Erst vor zwei Jahren hatten die Pittsburgh Steelers mit ihrem felsenfest etablierten Head Coach Mike Tomlin verlängert. Nach der abermaligen direkten Playoff-Niederlage, dem 6:30-Blowout gegen die Houston Texans in der Wild Card Round 2026, zog der Trainer aus freien Stücken den Schlussstrich.
Wie am Dienstagabend (MEZ) zunächst diverse NFL-Insider berichteten und schließlich auch das Franchise aus der "Steel City" selbst verkündete, entschloss sich Tomlin für ein Head-Coach-Karriereende nach 19 Jahren - alle 19 in Pittsburgh.
"Während unseres heutigen Meetings hat mich Coach Tomlin darüber informiert, dass er sich dazu entschieden hat, aus Head Coach zurückzutreten", wird Steelers-Präsident Art Rooney II in einem Statement zitiert. "Ich bin Mike extrem dankbar für all die harte Arbeit, Hingabe und Erfolg, den wir über die letzten 19 Jahre geteilt haben. Der Respekt und die Wertschätzung, die ich für Coach Tomlin habe, lässt sich schwer in Worte fassen."
Tomlin selbst ließ sich etwas später mit den Worten zitieren, er habe seine Entscheidung "nach reiflicher Überlegung und Reflexion" getroffen. "Diese Organisation war für viele Jahre ein großer Teil meines Lebens und es war eine Ehre, dieses Team anzuführen." Tomlin bedankte sich bei Präsident Rooney, allen Spielern und Assistenztrainern und den Steelers-Fans. "Coaching in Pittsburg ist nicht wie überall sonst - und es wird mich für immer mit großem Stolz erfüllen, Teil dieses Teams gewesen zu sein."
Das Besondere: Tomlin, der zuvor als Defensive Backs Coach bei den Tampa Bay Buccaneers (2001 bis 2005) und als Defensive Coordinator bei den Minnesota Vikings (2006) arbeitete, war 2007 bei den Steelers vorgestellt worden - als Nachfolger von Bill Cowher und als insgesamt erst dritter Head Coach des Teams aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania seit 1969.
In den letzten Jahren aber war aufgrund schwacher Offense-Vorstellungen mit einem alternden Ben Roethlisberger, einer Übergangslösung mit Russell Wilson und Justin Fields oder zuletzt mit dem 42-jährigen Aaron Rodgers immer stärker darüber diskutiert worden, wie es mit ihm weitergeht.
Ein Super Bowl und nie eine negative Bilanz
Zwar konnte er innerhalb der stets hart umkämpften AFC North immer auf eine gute Regular Season zurückblicken sowie stolze 13 Playoff-Teilnahmen verbuchen und obendrein seine famose Bilanz von keiner einzigen Saison mit einer negativen Bilanz seit 2007 aufrechterhalten. Nur kam Pittsburgh in der Endrunde in den vergangenen Jahren nicht mehr weit - im Gegenteil: Inklusive der Pleite gegen die Texans hat das stolze Franchise - immerhin sechsmaliger Super-Bowl-Champion (Bestmarke gleichauf mit den New England Patriots) - siebenmal in Folge verloren.
Tomlin kann dennoch auf eine erfolgreiche Zeit als Head Coach zurückblicken und weist einige beeindruckende Statistiken auf. Unter ihm erreichte Pittsburgh abgesehen von den 13 Playoff-Tickets einen Record in der Regular Season von 193-114-2 und gewann obendrein Anfang 2009 mit "Big Ben" Roethlisberger Super Bowl XLIII (27:23 gegen die Arizona Cardinals). Tomlin galt darüber hinaus als einer der beliebtesten Head Coaches bei Spielern in der NFL und wurde zudem zum Coach of the Year der Saison 2008 gewählt.
Kritik an Tomlin
In den letzten Jahren waren Steelers-Fans aber immer mehr frustriert von Tomlin. Nicht nur, weil er immer wieder fragwürdige Entscheidungen auf und neben dem Platz traf, sondern auch, weil Pittsburgh seit 2017 eben jedes Spiel in den Playoffs verloren hatte. Das Franchise kam in sechs von neun Jahren in die Wild-Card-Round - aber nie darüber hinaus. Es wirkte wie ein Fluch, der auf Tomlin und den Steelers lastete - bis zum Ende jetzt.
Bei welchem Team könnte Tomlin landen?
Mit Tomlin, der bis zuletzt sogar der dienstälteste Head Coach in allen vier amerikanischen Top-Liegen war (NBA, NHL, MLB, NFL), betritt nun einer der renommiertesten Head Coaches der NFL den freien Markt. Wenn er sich für eine Rückkehr an die Sideline eines NFL-Franchises entscheiden würde, dürften zahlreiche Teams sicherlich Schlange für den 53-Jährigen stehen. Eins der spannendsten Teams, die gerade auf Head-Coach-Suche sind, sind die Baltimore Ravens um deren erst kürzlich entlassenen John Harbaugh (ebenfalls langjährig im Amt gewesen). Allerdings würde ein Wechsel zu einem direkten Divisions-Rivalen den Steelers-Fans sicher sauer aufstoßen.
So oder so haben die Steelers selbst das letzte Wort. Da Tomlin offiziell noch zwei Jahre (bis zum Ende der Saison 2027) Vertrag hat, könnte Pittsburgh eine Kompensation fordern, sollte Tomlin sich für einen Coaching-Job in der NFL entscheiden. Berichtet wird ohnehin, dass sich die langjährige Steelers-Ikone vorerst von der Seitenlinie fernhält. Reizvolle TV-Angebote als Experte sollen ihm bereits vorliegen, damit könnte er sich zum Beispiel ein Jahr etwas zurückziehen, um dann im Anschluss wieder voll einzusteigen.
Kurios: In der AFC North suchen nun drei von vier Team nach einem neuen Head Coach - neben Harbaugh und Tomlin ist schließlich auch Kevin Stefanski kein Trainer der Cleveland Browns mehr. Lediglich der ebenfalls schon immer mal angezählte Zac Taylor - seit 2019 bei den Cincinnati Bengals um Star-Quarterback Joe Burrow im Amt - hat seinen Job hier noch.