Während Buffalo trotz eines Statement-Siegs mit massiven strukturellen Problemen kämpft, stehen die Chiefs vor einem historischen Umbruch. In Green Bay wird mitten im Playoff-Rennen plötzlich die Kadertiefe getestet, Myles Garrett jagt Geschichte, und in Cincinnati deutet sich eine weitere unruhige Offseason an. Gleichzeitig laufen die Jaguars genau zum richtigen Zeitpunkt heiß, die Raiders setzen neue Negativmaßstäbe, und alte wie neue Quarterback-Geschichten prägen diese Woche. Das sind die zehn wichtigsten Takeaways aus Week 15.
Die Bills haben trotz Statement-Sieg große Probleme
Der Comeback-Sieg gegen die Patriots war ein absolutes Highlight und extrem wichtig, doch er hat eine Schwäche erneut brutal offengelegt. Die Run Defense der Bills bleibt ein massives Problem. New England lief konstant und explosiv durch Buffalos Defensive Front und erzielte 246 Rushing Yards bei nur 25 Versuchen. Das entspricht 9,8 Yards pro Lauf, ein Wert, der auf NFL-Niveau schlicht nicht tragbar ist.
Über die gesamte Saison hinweg lassen die Bills 5,4 Yards pro Lauf zu, der zweitschlechteste Wert der Liga. Nur die Giants sind noch anfälliger. Mit 23 zugelassenen Rushing Touchdowns stellen sie sogar den Ligahöchstwert, und auch in der Kategorie Total Rushing Yards Allowed gehören sie zu den schwächsten Teams der NFL.
Ironischerweise wurde diese Defense gezielt dafür gebaut, den Pass und Speed zu stoppen, genau das, womit Buffalo in den vergangenen Jahren in den Playoffs gegen Kansas City immer wieder Probleme hatte. Nun sind die Chiefs gar kein Faktor mehr in den Playoffs, stattdessen drohen Gegner mit starkem Laufspiel wie die Patriots, Jaguars oder Steelers. Fakt ist: Wenn Buffalo diese Schwäche nicht in den Griff bekommt, könnte selbst ein überragender Josh Allen am Ende nicht reichen, um den ersten Super Bowl der Franchise-Geschichte zu gewinnen.
Chiefs vor einem radikalen Umbruch
Zum ersten Mal seit 2014 verpassen die Chiefs die Playoffs, und das ist erst der Anfang der Sorgen. Patrick Mahomes hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen, und es besteht die reale Möglichkeit, dass er nicht rechtzeitig zum Start der kommenden Saison zurückkehrt.
Aktuell halten die Chiefs einen Top-12-Pick im kommenden Draft. Zuletzt wählten sie 2017 so früh - damals entschieden sie sich mit dem zehnten Pick im Draft für Patrick Mahomes. Nun stehen sie erneut vor einer wegweisenden Offseason. Neben einer Übergangslösung auf Quarterback müssen vor allem die Trenches verstärkt werden, sowohl offensiv als auch defensiv.
Dazu kommt die mögliche Verabschiedung von Franchise-Legenden wie Travis Kelce. Vieles, was diese Dynastie ausgemacht hat, steht plötzlich infrage. Kansas City steht vor einer der spannendsten und gleichzeitig riskantesten Phasen der letzten zehn Jahre.
Packers vor dem Chaos
Die Niederlage im Topspiel gegen die Broncos war schmerzhaft, doch die Folgen wiegen noch schwerer. Green Bay rutschte auf Platz 7 ab und verlor gleichzeitig mehrere Schlüsselspieler. Am härtesten trifft sie die Verletzung von Micah Parsons, für den man vor der Saison tradete. Der defensive Star zog sich einen Kreuzbandriss zu.
Neben Parsons verließen auch weitere Schlüsselspieler angeschlagen das Feld, darunter Right Tackle Zach Tom, Wide Receiver Christian Watson und Safety Evan Williams. Zwar gibt es vorsichtigen Optimismus, dass es sich bei den drei nicht um Season-Ending Injuries handelt, doch ihr Status ist aktuell unklar.
Bereits im kommenden Division-Duell gegen Chicago könnten also mehrere Starter fehlen, und auch danach warten mit Ravens und Vikings alles andere als leichte Aufgaben. Mitten im Playoff-Rennen wird nun die Kadertiefe getestet. Die zentrale Frage lautet: Wie viel der verlorenen Parsons-Produktion lässt sich auffangen, und reicht das noch, um ganz oben mitzuspielen?
Myles Garrett jagt Geschichte - gegen den MVP
Myles Garrett spielt eine historische Saison. Mit 21,5 Sacks führt er die NFL mit riesigem Abstand an. Zum Vergleich: Brian Burns liegt mit 13 Sacks auf Platz zwei. Der Vorsprung von 8,5 Sacks würde allein für Rang 14 der gesamten Liga reichen.
Der All-Time-Sack-Rekord einer Saison von 22,5 ist zum Greifen nah. Die nächste Chance bekommt Garrett ausgerechnet gegen Josh Allen. Historisch gesehen war der Bills-Quarterback sehr gut darin, Pressure nicht in Sacks ummünzen zu lassen, doch in dieser Saison ist das etwas anders. Mit 33 Sacks gehört Allen zu den meistgesackten Quarterbacks der Liga.
Statistisch gesehen ergeben sich damit rund 2,4 Sack-Möglichkeiten pro Spiel gegen Buffalo, also auch für Garrett. Das Drehbuch könnte kaum besser sein: Der letzte Sack zum Rekord könnte gegen den aktuellen MVP Josh Allen kommen.
