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DeAndre Jordan 2.0? Die neue Schweizer Hoffnung Niederhäuser

kicker

Wenn der letzte Spieler in einem Draft gezogen wird, hat es immer etwas Magisches. Klar, es war im Falle von Yanic Konan Niederhäuser nur der letzte Pick der ersten Runde, seine Freude zeigte dennoch, wie viel Anspannung in dem jungen Schweizer gesteckt hat. Diesen Moment, auf die Bühne gerufen zu werden und Adam Silver die Hand zu schütteln, hatte er davor im Kopf sicherlich schon hunderte Male durchgespielt. Dass dieser Augenblick dann tatsächlich mit der allerletzten Gelegenheit an diesem Draft-Tag real wurde, muss sich unwirklich angefühlt haben.

"Wir warteten in der Loge und mein Agent kommt zu mir und sagt mir, dass die Los Angeles Clippers mich auswählen werden. Da stehe ich auf und eile zum Podium, nachdem ich von meiner Familie beglückwünscht wurde. Ich bin unten auf dem Podium und warte darauf, dass ich hochkomme, um Adam Silver die Hand zu schütteln, ich hatte das Gefühl, dass es nicht real ist", erzählte er nach dem Draft der SDA.

Kurz danach ging die traumhafte Reise jedoch erst so richtig los. Nach dem gewohnten Foto mit Silver und der L.A.-Cap auf dem Kopf kam schon der Anruf von Clippers-Besitzer Steve Ballmer, der dem 22-Jährigen zum Draft gratulierte und seiner Freude Ausdruck verlieh, ihn bald live in der Stadt der Engel zu sehen. Dort wird der 2,15-Meter-Riese in Zukunft gemeinsam mit seinem Idol James Harden spielen. "Als ich jung war, habe ich mir oft Spiele von Harden angesehen, und jetzt kann ich mit ihm spielen", schwärmte er.

Harden als Idol mag auf den ersten Blick für einen der größten Spieler der Liga untypisch erscheinen, demonstriert bei genauerer Sicht aber gut den untypischen Werdegang, den der Junge aus dem 400-Seelen-Dorf Fräschels nahe Bern hingelegt hat, um der vierte Schweizer überhaupt in der NBA nach Thabo Sefolosha, Clint Capela und Kyshawn George zu werden.

Yanic Niederhäuser: Vom Swingman zum Center

Nachdem er die Jugendmannschaften in der Schweiz durchlaufen hatte, ging er mit 15 Jahren ans Internat ins deutsche Ehingen, wo er "mental und körperlich einen Schritt nach vorne gemacht" hat, wie er vor kurzem in einem SDA-Interview erzählte. Damals war noch nicht zu erahnen, dass Niederhäuser einmal auf Augenhöhe mit den NBA-Centern sein würde. Als 17-Jähriger war er noch 1,95 Meter groß und spielte noch als Swingman.

Mit 17 erlitt er dann eine schwere Knieverletzung, die ihn zehn Monate lang vom Court fernhielt. Als er dann endlich wieder spielen durfte, war er auf einmal zehn Zentimeter gewachsen und hat seither nochmal zehn draufgelegt. Trotz seiner Größe ist er dabei sehr athletisch, weil er in jungen Jahren viel Judo gemacht hat. Seine Umschulung vom Center erfolgte tatsächlich erst in diesem Jahr auf dem College.

Nach seiner Zeit im Internat machte er 2022 den Schritt in die USA. Zunächst lief er für die Northern Illinois University auf, ehe er eine kompetitivere Mannschaft anvisierte und sein neues Zuhause in der bekannten Penn State University fand. Nachdem er vor Beginn dieses Jahres noch in keinem Mock-Draft im Bereich der ersten Runde aufgetaucht war, spielte er sich in Pennsylvania in den Fokus. In 29 Spielen legte er 12,9 Punkte und 6,9 Rebounds auf und führte die Big 10 Conference in Blocks an (2,3 pro Spiel).

Auf einmal galt er als sicherer Zweitrundenpick, seine Aktie stieg aber unaufhörlich weiter. Im Draft Combine ließ er die Scouts staunen, die anschließend zugaben, seinen Einfluss bei Penn State unterschätzt zu haben. Dazu wurde er auch zum G League Elite Camp Anfang Juni eingeladen, wo er ebenfalls einen starken Eindruck hinterließ. In L.A. hofft man nun, in ihm DeAndre Jordan 2.0 gefunden zu haben.

Yanic Niederhäuser: Viel Potenzial, aber auch Fragezeichen

Tatsächlich erinnert Niederhäuser von seinen Anlagen her an den Center, der 2008 an 35. Stelle von den Clippers gedraftet wurde. Allerdings ist er trotz seiner 115 Kilogramm deutlich schmaler als der Nuggets-Backup, hat dafür aber ein viel feineres Händchen. Er kann (und will) am Ring alles stopfen, was ihm in die Finger kommt, kann sich dazu aber auch mit dem Ball in der Hand bewegen. Sowohl vom Perimeter als auch im Post kann er sich dank seiner Fußarbeit Würfe erarbeiten.

Dazu kann er auch von draußen werfen, auch wenn das bisher nicht seine Stärke ist. In seiner Zeit am College hat er 21,6 Prozent seiner Würfe von Downtown getroffen und 64,8 Prozent seiner Freiwürfe, seine Wurfbewegung sieht aber flüssig aus. Mit gezieltem Training könnte er hier sicherlich einen ordentlichen Sprung machen.

Seine eigentlichen Stärken liegen aber in der Defensive. Er ist ein überragender Shotblocker und Weakside-Verteidiger, der immer einhundert Prozent gibt und dadurch auch den ein oder anderen Steal verbucht. Wenn er noch mehr Gewicht draufpackt, kann er auch noch besser am Korb verteidigen, aktuell wird er von den erfahrenen Bigs der Liga aber wahrscheinlich überpowert. Das lässt ihn aktuell auch eher an Jaxson Hayes als an DJ erinnern.

Gleichzeitig ist er kein Big, der das Spiel aus dem Post lenken kann, wie es Jokic und Sabonis tun. In seiner letzten College-Saison legte er nur 22 Assists bei 48 Turnovern auf und fiel öfter durch fehlende Übersicht auf. Auch sein Handling ist noch ausbaufähig, hier lässt er sich noch zu oft den Ball wegschnappen.

Bei den ambitionierten Clippers dürfte er dennoch von Beginn an einige Minuten als Backup von Ivica Zubac und Brook Lopez sehen. Mit seiner Art passt er in das hartspielenden Team und ist der mit Abstand dynamischste Verteidiger unter den Bigs, wodurch er Coach Ty Lue erlaubt, in seinem Minuten alles zu switchen. Zugleich hat er mit Zubac und Lopez auch zwei hervorragende Mentoren an seiner Seite, die sich beide im Laufe ihrer Karriere selbst noch enorm weiterentwickelt haben.

"Das ist erst der Anfang - ein Schritt und das perfekte Szenario für mich", gab sich Niederhäuser bescheiden nach dem Draft. Auf seinem Trikot wird er übrigens seinen zweiten Vornamen - Konan - tragen. "Er bedeutet Krieger. Mein Vater dachte auch an die Figur Conan der Barbar, die von Arnold Schwarzenegger gespielt wurde", erklärte er: "Im Alltag bin ich Yanic, ich habe ein ruhiges Temperament. Aber auf dem Spielfeld bin ich Konan. Ich kämpfe, um dorthin zu gelangen, wo ich hin will - mit Selbstvertrauen und ohne Arroganz." Bereits jetzt war sein Kampf auf jeden Fall ein voller Erfolg.