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Power Ranking zum Playoff-Start: Kein Top-Team ohne Fragezeichen

kicker

NFL Playoff Power Ranking

14. Carolina Panthers

Die einzige Konstante dieser Panthers-Saison ist die Inkonstanz. Zwischen Woche 7 und Woche 17 wechselten sich Woche für Woche Sieg und Niederlage ab. Und nicht nur das: Während Carolina Teams wie Green Bay, die Rams und die Bucs in dem Zeitraum schlagen konnte, verlor man dafür unter anderem gleich zwei Mal gegen die Saints.

Die Panthers sind ein offensichtlich sehr, sehr unkomplettes Team. Sie sind aber auch ein Team, das selbst seine Stärken nicht verlässlich abrufen kann. Das Run Game etwa kann vermeintlich gute Matchups nicht ausnutzen - man denke an das 49ers-Spiel - und ist dann in anderen, eigentlich deutlich schwierigeren Duellen wie gegen die Rams, eine echte Stärke.

Bryce Young verkörpert diese Inkonstanz auf der Quarterback-Position. Young ist in der Lage, einige Big Plays anzubringen. Er kann hier und da kreieren. Aber er ist so selten verlässlich konstant, was man wiederum auch Woche für Woche in den Spielen insgesamt merkt. Dazu hat er wenige gute Playmaker abgesehen von Rookie-Receiver Tetairoa McMillan.

Und all das lässt sich auch auf die Defense übertragen. Früh in der Saison war es eine sehr gute Run-Defense. Doch die Front wackelte hier deutlich mehr im Laufe des Jahres. Die Panthers haben zumindest individuelle Playmaker, allen voran Derrick Brown und Jaycee Horn. Linebacker allerdings ist ein enormes Problem.

Die Panthers wirken auf dem Papier wie das klar schwächste Team in dieser Postseason. Aber: Wenn sie eine Sache in dieser Saison gezeigt haben, dann, dass sie überraschen können. Und in einem Heim-Playoff-Spiel können verrückte Dinge passieren.

13. Pittsburgh Steelers

Sie haben es also doch wieder geschafft! Am Ende ist es, nachdem man die Steilvorlage gegen die Browns in Woche 17 nicht nutzen konnte, ein verschossenes Field Goal der Ravens, welches Pittsburgh zum Division-Titel und zu einem weiteren Playoff-Auftritt verhilft.

Die waren zuletzt zugegebenermaßen wenig erfolgreich: Letztes Jahr schied man mit 14:28 gegen die Ravens aus, im Jahr davor setzte es ein 17:31 gegen die Bills und vor vier Jahren war mit einem 21:42 in Kansas City Endstation. Spiele, in denen man chancenlos war.

Der letzte Sieg der Steelers stammt aus den 2016er Playoffs. Die Hoffnung hier war, dass man sich mit der Verpflichtung von Aaron Rodgers zumindest die Chance darauf gibt, dass Rodgers in den Playoffs heiß laufen kann und man endlich mal wieder kompetitiv in der Postseason ist.

Die Chance darauf mag nicht übermäßig groß sein, aber sie ist da. Rodgers hat nicht zuletzt in der zweiten Hälfte gegen Baltimore gezeigt, dass er immer noch in der Lage ist, eine Handvoll absoluter Elite-Würfe anzubringen - und den Steelers so eine Chance zu geben.

Denn darum geht es letztlich hier: Kann die Offense genug Plays machen, wenn die Defense es eng hält? Beziehungsweise, genauer formuliert: Wenn die Defensive Front es eng hält? Denn die Secondary fiel dieses Jahr zu häufig mit Coverage-Busts auf, auch wieder mehrfach am Sonntag gegen Baltimore. Die Front aber war gerade über die letzten Wochen auf exzellentem Level unterwegs, angeführt von Cam Heyward und Alex Highsmith. Mittlerweile ist auch T.J. Watt wieder dabei.

