Rodri Ovide gewann während seiner aktiven Karriere 18 Profi-Titel, führte 2003 die argentinische Rangliste an. Seit 18 Jahren arbeitet der 46-Jährige außerordentlich erfolgreich als Trainer, brachte das Duo Gemma Triay/Delfi Brea bis an die Weltspitze. Ovide peilt nun mit dem spanisch-argentinischen Pärchen bei den Premier Padel Finals in Barcelona den nächsten Erfolg an. Wie steinig der Weg überhaupt zum Profi ist, was er gerade den deutschen Talenten empfiehlt, erklärt er zwischen Kaffeepause und der nächsten Trainingseinheit.
Padel boomt in Deutschland. Und wir haben einige Spielerinnen und Spieler, die ernsthaft eine Profi-Karriere anstreben. Haben sie schon jemanden im Blick, Senor Ovide?
Richtig einschätzen kann ich eigentlich nur Victoria Kurz. Sie hat es in diesem Jahr als erste Deutsche in die Top-100 der Weltrangliste geschafft, steht derzeit sogar auf Platz 81. Beeindruckend. Ich verfolge ihren Weg. Eine sehr gute Spielerin. Wenn sie dranbleibt, hat sie trotz ihrer 25 Jahre eine tolle Zukunft im Padelsport vor sich. Und dann gibt es da noch junge Talente wie Milla Blaschke und Jonas Trümpler - aber beide kenne ich noch zu wenig. Da habe ich Nachholbedarf.
Auch aus dem Umfeld von Victoria war zu hören, dass sie künftig mit einer neuen Partnerin spielen möchte. In diesem Jahr haben sich auffällig viele Pärchen getrennt. Wie beurteilen sie die wachsende Unruhe in der Szene?
Für mich ist das ein wunder Punkt. Ich könnte verzweifeln. Die heutige Generation ist einfach viel zu ungeduldig. Klar, manchmal findet man schneller zusammen, meist aber muss du neben Trainingsfleiß auch etwas mehr Zeit investieren. Statt alles unter dem Motto, "schneller, erfolgreicher, absolute Weltklasse" zu sehen, sollten die meisten Profis mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Mit Geduld, Verständnis füreinander und mit harter Arbeit wirst du erst zu einem richtig guten Team.
Und der entsprechenden Persönlichkeit ...
Genau. Es gibt nicht die eine Lösung. Der Erfolg im Padel setzt sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen. Unruhe, sich ständiges Hinterfragen, Fehler nur bei den Partnern zu suchen - das ist ganz sicher der falsche Weg.
Welchen Weg also sollten die deutschen Spieler und Nachwuchstalente einschlagen?
Das Problem ist in keinem Fall das Alter. Egal, ob du 12 oder 25 bist: In einem Land wie Deutschland, wo Padel erst im Kommen ist, musst du die entsprechenden Strukturen schaffen für die Talentausbildung und -förderung. Und so etwas geht nicht von heute auf morgen, auch nicht von Monat zu Monat, sondern dauert einfach seine Zeit. Jahre.
Ihre Empfehlung lautet?
Spielt nicht nur bei euch im Verein. Spielt nicht nur eure Turniere. Ihr müsst raus aus dieser Blase. Wenn ihr euch richtig verbessern wollt, wenn ihr wirklich den Sprung zum Profi wagen wollt, dann lautet meine Empfehlung - und der Weg ist ja nicht sooooo weit: Kommt nach Spanien. Es ist ganz wichtig, an hochklassig besetzten, internationalen Turnieren bereits in jüngeren Altersklassen teilzunehmen. Ihr werdet in Deutschland nicht innerhalb von zwei Jahren eine Struktur aufbauen, wie wir sie hier in Spanien haben. Das ist einfach unmöglich. Aber ich sehe, dass dort sehr viel bewegt wird.
Wie sehen diese Strukturen in Spanien hinsichtlich der Nachwuchsförderung aus?
Allein in Madrid, wo auch ich arbeite, haben wir zehn Akademien. Auf Mallorca, da fliegen Deutsche ja besonders gerne hin, sind es drei Standorte. Über ganz Spanien verteilt, schätze ich, gibt es mindestens 50. Es gibt größere mit sehr vielen Spielern. Ich dagegen setze mehr auf Exklusivität, auf einen kleinen Kreis, um den ich mich entsprechend intensiver kümmern kann.
Sie haben nur Top-Spieler unter Ihren Fittichen: Die Weltranglisten-Erste Gemma Triay, Caro Orsi, 29. der Welt, und Jose Jimenez, die Nummer 40. Sind sie damit ausgelastet?
(lacht) Ja, ich bin aber auch teuer. Es gibt aber auch Akademien, da kann man auch für 300 bis 500 Euro pro Monat unterkommen, trainiert zweimal täglich. Ein sehr günstiges Angebot, aber ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist, um sich bis zum Profi entwickeln zu können. Ganz realistisch muss man mit 3000 bis 5000 Euro rechnen - Unterkunft und Verpflegung sind darin beinhaltet. Aber: Das man dann später auch wirklich richtig Geld mit Padel verdienen kann, kann dir niemand garantieren.
Was sind die entscheidenden Voraussetzungen für einen möglichen Durchbruch?
Talent, eiserner Willen und harte Arbeit - von allem etwas, aber bitte nicht zu wenig. Jeder Trainingstag ist anders, jedes Match ist anders, jedes Turnier ist anders. Es liegen viele Steine im Weg, aber für mich sind das nur Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Ich bin überzeugt, dass es auch deutsche Spieler und Spielerinnen geben wird, die wir irgendwann auf der großen Padel-Tour sehen werden.