Der Schritt kam nicht überraschend, wohl aber mit Signalwirkung. Als Arvell Reese seinen Abschied vom College Football bekanntgab, war schnell klar, dass es nicht nur um einen weiteren Draft-Entry geht. Vielmehr verlässt einer der komplettesten Defensivspieler des Landes die Bühne und hinterlässt bei Ohio State ebenso viele Fragen wie Gewissheiten.
Vom Ergänzungsspieler zur defensiven Referenz
Reese selbst wählte für seine Ankündigung einen ruhigen, dankbaren Ton. "Ich möchte Buckeye Nation danken. Es war eine große Ehre, das scarlet und grey zu tragen", schrieb er in seinem Statement. Keine großen Worte, keine Andeutungen über Kritik oder Zweifel - sondern das Selbstverständnis eines Spielers, dessen Marktwert längst geklärt ist. Dass Reese Ohio State frühzeitig verlässt, reiht sich nahtlos in eine Woche ein, in der mit Carnell Tate und Caleb Downs gleich mehrere projizierte Top-Ten-Picks ihren Draft-Entry bekanntgaben. Für die Buckeyes ist das kein Alarmzeichen, sondern Ausdruck eines Programms, das Jahr für Jahr NFL-reife Spieler hervorbringt.
Bemerkenswert ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der Reese diesen Status erreichte. Als Recruit hoch eingeschätzt, national jedoch kaum im Fokus, begann er die Saison 2025 nicht als Gesicht der Defense. Das änderte sich rasch. Sacks gegen Texas, Minnesota, Illinois, Wisconsin und Penn State machten ihn früh zum Fixpunkt gegnerischer Gameplans.
Vielseitigkeit statt Statistik
NFL-Scouts bewerten dabei weniger die nackten Zahlen als das Profil dahinter. Reese kombinierte Explosivität beim Blitz mit Kraft im direkten Kontakt - Eigenschaften, die ihn zeitweise nahezu unblockbar machten. Dass seine Sack-Produktion in der zweiten Saisonhälfte ausblieb, wird intern nicht als Leistungsabfall gewertet, sondern als bewusste Anpassung seiner Rolle. Gerade in den entscheidenden Spielen wurde Reese häufiger als Spy eingesetzt, um mobile Quarterbacks zu kontrollieren. Eine Aufgabe, die sich nicht im Boxscore widerspiegelt, bei NFL-Entscheidern jedoch umso höher bewertet wird. Entsprechend klar fällt das Urteil der Scouts aus.
Bleacher Reports Scouting Department führt Reese als besten Blitzer, besten Run-Stopper und vielseitigsten Linebacker des gesamten Draft-Jahrgangs. Der Vergleich, den Analyst Matt Holder zieht, bringt das Profil auf den Punkt: "Demario Davis mit mehr Länge." Die Einschätzungen am Draft-Board variieren nur in Nuancen. Mel Kiper Jr. sieht Reese als Nummer vier Overall Prospect und besten Off Ball Linebacker, Bleacher Report führt ihn auf Rang sechs. In aktuellen Mock Drafts taucht sein Name konstant in den Top Sieben auf.
Für NFL-Defensive Coordinators ist Reese vor allem eines: ein Baukasten. Ein Spieler, der Druck erzeugen, Räume schließen und Coverages halten kann - und damit perfekt in moderne, hybride Defensivsysteme passt.
Bedeutung für Ohio State
Für Ohio State bedeutet Reeses Abschied nicht nur den Verlust eines Leistungsträgers, sondern auch eine Bestätigung. Die Buckeyes stellten 2025 die beste Defense des Landes, ließen lediglich 9,3 Punkte pro Spiel zu und schickten nun mehrere Schlüsselspieler geschlossen Richtung NFL. Arvell Reese geht nicht als One Year Wonder, sondern als Blaupause. Für Linebacker-Recruits, für Scouts und für ein Programm, das sich einmal mehr als Durchgangsstation zur NFL-Elite versteht.
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