Für Pittsburgh geht es darum, ein Spiel mit der eigenen Defense "hässlich" - oder sagen wir besser: zäh - zu gestalten, und dann darauf zu setzen, dass Rodgers, jetzt mit DK Metcalf nach seiner abgesessenen Sperre auch wieder im Lineup, genug Punkte aufs Scoreboard bringen kann. Die Chance darauf mag nicht sensationell groß sein. Aber sie ist deutlich besser als alles, was offensiv in den letzten Steelers-Playoff-Auftritten passiert ist.

12. Chicago Bears

Die Bears haben schon jetzt im ersten Jahr unter Ben Johnson alle Erwartungen übertroffen. Und egal, was im Januar noch passiert: Die offensive Perspektive in Chicago ist exzellent und darf Bears-Fans mittel- und langfristig äußerst optimistisch machen. Caleb Williams hat sich unter Johnson entwickelt, Johnson hat seine Offense im Laufe der Saison angepasst und das Run Game ins Rollen gebracht und die jungen Playmaker Luther Burden, Colston Loveland und Kyle Monangai entwickeln sich gut.

All das ist überaus positiv. Aber wie weit wird das die Bears in den Playoffs tragen? Denn auf diese Seite des Balls wird es maßgeblich ankommen: Die Bears-Defense ist so anfällig, dass Chicago vermutlich Shootouts gewinnen muss, um sich in den Playoffs zu behaupten.

Die Run-Defense, aber auch der Pass-Rush werden vermutlich zu große Schwachstellen sein, um hier mehrere Spiele zu gewinnen. Die einzige echte Chance auf der Seite des Balls sind die Turnover, die Chicago nach wie vor erstaunlich konstant forciert.

In erster Linie bin ich aber auf die ersten Playoffs für Caleb Williams und die ersten Playoffs für Ben Johnson als Head Coach gespannt. Williams hat sich im Laufe der Saison, was seine Konstanz und das Spiel In-Structure angeht, gesteigert, und die Highlights produziert er fast immer. Auf die eine oder andere Art werden diese Playoffs für die junge Offense eine hilfreiche Erfahrung sein. Und wenn man sich dann verabschieden sollte, könnte das zumindest mit einem offensiven Knall passieren.

11. Los Angeles Chargers

Dass die Chargers ausgerechnet dieses Jahr beide Star-Tackles verlieren mussten, ist doppelt bitter, wenn man das Playoff-Feld in der AFC betrachtet. Hier wäre ein beachtlich tiefer Run möglich gewesen, könnte Los Angeles offensiv aus allen Rohren feuern.

Doch das ist schon die ganze Saison über nicht der Fall. Das Run Game wurde bereits überraschend früh zum Beiwerk degradiert, man war vor allem in Matchups gegen starke Fronts davon abhängig, dass Justin Herbert die Offense auf seine Schultern nahm. Wenigstens in Form einer Handvoll Big Plays.

Herbert spielt individuell eine fantastische Saison, und je nach Matchup könnte das die Chargers zumindest einigermaßen kompetitiv machen. Los Angeles hat ein solides Playmaker-Arsenal und eine Defense, die gezeigt hat, dass sie Quarterbacks vor Probleme stellen kann. Zumindest, solange der Gegner den Ball nicht verlässlich läuft. Denn dann können die Chargers wiederum selbst schnell Probleme bekommen.

Anders formuliert: Die Chargers haben in Justin Herbert eine gigantische Trumpfkarte - doch es fehlen die unterstützenden Trümpfe daneben. Und in aller Regel reicht das nicht für einen tiefen Playoff-Run.

10. Green Bay Packers

Es ist ausgesprochen frustrierend, dass man bei den Packers zu folgendem Schluss kommen muss: Das Team steht mehr oder weniger am gleichen Punkt, an dem Green Bay auch zum Start der vergangenen Playoffs stand. Auch damals gab es einige prominente Ausfälle, dieses Jahr ist hier natürlich allen voran die Verletzung von Micah Parsons zu nennen.

Ohne Parsons fehlt Green Bay der Superstar, der Playoff-Spiele entscheiden kann. Das war schon letztes Jahr - neben den vielen Ausfällen - eine klare Erkenntnis. Dazu kommen die Ausfälle von Devonte Wyatt und Elgton Jenkins, vor allem aber fehlt mit Tucker Kraft (ebenfalls Kreuzbandriss) auch einer der Spieler, die einen echten Unterschied ausmachen können, auf der anderen Seite des Balls.