Bengals vor einer erneut unruhigen Offseason
Cincinnati gilt seit Jahren als eines der problematischsten Franchises aus Ownership-Sicht. Der Ruf, sparsam zu sein, begleitet das Team konstant und sorgt immer wieder für öffentliche Unruhe.
Nach dem erneuten Verpassen der Playoffs steht nicht nur erneut Head Coach Zac Taylor zur Diskussion, sondern auch die Zukunft von Joe Burrow. Der Quarterback verletzte sich in dieser Saison erneut schwer, verpasste viele Spiele und zeigte sich zuletzt offen frustriert über die Gesamtsituation.
Damit öffnet sich zumindest gedanklich die Tür für ein Szenario, in dem Burrow 2026 nicht mehr für die Bengals spielt. Sollte es so weit kommen, stünde die Franchise vor einem kompletten Neuanfang. Klar ist: Free Agency und Draft müssen sitzen, um die Stimmung bei allen Beteiligten in Cincinnati zu verbessern. Die Vergangenheit lässt jedoch Zweifel zu, ob dieser Umbruch konsequent umgesetzt wird.
Raiders sind mehr als nur eine große Enttäuschung
Die Raiders gelten für viele als die größte Enttäuschung der Saison, doch inzwischen geht es um mehr. Der Trade für Geno Smith und die Verpflichtung von Pete Carroll führten bisher zu nur zwei Siegen, einem Point Differential von minus 167 und aktuell dem zweiten Pick im Draft.
Dieses Team ist nicht nur enttäuschend, sondern gehört zu den schwächsten Mannschaften der letzten fünf Jahre. Das unterstreicht eine absurde Statistik aus der Niederlage gegen Philadelphia. Mit nur 75 zugelassenen Yards dominierten die Eagles defensiv komplett. Selbst die Backup-Offens der Eagles, die erst spät eingewechselt wurde, sammelte auf einem einzigen Drive mehr Raumgewinn als die Raiders im gesamten Spiel. Das ist nicht nur schlecht, sondern historisch schlecht.
Jaguars laufen zum perfekten Zeitpunkt heiß
Mit einem 10-4 Record führen die Jaguars die AFC South an und haben fünf Spiele in Folge gewonnen. Trevor Lawrence spielt auf hohem Niveau und stellte gegen die Jets einen NFL-Rekord auf: fünf Passing Touchdowns, ein Rushing Touchdown und über 50 Rushing Yards in einem Spiel.
Seit dem Jakobi-Meyers-Trade läuft die Offense rund, dazu kommt eine Defense, die mit 26 erzwungenen Turnovern ligaweit auf Platz zwei steht. Diese Kombination aus Ballgewinnen, effizientem Quarterback-Play und Formkurve zur richtigen Zeit macht Jacksonville brandgefährlich.
Die Jaguars entwickeln sich immer mehr zu dem Team, dem in den Playoffs niemand begegnen möchte.
Das Experiment "Opa in der NFL" geht in Runde zwei
Mit 44 Jahren feierte Philip Rivers nach fünf Jahren Pause sein NFL-Comeback, ausgerechnet gegen eine der besten Defenses der Liga. Physisch limitiert, aber weit davon entfernt, unterzugehen.
Rivers führte die Colts sogar zu einem vermeintlich spielentscheidenden Drive inklusive Field-Goal-Führung. Erst ein später Seahawks-Drive machte diesen Hoffnungsschimmer zunichte.
Das Fazit bleibt klar: Seine Erfahrung und Spielintelligenz helfen der Offense. Doch je mehr Tape Gegner von ihm bekommen, desto größer werden die Probleme werden. Rivers kann nicht mehr das komplette Playbook von Shane Steichen ausführen, da Armstärke und Mobilität klare Grenzen setzen. Was er jedoch weiterhin kann, ist die Defense richtig zu lesen und den Ball zu den freien Spielern zu bringen.
Bo Nix dreht im Dezember wieder auf
Schon im vergangenen Dezember sorgte Bo Nix für Aufsehen, und genau das wiederholte er beim Sieg über die Packers. Nach einem schwachen Saisonstart zeigte er erneut, welches Potenzial in ihm steckt.
Dass Denver bei 12-2 steht und den First Seed der AFC hält, ist in erster Linie der Defense zu verdanken. Doch mit einem Quarterback, der auf diesem Niveau spielt, öffnet sich das Ceiling des Teams komplett.
Die vielleicht beste Defense der Liga gepaart mit einem Bo Nix in dieser Form ist extrem schwer zu schlagen, vorausgesetzt, er kann diese Leistung konservieren und in die Playoffs mitnehmen.
Der bevorstehende Showdown in der NFC South
In der NFC South liefern sich Panthers und Buccaneers ein direktes Duell um den Divisiontitel und damit um das Playoff-Ticket. Beide Teams verloren zuletzt Spiele, die sie eigentlich hätten gewinnen müssen.
Die Folge: Beide stehen nun bei 7-7. Und das Brisante daran ist der Spielplan. In den letzten drei Wochen treffen sie gleich zweimal direkt aufeinander, da beide Divisionsduelle noch ausstehen.
Mehr Spannung geht kaum. Der Einzug in die Playoffs wird hier im direkten Schlagabtausch entschieden. Ehrlicher, direkter und dramatischer kann ein Division-Rennen kaum sein.
Der aktuelle Playoff-Stand
Die aktuelle Top 10 Draft-Reihenfolge NFL Week 15 kompakt Alle Schlagzeilen der NFL