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Der Durant-Trade: Sind die Rockets nun ein Contender?

kicker

In der Theorie dürfen die Suns durchaus glücklich sein. Ein junger Spieler mit Potenzial kommt, ebenso ein ehemaliges Mitglied des All-Defensive Second Team (2023), das während der Regular Season noch dazu 39,7 Prozent seiner 6,3 Dreier traf, und mit dem 10. Pick dieses Drafts lässt sich durchaus ein Big Man mit (viel) Potenzial verpflichten. Tief soll der Jahrgang ja sein. Dass Houston dazu fünf Second-Round Picks nach Phoenix schickt, gibt den Suns weiteren Spielraum.

Neu-General-Manager Brian Gregory, so lässt sich Kevin Durants Trade durchaus interpretieren, hat eine tendenziell ungemütliche Situation also erst einmal nicht verkompliziert. Immerhin blickten die Suns auf die Trümmer, dreier Jahre, in denen sie eine nicht perfekte, gleichzeitig durchaus vielversprechende Zukunft (und Gegenwart) für die Jagd nach dem schnellen Erfolg opferten. Allein für Durant und Bradley Beal verließen Mikal Bridges, Cam Johnson, Jae Crowder, Chris Paul, diverse Pick Swaps, 5 Second Round-, vor allem vier First-Round Picks Arizona und landeten irgendwo zwischen Washington, Brooklyn und eben Houston.

Paukenschlag: Kevin Durant zu den Houston Rockets getradet

Viel passiert, wenig gewonnen. Zumal Deandre Aytons Trade zwar nachvollziehbar war, die Suns dabei mit Toumani Camara einen vielversprechenden Flügelverteidiger abgaben, mit Jusuf Nurkic zudem einen Big bekamen, der mangels Agilität Ring und Zone kaum beschützen konnte, den die Franchise zur Tradedeadline zudem nach Charlotte abgab. Als Phoenix nun sogar das Play-in verpasste, versprach Besitzer Matt Ishbia große Veränderungen. Das Dilemma: Phoenix hat kein Hoheitsrecht über sein Picks. Einreißen funktionierte daher nur bedingt. Es sei denn, die Suns hätten die Rockets überzeugen können, ihre Picks zurückzugeben. Sie konnten nicht. Jedenfalls nicht komplett.

Laut The Athletic sträubte sich Houston vor allem, die Draftrechte der nahen Zukunft (2027 und Pick Swap 2029) zurück nach Phoenix zu schicken. Die Rockets hoffen also, dass es bei den Suns kurz- und mittelfristig nicht ganz optimal läuft - und auch dafür gibt es Argumente.

Suns nach dem Durant-Trade: Green, Booker, Beal, aufgeteilt auf 1,5 Positionen

Green schreit sein Potenzial immer wieder durch die Liga. Den Warriors schenkte er in Spiel zwei der ersten Runde 38 Punkte ein. Über die Saison legte er im Schnitt 21 auf. Fließen nun Devin Bookers 25,6 Zähler in die Kalkulation ein, hat Phoenix als eines von nur drei Teams ligaweit plötzlich einen Backcourt mit zwei 20-Punkte-Scorern. Schöne Theorie, komplizierte Praxis.

Einerseits scorte Green gegen die Warriors gleich viermal einstellig, spielt bislang höchst unkonstant, andererseits ist er der siebte von insgesamt zehn nun in Phoenix unter Vertrag stehenden Spielern, die nach alter Positionsrechnung auf der Zwei zuhause sind. Das gilt für Booker, ebenso für Beal. Drei der (theoretisch) besten Spieler des Teams teilen sich damit ein Profil, wenngleich es sich in Nuancen und Spielanlage natürlich unterscheidet.

Suns: Alle Verträge und Gehälter im Überblick

Green und Booker können durchaus nebeneinander spielen. Auch eine Rolle für Beal sollte sich finden lassen - jedenfalls einfacher als einen Trade-Partner. Gut 110 Millionen Dollar für die kommenden beiden Jahre, dazu eine No-Trade-Klausel erschweren einen Deal deutlich. So bringt Green zwar jede Menge Potenzial mit, ob Phoenix das richtige Umfeld bieten kann, lässt sich jedoch mindestens als Thema für den nächsten Debattierklub nutzen.

Zumal Booker selbst für einen primären Scorer zwar ein guter Playmaker ist, seine beste Phase aber hatte, als er neben einem echten Point Guard spielte. Gut, Chris Paul zählt, was das Einsetzen von Mitspielern angeht, zum Besten der jüngeren Vergangenheit. Gleichzeitig hatte CP seine Prime bereits ein gutes Stück hinter sich gelassen, als er die Suns gemeinsam mit Booker zunächst in die Finals (2021), danach zum besten Record der Regular Season führte (2022).

Das Suns-Dilemma

Stand jetzt spült der Trade Booker wieder mehr in die Rolle des Scorers UND Playmakers. Wobei Neu-Coach Jordan Ott natürlich seine ganz eigenen Ideen mitbringt. Fertig dürften die Suns auch noch nicht sein. Denn so kompliziert ein Beal-Trade auch ist, die fünf Zweitrundenpicks aus Houston eröffnen Möglichkeiten, um Gehalt loszuwerden. Genau das sollten die Suns tun, um unter das Second Apron zu rutschen. So hätten sie wieder mehr Freiräume für mögliche Trades, zudem könnten sie ihren 2032er Pick aus der Gefriertruhe holen und wieder nutzen.