Offensiv bewegen die Packers den Ball konstant dieses Jahr, gerade im Run Game aber fehlt die Explosivität. Viel wird davon abhängen, dass Jordan Love auf höchstem Level spielt und mit seiner Aggressivität die Big Plays auflegen kann. Dazu ist er in der Lage - aber wie weit kann das in den Playoffs tragen? Vor allem wenn defensiv die Front erheblich geschwächt an den Start geht.

Und so fühlt sich Green Bay mal wieder wie ein gutes Team an, das zurecht in den Playoffs steht. Das hier auch ein Spiel gewinnen kann. Aber das nicht genügend individuelle Spitzenqualität hat, um ganz oben mitzuspielen.

9. Houston Texans

Wenn man Houstons Offense nur ein wenig mehr vertrauen könnte, hätte ich die Texans als das Nummer-1-Team in der AFC auf dem Zettel. Houston hat die beste Defense in der Conference, das haben sie in so vielen Spielen unter Beweis gestellt, auch gegen AFC-Playoff-Teams. Gegen die Broncos, gegen die Jaguars, gegen die Bills, zuletzt gegen die Chargers: Die Defense ist so gut, dass sie die Texans in jedem Matchup kompetitiv halten sollte und Spiele gewinnen kann. Hier sehe ich Houston, auch unter Berücksichtigung der jüngsten Trends, stärker als etwa die Broncos. Das könnte den Texans einen stabileren Floor geben.

Aber ehrlicherweise habe ich offensiv noch mehr Fragezeichen als bei den Broncos. Denn während Denver zumindest eine starke Offensive Line und einen Play-Caller hat, der ihnen eine Chance geben sollte, sind beide Dinge bei den Texans deutlich ungewisser. Auch spielt Bo Nix eine bessere zweite Saisonhälfte als C.J. Stroud.

Der Punkt ist: Houstons Offense ist extrem inkonstant, obwohl die individuelle Qualität bei den Playmakern da ist. Wenn Stroud und Co. jetzt zum richtigen Zeitpunkt heißlaufen, kann Houston sich als das gefährlichste und kompletteste Team in diesen Playoffs entpuppen. Doch ich habe hier schlicht mehr Zweifel als bei einigen der anderen Kandidaten in dieser sehr engen AFC, dass das auch passiert.

8. Buffalo Bills

In den letzten fünf Jahren sind die Bills in den Playoffs vier Mal an Patrick Mahomes und den Chiefs gescheitert. Ein Mal war gegen Joe Burrow und die Bengals Schluss. Mahomes und Burrow sind dieses Jahr nicht dabei, und dieses Playoff-erfahrene Bills-Team könnte jetzt vielleicht endlich den Run in den Super Bowl hinlegen, auf den man in Buffalo wartet, um die Josh-Allen-Ära krönen zu können.

Die bittere Ironie dieser Saison dabei ist: Vielleicht ist Buffalo ausgerechnet dieses Jahr nicht gut genug, um daraus Kapital zu schlagen.

Ich komme dabei immer wieder auf die Playmaker-Situation in der Offense zurück. Denn die Bills bieten dieses Jahr eine sehr klare Analyse: Wenn Buffalo seinen Plan A - das ist das Run Game - durchführen kann, ist es eine gefährliche Offense. Dann können sie das Passing Game darauf aufbauen, zusätzlich dazu, dass Allen individuell ohnehin ein X-Faktor ist. So dominieren die Bills dann Spiele auch offensiv.

Passiert das aber nicht, wurde entschieden zu häufig offensichtlich, dass Buffalo keinen Playmaker im Passing Game hat, der Spiele an sich reißen kann. Es ist eine Gruppe guter Role Player, aber wenn eine gegnerische Defense die Bills eindimensional macht, dann hat Buffalo keinen Receiver oder Tight End, der das auffängt. Und dann hängt sehr viel von Allen ab.

