Beide Teams bringen dabei mehr mit als nur ihre aktuelle Form. Buffalo reist mit dem Anspruch eines Titelkandidaten an, dessen Fenster seit Jahren offensteht und der in dieser Postseason eine seltene Chance wittert. Jacksonville hingegen betritt die Playoffs mit dem Selbstverständnis einer Mannschaft, die ihren Aufstieg nicht erklärt haben möchte, sondern ihn belegen will - mit Heimrecht, Momentum und einer klaren eigenen Identität. Genau dieser Gegensatz macht das Duell so reizvoll: Routine trifft auf Überzeugung, Erwartungsdruck auf Selbstbehauptung.
Anspruch gegen Selbstverständnis
Auf dem Papier wirkt dieses Spiel wie "Powerhouse gegen Aufsteiger". In der Realität bringt jede Seite ihr eigenes Narrativ mit. Buffalo reist mit jahrelanger Playoff-Erfahrung und dem Selbstverständnis eines Titelkandidaten an. Jacksonville dagegen hat sich Respekt über Monate erspielt und betritt die Bühne nicht als Bittsteller, sondern als Team, das seinen Platz behauptet.
Die Serienhistorie verleiht dem Ganzen zusätzliche Schärfe: Zehn Siege pro Franchise im direkten Vergleich, inklusive Playoffs. Für Buffalo schmerzlich: In der Postseason steht es 0:2 gegen Jacksonville. Hinzu kommt, dass die Bills ihre letzten drei Spiele in Jacksonville verloren haben - darunter das Wild-Card-Spiel 2017. Für die Jaguars ist das eigene Stadion in der Wild Card dagegen ein Symbolort: drei Heimspiele, drei Siege, zuletzt das legendäre Comeback gegen die Los Angeles Chargers 2022. Heimrecht ist hier Teil der Identität.
Jacksonville beendete die Regular Season mit acht Siegen in Serie - die zweitlängste Siegesserie der Klubgeschichte - und dominierte seit Week 11 mit einer Punktedifferenz von plus 153. Buffalo kommt mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen und steht zum siebten Mal in Folge in den Playoffs. Nach dem AFC Championship Game im Vorjahr stellt sich für die Bills nicht die Frage nach der Reife, sondern nach dem letzten Schritt.
Allen im Mittelpunkt
Der Fokus liegt zwangsläufig auf Josh Allen - allerdings weniger wegen seiner Klasse als wegen eines statistischen Makels. In Road-Playoff-Spielen steht Allen bei 0-4. Bemerkenswert: Seine Leistungen waren selten das Problem. In allen vier Auswärtsspielen kam er auf mindestens 270 Yards Total Offense, im Schnitt sogar 351 Yards, inklusive eines Career Highs von 397 Yards in Kansas City 2021. Der Quarterback liefert - die Ergebnisse nicht.
Das lenkt den Blick auf das Umfeld. Buffalo geht ohne klaren dominanten Receiver in diese Partie. Die Bills gehören zu den wenigen Teams ohne einen Spieler mit 725+ Receiving Yards. Khalil Shakir ist die verlässliche Kurzpass-Option, dazu lebt Buffalos 11-Personnel von Tight Ends Dalton Kincaid und Dawson Knox. Der konstante vertikale Punch fehlt: Keon Coleman blieb hinter den Erwartungen, Josh Palmer fehlt verletzt. Buffalo reagierte spät, holte Gabe Davis zurück und ergänzte mit Brandin Cooks Erfahrung. Ob daraus ein klarer Unterschiedsspieler entsteht, ist offen.
Buffalo Bills: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Jacksonvilles-Offense: Struktur statt Zufall
Jacksonville kontert mit einer der bemerkenswertesten Turnaround-Geschichten der Super-Bowl-Ära. Nach einer 13-Niederlagen-Saison folgt nun ein Jahr mit 13 Siegen oder mehr - angeführt von Head Coach Liam Coen, der als Rookie Head Coach sofort Wirkung erzeugte. Unter ihm spielt Trevor Lawrence die effizienteste Saison seiner Karriere: 38 Total Touchdowns, Franchise-Rekord von 27,9 Punkten pro Spiel, ein Passspiel mit klarer Struktur und Tempo-Variationen.
Das Receiving-Corps ist zur richtigen Zeit komplett: Parker Washington, Brian Thomas Jr. und Neuzugang Jakobi Meyers decken unterschiedliche Profile ab, Tight End Brenton Strange fungiert als Sicherheitsnetz. Washington ragt heraus: 847 Yards, 17 Receptions über 20 Yards, dazu 347 Yards und zwei Touchdowns in den letzten drei Spielen. Sein Zusatzwert macht ihn besonders gefährlich - zwei Punt-Return-Touchdowns in dieser Saison. Ein einzelner Special-Teams-Moment kann dieses Spiel kippen.
Jacksonville besitzt neben Washington im Special Team mit Kicker Cam Little eine Waffe mit realem Einfluss auf Spielpläne. Little traf die beiden längsten Field Goals der NFL-Geschichte - 68 Yards in Week 11 und 67 Yards in Week 18. Seine Range erweitert die effektive Scoring-Zone, verändert End-of-Half-Entscheidungen und macht Drives jenseits der Mittellinie sofort relevant.
Das Run Game als Prüfstein
Der dritte Hebel liegt im Laufspiel - bewusst divergent. Buffalo will über James Cook Kontrolle und Rhythmus erzeugen. Cook ist Rushing-Champion 2025 und trifft auf die statistisch beste Run-Defense der Liga. Es ist erst das zehnte Playoff Matchup "Rushing Leader gegen Nummer-eins-Run-Defense". Jacksonville erlaubt nur 85,6 Rushing Yards pro Spiel, Running Backs kommen im Schnitt auf 68,0 Yards. Diese Konstanz ist Teil einer Defense, die 31 Takeaways erzwungen hat - genau das Profil, das Buffalo in Niederlagen Probleme bereitete.
Umgekehrt sind die Bills gegen den Lauf anfälliger als es zu ihrer Identität passt: 136,2 Rushing Yards pro Spiel. Jacksonville verfügt mit Travis Etienne über einen weiteren Tausend-Yard-Back, auch wenn die Efficiency zuletzt nachließ. Entscheidend wird sein, ob Buffalo früh verhindert, dass der Lauf das Play-Action-Spiel von Lawrence in Gang setzt.
Fazit
Unterm Strich ist dieses Spiel ein Test zweier Identitäten. Buffalo muss beweisen, dass MVP-Niveau und Playoff-Erfahrung auch auswärts tragen, wenn die Offense nicht klar um einen Receiver zentriert ist. Jacksonville muss zeigen, dass Heim-Narrativ und späte Dominanz auch gegen ein Team mit situativer Routine greifen. Wahrscheinlich entscheidet nicht das große Spektakel, sondern das Kleine: Protection, Ballbesitz und Turnovers. Genau dort werden diese Matchups oft groß.
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