Kandidaten sind beispielsweise Grayson Allen und Royce O’Neale. Bleibt natürlich die Frage, wie groß die Verstärkungen sind, die zurückkommen. Zumal, wenn Phoenix wirklich Geld sparen will, was angesichts einer mangelnden Perspektive auf einen tiefen Playoff-Run größten Sinn ergäbe. Das Balancierseil bleibt damit minimal dünn. Einerseits möchten die Suns keine großen Gehälter bezahlen, um am Ende erneut das Play-in zu verpassen, andererseits lohnt sich eine miese Phase kaum, da sie nur geringe Macht über ihre eigenen Picks der kommenden Jahre haben.

Auf der positiven Seite, die Ambivalenz, ließe sich argumentieren, dass Phoenix mit Green plus dem Nummer-10-Pick plötzlich eine Perspektive für die kommenden Jahre hat. Entscheidend dafür ist unter anderem natürlich, ob Green jemals Konstanz findet.

Dass die Suns für den Moment wirklich besser sein werden, lässt sich mindestens in Frage stellen. Der Fit ist nicht zwingend besser. Zudem spielte Durant ja alles andere als eine schwache Saison. Synergien mit Booker entstanden auf dem Feld zwar nur selten, dazu stimmte auch die Teamchemie ingesamt nicht (sicherlich kein wegzuwischender Faktor), elitär scoren und solide verteidigen konnte KD jedoch immer noch - was den Rockets wiederum gleich doppelt in die Karten spielt.

Kevin Durant: Schnelle Scoring-Hilfe für die Rockets

Ihre Halfcourt-Offense war allerspätestens in den Playoffs das große Problem. Houstons starkes Offensivrebounding konnte einiges kaschieren. Gleichzeitig mangelte es sichtlich an Menschen, die zuverlässig Offense für sich und andere kreieren können. Vor allem ersteres beherrschte Durant einst wie kein Zweiter, heute immer noch auf extrem hohem Niveau. 26,6 Punkte bei 52,7 Prozent aus dem Feld, 43 Prozent von draußen und 83,9 Prozent von der Freiwurflinie bleiben elitär. Allein das sollte die Rockets nach vorn katapultieren.

Zumal der Fit für Amen Thompson nun natürlicher wird. Houstons bester Defender verstärkte die Spacing- und Scoring-Problematik. KD könnte nun, auch in fortgeschrittenem Alter, so viel Aufmerksamkeit aufsaugen, dass Thompson mehr Platz für seine Drives und sein Playmaking aus der Bewegung hat. Vieles könnte sich öffnen. Thompson dürfte offiziell von der Vier auf die Zwei rutschen, was rein faktisch aber nicht viel bedeuten muss. Gerade wenn Ime Udoka Tari Eason in die erste Fünf beordert. Positionen würden dann ohnehin verschwimmen.

Gleichzeitig haben die Rockets noch Reed Sheppard und Cam Whitmore in der Hinterhand. Beide schafften es vergangene Saison kaum (Sheppard) oder sehr selten (Whitmore) in die Rotation. Gerade offensiv bringen sie jedoch einiges (Playmaking, Shooting, Scoring) mit, und gerade Whitmore könnte in Teilen Greens Rolle ausfüllen. Sofern beide auf dem Niveau verteidigen, das Udoka erwartet. Zumal der Coach noch einmal deutlich gestärkt in die Zukunft geht (zu finden unter: Vertragsverlängerung, achtstellig im Monat).

Rockets mit KD: Finanzielle Fragen und viel Positives

Dass es den Rockets gelang, mit Green den jungen Spieler abzugeben, der in der Vergangenheit die meisten Fragezeichen hinterließ, dass sie weiter zukünftige Suns-Picks halten, zudem ihre wichtigsten Spieler - ohne Brooks’ wertvollen Beitrag schmälern zu wollen - zu traden, dürfen sie als Erfolg verbuchen. Zumal The Athletic auch berichtete, dass Houston sowohl Eason als auch Smith Jr. und Sheppard nicht involvieren wollte.

Alle Verträge und Gehälter der Rockets im Überblick

Interessant bleibt die finanzielle Situation. Durants Vertrag gilt noch ein Jahr. Eine Verlängerung steht an. Für Fred VanVleet halten die Rockets eine 44,9 Millionen Dollar starke Teamoption für kommende Saison. Eason und Smith dürfen nun eine Verlängerung unterschreiben, und Thompsons Rookie-Vertrag läuft noch bis 2027. Gut möglich, dass Houston mit Durant bereits in dieser Saison über die Luxussteuer-Grenze rutscht. Tragisch wäre das nicht. Zumal die Picks und Swaps der kommenden Jahre die Chance bieten, verhältnismäßig günstig Talent hinzuzugewinnen.

Eventuell machen die Rockets aber auch noch weiter. Die Picks bleiben interessant. Die jungen Spieler bleiben interessant. Würde ein weiterer Star verfügbar, Houston könnte weiterhin ein gutes Angebot unterbreiten. Ebenso natürlich für einen passenden Rotationsspieler. Damit dürften die Rockets nicht nur in der Theorie glücklich sein.

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