebron, Federico Chingotto, Gemma Triay, Paula Josemaria & Co. Die neuen Shirts (40 bis 60 Euro) oder Schläger (bis zu 300 Euro) kann man im für die Besucher eigens aufgestellten Padel-Court auch gleich einem Praxistest unterziehen.
Schweißtreibend ist auch der Job der 50 Techniker. Rund 25 Kilometer an Kabeln haben sie verlegt, um die Premier Padel Finals per Livestream ins rechte Licht zu rücken und die Bewegtbilder weltweit auf die Bildschirme zu bringen. "In der Halle haben wir elf Kameras, außerhalb noch mal drei", sagt Aufnahmeleiter Mark und nippt inmitten der vier TV-Trucks entspannt an seinem Café solo, der spanischen Espresso-Variante. Zusatz: "Eine relativ kleine, aber feine Produktion." Schließlich war er am Dienstag noch beim Champions-League-Spiel des FC Barcelona gegen Eintracht Frankfurt (2:1) gefordert. "Da hatten wir 32 Kameras im Einsatz, an Kabeln ein Vielfaches."
„Wir bauen moderne Verbandsstrukturen für die nahe und ferne Zukunft auf.“ (DPV-Geschäftsführerin Steffi Steible)
Mit erstaunlichen Zahlen wartet auch der spanische Padelverband auf: über 22.000 Courts, über 100.000 Teilnehmer am offiziellen Spielbetrieb. Besonders beeindruckend ist, dass in den fünf Altersgruppen zwischen 20 und 64 Jahren Padel in der Gunst der Spanier Tennis mittlerweile bei Weitem überholt hat. Schätzungen zufolge spielen knapp vier Millionen Spanier - der männliche Anteil liegt bei rund 64 Prozent - regelmäßig Padel, die Tennisgemeinde hat sich auf unter drei Millionen Spieler reduziert.
In Deutschland ist man von derartigen Dimensionen noch ein Stück entfernt, aber alles andere als untätig. "Ein neuer Sport entsteht nicht einfach - er wächst, er formt sich, und er wird vor allem getragen von Menschen, die weiter schauen als bis zur nächsten Saison", sagt Steffi Steible, Geschäftsführerin des Deutschen Padel Verband. "Spanien hat es vorgemacht, doch auch Deutschland geht im Padel mit dem DPV inzwischen kraftvoll voran. Wir bauen moderne Verbandsstrukturen für die nahe und ferne Zukunft auf, wodurch wir auch zum Vorreiter für andere Sportarten werden wollen."
Über 1000 Courts gibt es mittlerweile in Deutschland, seine Turnierserie, die German Padel Series, hat der DPV im Vergleich zu 2024 in diesem Jahr mit fast 2000 Veranstaltungen mehr als verdoppelt. Und die Zahl der Aktiven, eingeteilt in fünf Klassen von regional unterteilten Bundes- bis Verbandsligen in vier Altersklassen (offen bis Ü55) und den acht verschiedenen Turnierformen (Punkte-Kategorien 50 bis 1500), lag zuletzt bei 6300 lizensierten Spielern. Auch in Sachen Nachwuchsarbeit ist man mit zehn Leistungszentren ordentlich, aber noch nicht optimal aufgestellt. In naher Zukunft will sich der DPV noch breiter aufstellen. Dazu gehört der Aufbau eines Bundesstützpunkts, Padel als Schulsport zu etablieren, um Talente noch früher und intensiver fördern zu können.
Ein überraschendes Wiedersehen
Zurück nach Barcelona. An diesem Donnerstag gibt es überraschenderweise ein Wiedersehen mit Senor Perez, dem Zollbeamten vom Flughafen. An einem der Eingänge zum Palau Sant Jordi. Diesmal wird er selbst nach unerlaubten Gegenständen gefilzt. Für ihn kein Problem, schließlich machen die Leute hier auch nur ihren Job, meint er - und taucht vor dem Auftakt mit dem ersten Teil der Viertelfinalduelle unter in der Masse der Padel-Fans. Voller Vorfreude auf ein rauschendes Padel-Festival.