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Wendepunkt in Miami: Was das Benching von Tua wirklich bedeutet

kicker

Nach dem offiziellen Playoff-Aus ziehen die Dolphins einen radikalen Schlussstrich. Head Coach Mike Daniel entscheidet sich bewusst gegen seinen hochbezahlten Starting Quarterback und für einen Neuanfang mit einem Siebtrunden-Rookie. Das Benching von Tua Tagovailoa beeinflusst dabei nicht nur sportliche Fragen, sondern auch die Zukunft des Trainerstabs, die finanzielle Flexibilität der Organisation und die langfristige Quarterback-Planung.

Dass die Dolphins Tua Tagovailoa zugunsten von Quinn Ewers auf die Bank setzen, ist in erster Linie ein sportliches Statement. Tagovailoa führte Miami in 14 Starts zu einer 6-8-Bilanz, warf 20 Touchdowns, aber auch ligaweit die meisten Interceptions mit insgesamt 15. Nach einer enttäuschenden Saison ist das Benching ein Eingeständnis, dass die erhoffte Stabilität auf der wichtigsten Position ausgeblieben ist. Gleichzeitig erhält Ewers nun die Gelegenheit, unter Wettbewerbsbedingungen zu zeigen, ob er mehr sein kann als ein reines Entwicklungsprojekt.

Der letzte Hebel für Mike McDaniel

Die Entscheidung ist auch eng mit der Situation von Head Coach Mike McDaniel verknüpft. Miami startete mit 1-6 in die Saison, gewann anschließend jedoch einen Großteil der Spiele, ehe es letztlich zum Playoff-Aus und zur aktuellen 6-8-Bilanz kam. Noch vor diesem zwischenzeitlichen Turnaround stand McDaniel stark in der Kritik und galt als Kandidat für den Hot Seat. Ex-General-Manager Will Grier musste während der Saison bereits gehen, was den Druck auf den Head Coach weiter erhöhte. Den 27-Jährigen auf die Bank zu setzen wirkt wie der letzte große Hebel, den McDaniel noch ziehen kann, um seinen Job als Head Coach zu retten.

Sportlich war die Verbindung zwischen McDaniels timingbasiertem System und Tagovailoas Spielweise lange nahezu perfekt. Schnelle Reads, präzises Timing und Antizipation bildeten das Fundament der Offense. Das zentrale Problem: Sobald Tagovailoa verletzungsbedingt ausfiel, funktionierte dieses Konstrukt kaum noch. Aufgrund von Tuas umfangreicher Verletzungshistorie, insbesondere im Bereich von Gehirnerschütterungen, war McDaniel immer wieder gezwungen, mit Backups zu arbeiten.

Diese konnten das System bislang kaum replizieren, was McDaniel ligaweit den Vorwurf einbrachte, Ausfälle auf der Quarterback-Position schlechter zu kompensieren als viele seiner Playcaller-Kollegen. Dass der Head Coach nun aktiv die Entscheidung trifft, ohne den Ha­wai­i­a­ner zu spielen - trotz der Tatsache, dass dies in der Vergangenheit alles andere als funktioniert hat -, unterstreicht die angespannte Lage sehr deutlich.

Quinn Ewers als Prüfstein für das System

Mit Quinn Ewers als neuen Spielmacher verschiebt sich nun der Fokus. Der Rookie hat laut Berichten im Training und in der Vorbereitung überzeugt, kam in der Regular Season bislang jedoch nur zu einem Kurzeinsatz. Seine ersten Starts werden zur Standortbestimmung für zwei zentrale Fragen. Zum einen geht es darum, ob Ewers das System von McDaniel zumindest ansatzweise umsetzen kann. Zum anderen steht McDaniels Offense selbst auf dem Prüfstand: Ist sie flexibel genug, um auch mit einem anderen Quarterback-Typ zu funktionieren, oder war sie untrennbar mit Tagovailoa verbunden?

Die finanzielle Dimension des Benchings

Abseits des Spielfelds ist das Benching ein Vorgeschmack auf ein äußerst kompliziertes Offseason-Szenario. Tagovailoa unterschrieb erst 2024 eine Vierjahresverlängerung über mehr als 212 Millionen US-Dollar, davon über 167 Millionen garantiert. Für die kommende Saison sind ihm bereits 54 Millionen US-Dollar vollständig zugesichert, weitere Garantien greifen im Jahr 2027. Sollte sich Miami von seinem Quarterback nach der Saison trennen, würde ein Dead-Cap-Hit von rund 99 Millionen US-Dollar anfallen. Zum Vergleich: Die Denver Broncos entließen Russell Wilson 2024 mit einem Dead Cap von 85 Millionen US-Dollar, dem bislang höchsten Wert der Liga-Geschichte.

Eine Entlassung als Post-June-1-Cut würde es den Dolphins ermöglichen, die Belastung auf zwei Jahre zu verteilen, mit rund 67,4 Millionen Dead Cap im Jahr 2026 und weiteren 31,8 Millionen Dollar in 2027. Realistisch betrachtet bleiben Miami damit drei Optionen. Entweder ein radikaler Cut im Stil der Broncos, ein Trade, bei dem ein anderes Team zumindest Teile des Vertrags übernimmt, oder die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Tagovailoa. Ob ein Trade angesichts von Vertrag, Verletzungshistorie und Leistung realistisch ist, bleibt offen. Eine Zukunft mit Tagovailoa scheint derzeit nur dann denkbar, wenn sich strukturell etwas ändert, etwa durch einen neuen Head Coach, der gemeinsam mit ihm einen Neuanfang wagt.

Fazit

Das Benching von Tua Tagovailoa ist kein kurzfristiges Experiment, sondern ein Wendepunkt für die Miami Dolphins. Es ist eine sportliche Standortbestimmung, eine Bewährungsprobe für Mike McDaniel und der Auftakt zu einer finanziell wie strategisch hochriskanten Offseason. Alle Augen richten sich nun auf Quinn Ewers. Gelingt es ihm, das System zu tragen und sportlich zu überzeugen, verschiebt sich die Machtachse in Miami grundlegend - mit einer möglichen Zukunft für McDaniel, aber wohl ohne Tua. Scheitert Ewers, schrumpft McDaniels Argumentationsspielraum dramatisch, und ein Neuanfang könnte eventuell um Tagovailoa herum erfolgen, allerdings ohne den aktuellen Head Coach.

Fest steht: Der Quarterback-Wechsel hat eine Dynamik entfacht, die nicht mehr aufzuhalten ist. In Miami wird diese Entscheidung Karrieren prägen, Strukturen verändern und möglicherweise darüber bestimmen, wer von den genannten Akteuren die Zukunft der Dolphins überhaupt noch miterlebt.

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