Das ist eine fragile Ausgangslage, gerade wenn es dann gegen Defenses wie Houston oder Denver gehen könnte. Dazu kommt, dass die Run-Defense der Bills überaus anfällig ist, und das ist die Formel, wie die Bills die Kontrolle über ein Spiel verlieren können.

Vielleicht ist die Kombination aus Allen, dem Run Game und der Playoff-Erfahrung, die Buffalo von jedem anderen Team in der Conference absetzt, genug, um sich in einem sehr ausgeglichenen AFC-Playoff-Feld nach vorne zu schieben. Die Defense hatte zuletzt einige aggressivere Game Plans und gerade die Cornerback-Gruppe ist gut. Vielleicht kann Buffalo hier mehr das Heft des Handelns in die Hand nehmen gegen einige der inkonstanten Offenses in der Conference.

Aber ist dieses Bills-Team konstant genug, um drei Auswärtsspiele in der Postseason zu gewinnen, auch wenn dieses Mal nicht Mahomes am Ende des Tunnels wartet?

7. Denver Broncos

Wäre das hier ein Ranking darüber, welches Team ich in den Super Bowl tippe, hätte ich Denver als Nummer 1 in der AFC. In einem Playoff-Bild, in dem - und das ist ausdrücklich keine Floskel - vielleicht abgesehen von den Steelers jeder jeden schlagen kann, ist die Bye Week in der ersten Runde umso wertvoller. Es wäre überhaupt nicht überraschend, wenn ein Team wie Jacksonville oder New England in der Wildcard-Runde stolpern würde. Diese Gefahr gibt es für Denver nicht.

Die Broncos müssen nur zwei Spiele gewinnen, um in den Super Bowl zu kommen. Und das zuhause. Das kann dieses Jahr umso mehr der entscheidende Bonus für einen tiefen Playoff-Run sein.

Damit das passieren kann, stehen sportlich zwei Fragen im Fokus: Welche Version der Broncos-Defense bekommen wir? Das Woche-18-Spiel gegen die Backups der Chargers mal ausgeklammert, stehen die Broncos in der zweiten Saisonhälfte defensiv nur noch auf Platz 13 in Expected Points Added pro Play. Insbesondere im Passing Game hat Denver zuletzt mehr zugelassen. Denver kann mit seiner Man Coverage um Patrick Surtain und seiner Aggressivität getrieben durch die explosive Front Spiele gewinnen. Aber es kann ein Ritt auf der Rasierklinge sein, daran hat die zweite Saisonhälfte einige Male erinnert.

Die andere sportliche Frage kann man auf Bo Nix und Sean Payton herunter brechen: Wie konservativ geht Payton die Playoff-Spiele aus einer Play-Caller-Perspektive an? Und sehen wir den Bo Nix, den wir etwa in Woche 11 gegen die Chiefs oder Woche 15 gegen die Packers gesehen haben? Oder die Version von Nix, die man unter anderem gegen die Raiders in Woche 10 oder die Jaguars in Woche 16 zu sehen bekam? Auch gegen die Backups der Chargers am Sonntag war es über weite Teile sehr zähe Kost von der Offense.

Nix kann Spiele mit einer Reihe an Big Plays an sich reißen und auch drehen. Das haben wir von ihm dieses Jahr mehrfach gesehen. Er kann aber auch Drives beenden, indem er Bälle verfehlt, Plays nicht gut liest, oder bei Third Down den Ball mehrere Yards tief ins Backfield wirft. Und Denver hat, im Gegensatz zur Frühphase der Saison, kein verlässliches Run Game mehr, auf das man sich stützen könnte.

Denver hat als Top-Seed die beste Chance, sich in der AFC durchzusetzen. Können sie diese Chance gegen gleichwertige Teams über zwei Spiele auch ergreifen?

6. New England Patriots

Unterschätzen sollte man die Patriots auf keinen Fall, auch wenn es klare Fragezeichen gibt. Dieses Team ist sehr Playoff-unerfahren. Der Coaching Staff bringt hier jede Menge Erfahrung mit, aber das Team ist voller junger Spieler, und es bleibt erst abzuwarten, wie die auf bestimmte Spielsituationen in den Playoffs reagieren. Angefangen mit Quarterback Drake Maye.

