Die Saison der Cincinnati Bengals verläuft wieder unbefriedigend. Der 4-10-Record und eine erneute Verletzung in Week 2 dieser NFL-Saison haben Joe Burrow scheinbar schwer zugesetzt. Der sonst stoische und eher wortkarge Superstar-QB ließ bei einer Pressekonferenz dieser Woche tief in seine Gefühlswelt blicken - und besorgt damit die Cincinnati Bengals und deren Fans.
An Joe Burrows 29. Geburtstag trainerten die Cincinnati Bengals, um sich auf das Spiel gegen den Division-Rivalen Baltimore Ravens vorzubereiten. Nach der Übungseinheit stellte sich der Spielmacher den Fragen der Presse. Dabei wirkte er sehr nachdenklich und gab tiefgründige Antworten.
Auf die Frage, ob Burrow wieder Spaß am Spielen habe, antwortete er: "Habe ich Spaß, wenn ich spiele? Ich meine, wie sehr? Gewinnen macht immer Spaß, doch allgemein, macht es Spaß wie früher? Nein, ich würde nicht sagen, dass es so ist. Es muss Spaß machen. Wenn es keinen Spaß macht, wozu mache ich es dann? Ich muss einfach versuchen, dass es Spaß macht." In seiner gesamten Karriere bei den Bengals war deren Offensive Line immer im unteren Viertel der Liga gelistet - eine Ursache für die vielen Verletzungen Burrows.
Auf diese Aussage bohrte ein Reporter mit der Frage nach, ob es einen Wendepunkt gab, durch den er das Footballspielen weniger genieße. Darauf sagte er: "Der Wendepunkt? Ich bin nicht sicher, ob es einen einzelnen Moment oder eine Zeitspanne gab" und fügte an: "Reflektion - Reflektion über viele Dinge, die ich getan habe und durch die ich während meiner Karriere gehen musste. Und ich musste durch mehr durch, als die Meisten. Offensichtlich ist es sowohl für das Gehirn als auch den Körper nicht einfach, also versuche ich, dabei Spaß zu haben, wieder zu spielen."
Er fügte dann noch hinzu, als ein Reporter ihm sagte, dass er frustriert wirkt: "Ähm, es gibt einfach viele Dinge, die bei mir gerade passieren." Auf die Frage, ob es Football bezogen oder privat sei, meinte Burrow kurz: "Alles vom eben genannten."
Joe Burrow erlitt in der zweiten Woche der laufenden NFL-Saison einen Turf-Toe dritten Grades. Eine in der Schwere sehr unwahrscheinliche Verletzung, die nur in unter 2% der Fälle auftritt und eine Operation mit sich zieht, da ein Bänderriss im Fuß vorliegt. Die Ausfallzeit beträgt bei einer derartigen Verletzung mindestens drei Monate, Joe Burrow kehrte mit einer Wunderheilung bereits nach zweieinhalb Monaten wieder auf das Spielfeld zurück.

Die Cincinnati Bengals sind von ihrem Quarterback abhängig. Ohne ihm sind sie bei einer Horrorbilanz von 9-28, mit Burrow stehen sie bei 45-32-1. Das Management der Franchise aus Ohio muss sich oft anhören, wenig vorausschauend zu sein und oft zu wenig in die Mannschaft investiert. Ein Indiz, welches die Vorwürfe stützt, ist die Verletzungshistorie des Spielmachers. In seinen sechs Jahren in der Liga spielte er nur in drei Saisons voll, in den anderen erlitt er meist Saison-beendende Verletzungen. Die O-Line ist mit der schwachen Besetzung dafür verantwortlich.
Dazu kommt die Defense, die von Jahr zu Jahr schlechter geworden ist und vom Management nicht verbessert, eher verschlechtert wurde, da beispielsweise der Star-Safety Jessie Bates III zu den Falcons in der Free Agency abgegeben und kein adäquater Ersatz verpflichtet wurde, um die Lücke zu füllen. Letzte Saison warf der QB für unglaubliche 4.918 Yards, 43 Touchdowns und neun Interceptions - und verpasste trotzdem die Playoffs mit einem 9-8 Record, da die Defense zu viele Punkte zuließ.
Die vielen Enttäuschungen scheinen nun beim sonst lässigen Spielmacher seinen Tribut zu zollen. Die Pressekonferenz zeigt, dass Burrow mit dem Management und dem Trainerteam unzufrieden ist, da er erstmals seine Frustration äußert.
Es gibt nun viele Spekulationen um seine Person: Ein Trade zu einem anderen Team? Ein Verbleib bei den Bengals? Ein Karriereende? Letzteres fürchten vor allem die Bengals-Fans, da es schon in der Vergangenheit einen Fall gab, in dem ein äußerst talentierter QB aufgrund seiner Frustration mit Verletzungen seine Karriere früh beendete. Dies war im Jahr 2018 Andrew Luck von den Indianaolis Colts, der kurz vor dem Preseason-Spiel gegen die Chicago Bears sein Karriereende bekannt gab.
Sein enger Freund und Kollege Ja'Marr Chase versuchte, etwas die Kohlen aus dem Feuer zu holen. "Ich dachte anfangs, dass es KI-Generiert war. Es ist aber so, dass ich nicht sehe, dass er keinen Spaß hat. Er kommt jeden Tag hochmotiviert und mit einem Lächeln ins Gebäude. Den Rest müsst ihr aber ihn fragen." Dass Burrow nun so nachdenklich ist, kommt für viele überraschend. Mit seinen Aussagen lässt er aber viel Raum für Spekulationen um seine Personalie in der Offseason.