Dann wäre da das Fragezeichen in der Offensive Line. Will Campbell wurde rechtzeitig fit, der Rookie Left Tackle gab am Sonntag gegen die Dolphins sein Comeback. Das ist ein enormer Boost. Aber ist er auch direkt wieder bei voller Stärke? Inwieweit beeinträchtigt die Situation um Stefon Diggs das Team? Und generell, selbst mit Diggs: Die Patriots haben keinen individuell dominanten Playmaker. Normalerweise brauchen Teams einen solchen für einen tiefen Run.

Gleichzeitig haben wir von Maye bislang in dieser Saison gesehen, dass er das auf eindrucksvolle Art und Weise kompensieren kann. In der zweiten Saisonhälfte - Woche 18 aufgrund der unterschiedlichen Starter-Backup-Situationen bei manchen Teams ausgeklammert - führten die Patriots die Liga offensiv deutlich in Expected Points Added pro Play an und standen auf Platz 3 in Success Rate. Maye ist exzellent gegen Pressure und der beste Deep Passer in der NFL aktuell. Er kreiert als Runner und die Big Plays, die er der Offense gibt, können Spiele jederzeit auf den Kopf stellen.

Das kann auch in den Playoffs zu Siegen führen - insbesondere dann, wenn die Defense sich wieder von ihrer besseren Seite zeigt. Das ist in erster Linie eine Personnel-Frage: Milton Williams gab am Sonntag sein Comeback, aber wie nah dran ist er an den 100 Prozent? Wie viele Snaps kann er auf hohem Level spielen? Ist Robert Spillane zurück? Dann wäre die Run-Defense wieder eine echte Stärke, und in Kombination mit dem starken Corner-Trio könnte New England dann sogar womöglich das kompletteste Team in den AFC-Playoffs an den Start bringen. Aber da ist für den Moment noch viel Konjunktiv dabei.

5. San Francisco 49ers

Das Spiel gegen die Seahawks war ein deutlicher Dämpfer für die Playoff-Hoffnungen in San Francisco. Weil es so deutlich die Schwachstellen offengelegt hat, die den Niners auch in den Playoffs zum Verhängnis werden können.

Die Schwachstellen in der eigenen Run-Defense sind offensichtlich. Die von Verletzungen dezimierte Front wird auch in den Playoffs Gefahr laufen, dass gegnerische Offenses den Rhythmus des Spiels diktieren können. Seattle ist in dieser Saison nicht für sein dominantes Run Game bekannt - am vergangenen Samstag hätte man das jedoch fast denken können.

Dazu kommt, dass die Niners selbst den Ball nicht gut laufen. Viel wird also vom Passing Game abhängen. Was die Verletzungsfragezeichen rund um Trent Williams und Ricky Pearsall zu umso entscheidenderen Punkten macht. Pearsall könnte abermals länger ausfallen, und damit fehlt San Francisco der eine Receiver, der verlässlich auch vertikal Separation kreiert. Das war ebenfalls im Spiel gegen Seattle ein merkliches Problem.

Letztlich kommt man bei den 49ers immer auf eine relativ einfache Frage zurück: Kann Robert Saleh defensiv mit dieser drastisch dezimierten Unit ein paar exzellente Game Plans entwerfen, sodass San Francisco auf der Seite des Balls halbwegs kompetitiv ist, um der eigenen Offense eine Chance zu geben?

Daran wird es am Ende maßgeblich hängen, wie weit San Francisco in diesen Playoffs kommt. Und von diesen Plänen und der defensiven Flexibilität und Stabilität, die es dafür braucht, war zuletzt nicht viel zu sehen.

Die Offense kann auf Top-5-Level spielen. Aber sie wird nicht viel Spielraum für Fehler haben.

4. Jacksonville Jaguars

Die Jaguars sind das ideale Beispiel dafür, dass eine Saison aus mehreren Teilen besteht, die sich für einzelne Teams teilweise sehr unterschiedlich anfühlen können. Und dass es innerhalb dieser verschiedenen Abschnitte vor allem wichtig ist, dass der Trend spät in der Saison stimmt und dass man es nicht nur in die Playoffs schafft, sondern dass man dort auch einige klare Punkte hat, die die eigene Identität ausmachen.

Über die ersten beiden Saisondrittel fühlte sich Jacksonville trotz seines 7-4-Records an wie ein Overachiever. Die Jaguars lebten früh in der Saison defensiv von einer ganzen Reihe an Turnovern, während die Offense komplett davon abhängig war, dass das Run Game klappte. Gegen die Rams war man chancenlos, gegen Houston verlor man selbst ohne C.J. Stroud. Knappe Overtime-Siege gegen die Raiders und die Cardinals taten wenig dafür, das Bild aufzupolieren.

Dann aber wurde ein Schalter umgelegt. Ab Woche 13 lieferten die Jags ihre besten offensiven Spiele ab. Angefangen damit, dass Trevor Lawrence den besten Stretch seiner Karriere hinlegte.

Doch erfolgten diese Partien zunächst gegen die Titans, Colts und Jets, was wiederum die Einschätzung erschwerte. Der 34:20-Sieg in Denver war das erste klare Ausrufezeichen in der zweiten Saisonhälfte, das unterstrich, dass die offensive Entwicklung kein Gegner-bedingter Ausreißer war.

Natürlich sind Restzweifel weiterhin angebracht. Es ist fair, zu hinterfragen, ob Jacksonville diese offensive Form auch in den Playoffs konservieren kann. Ist die Offensive Line gut genug? Macht Lawrence so weiter? Gibt es vielleicht sogar noch eine Leistungssteigerung etwa von Brian Thomas?

Die Defense war zuletzt ebenfalls deutlich verbessert und hat in Josh Hines-Allen den individuellen Pass-Rusher, den Defenses in aller Regel brauchen, um in den Playoffs erfolgreich zu sein. Jacksonville könnte die Formel für einen tiefen Playoff-Run haben.

3. Philadelphia Eagles

Man kann die Einschätzung für Philadelphia auf eine relativ simple Frage herunterbrechen: Ist dieses Eagles-Team das sprichwörtliche Pferd, das so hoch springt, wie es muss? Oder ist es ein Team, dessen wiederholter und mit Nachdruck geäußerter Wunsch, möglichst früh in der zweiten Hälfte den offensiven Kopf in den Sand zu stecken, ihm in den Playoffs schließlich auf die Füße fallen wird?

Es gab so viele Momente in dieser Saison, die verhinderten, dass es den Eagles zum Verhängnis wurde, wenn sie zu lange innerhalb eines Spiels nur das Allernötigste gemacht haben. Der Drop von Travis Kelce an der Goal Line im Spiel gegen die Chiefs. Die zwei geblockten Field Goals gegen die Rams. Der verschossene Extra-Punkt der Bills. Der Fumble der Packers bei Fourth Down. Die fünf (!) vergebenen Fourth Downs der Lions.

Und in aller Regel war es eben die Offense der Eagles, die profitierte. Zuletzt beim Sieg gegen die Bills hatte Philadelphia 16 Yards offensiv in der zweiten Hälfte. Die Eagles sind das erste Team seit den 1987er Patriots, das mehrere Spiele innerhalb einer Saison ohne eigene Completion in der zweiten Hälfte gewonnen hat. Die Eagles haben drei Spiele in dieser Saison gewonnen, in denen sie weniger als fünf Passing Yards in einer Hälfte hatten, und stehen 4-0 in Spielen, in denen Jalen Hurts insgesamt nicht mehr als 135 Passing-Yards auflegen konnte.

Warum also ist Philadelphia trotzdem ein Top-3-Team? Zum einen: Es gibt natürlich auch Gründe außerhalb von einzelnen glücklichen Momenten dafür, dass die Eagles so wiederholt diese Art Spiel gewinnen. Der Nummer-1-Grund ist eine herausragende Defense, die eine exzellente Back Seven und einen starken Four-Man-Rush hat. Mit Jalen Carter zurück auf dem Platz hat man hier auch seinen Game-Wrecker wieder. Philadelphia kann Spiele ausgesprochen Low-Scoring halten.

Aber die Offense ist hier auch nicht auszuklammern. So frustrierend Philadelphia auf dieser Seite des Balls sein kann: Lane Johnson sollte zurückkommen, Philadelphia hat dann immer noch eine gute Offensive Line, auch wenn sie innen wackelt. Die Eagles können Big Plays mit ihren gefährlichen Receivern auflegen und Jalen Hurts kann in den Playoffs über sich hinauswachsen.

Die Eagles sind gefährlich. Wie gefährlich - das werden sie auch in Form ihres offensiven Trainerstabs maßgeblich selbst entscheiden.

2. Los Angeles Rams

Im Schlussspurt haben die Rams dann doch Federn gelassen: Die Niederlage gegen die Panthers war definitiv vermeidbar, die gegen Seattle erst recht. Gegen Atlanta zeigte eine angeschlagene Offensive Line deutliche Risse, und Stafford hatte sein vielleicht schwächstes Saisonspiel.

Waren das Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt? Oder waren es Vorboten größerer Probleme, die Los Angeles in den Playoffs noch stärker einholen werden?

Zumindest der Nimbus des klaren Titelfavoriten ist über die letzten Wochen der Regular Season ein wenig verloren gegangen. Zum Start des letzten Saisondrittels hätte ich Los Angeles ohne Frage zum Top-Titelfavoriten erklärt. Man kann auch jetzt noch dafür argumentieren, aber es ist entschieden weniger eindeutig.

Für mich gehören sie in einem Playoff-Feld, das sich so offen anfühlt wie seit vielen Jahren nicht mehr, immer noch weit nach oben. Weil sie in diesem Playoff-Feld eben ohne eindeutige Schwergewichte immer noch das kompletteste Team auf höchstem Level sein könnten. Kein anderes Team hat die gleiche Kombination aus Run Game und Passing Game offensiv, und die Rams haben eine gute Defensive Front. Hier aber muss man vor allem auf die Secondary schauen: Ist die Cornerback-Gruppe gut genug?

Die große andere Frage - neben der Gesundheit von Davante Adams, der wohl rechtzeitig fit wird - wird die Offensive Line sein. Stafford kann hier weniger kompensieren als andere Top-Quarterbacks, und McVay braucht zumindest die Konstanz seines Run Games.

1. Seattle Seahawks

Die Seahawks sind einerseits ein Team, das eine Wundertüte darstellt: Ein frühes Aus wäre, je nach Matchup, ähnlich wenig überraschend wie ein Run bis in den Super Bowl. Andererseits aber sind sie auch ein Team, das man sehr klar beschreiben kann: Eine Elite-Defense gepaart mit einer Offense, die sich Woche für Woche auf Messers Schneide bewegt - aber die angesichts dieser Defense und angesichts des starken Playoff-Teams in erster Linie nur sicherstellen muss, dass sie Spiele nicht weg wirft.

Sam Darnold, der für die Playoffs Left Tackle Charles Cross zurückbekommt, und die Offense insgesamt flirten seit dem ersten Rams-Spiel wöchentlich entschieden zu häufig mit Turnovern. In einem engen Playoff-Spiel kann das die Seahawks ohne Frage versenken und ihre Saison ganz schnell beenden. Gleichzeitig haben wir von der Offense auch gesehen, dass sie, selbst nachdem sie innerhalb eines Spiels lange abgetaucht ist, plötzlich doch mit Big Plays punkten kann. Und das kann reichen.

Diese Qualität in Kombination mit einer herausragenden Defense, angeführt von einer dominanten Front, die Spiele eng hält, sowie einem exzellenten Special Team sollte Seattle in jedem Matchup kompetitiv halten. Solange die Turnover eben kein Ausmaß erreichen, wo das Spiel nicht zu retten ist. So wie im ersten Duell mit den Rams.

Die Herausforderung in der Prognose liegt dann darin, sich festzulegen, wie viele Spiele es allen voran von Darnold in die eine oder andere Richtung gibt. Denn einen offensiven Floor hat Seattle mit der wackeligen Line und dem inkonstanten Run Game in den meisten Matchups nicht wirklich.

Doch der Floor, den diese Defense kreiert, ist eben extrem hoch.