Nikola Jokic: 41. Pick 2014
Als klar war, dass die Denver Nuggets mit dem 41. Pick Nikola Jokic auswählen würden, warb eine große Fastfood-Kette gerade für ihre neueste Komposition: eine Mischung aus Burrito und Quesadilla, den Quesarito. Im Hauptbild der Spot, unten erst der Countdown der Nuggets, danach Jokic’ Name. Irgendwie passt das Understatement, die Unaufgeregtheit zum Wesen des Jokers. Erst von einem Quesarito an den Bühnenrand gedrückt, danach die Liga erobert und heute einer der Besten, die das Spiel jemals spielten. All-Timer bekommen Teams normalerweise nicht spät in der zweiten Runde. Die Nuggets holten, Stand heute, einen dreifachen MVP, Champion und Finals-MVP, dazu einen der smartesten Spieler der Geschichte.
Draymond Green: 35. Pick 2012
Zu greifen war Draymond Green auch 2012 kaum. Für einen Center etwas klein, für einen Wing mit zu wenig Scoring-Punch, Athletik und Shooting. Am College hatte er vieles ziemlich gut gemacht, die Frage jedoch blieb, in welchem einzelnen Bereich er in der NBA herausragen würde. Also verging Zeit, bis die Warriors in Runde zwei zuschlugen - und damit die derzeit letzte Dynastie der Liga begründeten. Green wurde zum essenziellen Teil von Golden States berühmtem "Death Lineup", half damit, die 2014er Finals nach einem 1-2 zu drehen und ist heute nicht weniger als einer der besten Verteidiger der Geschichte.
Draymond selbst sagte einmal, Teams hätten sich gefragt, welche Position er verteidigen könne, hätten keine Antwort gefunden und ihn daher nicht gezogen. Am Ende verteidigt er bis heute einfach den gesamten Court. Das brachte ihm einen Defensive Player of the Year Award (2017), dazu neun Nominierung für ein All Defensive Team (fünf Mal First, vier Mal Second). Dank seiner Intelligenz prägt er auch ohne Shooting Golden States Offense, schafft Räume, füllt sie mit seinen Pässe. So hatte Green entscheidenden Anteil an vier Meisterschaften, wurde vier Mal All Star und einmal sowohl ins All-NBA Second- als auch im All-NBA Third Team gewählt.
Jimmy Butler: 30. Pick 2011
Vor Playoff-Jimmy war "Letzter Pick der ersten Runde Jimmy". Als bestes Ost-Team der gerade gespielten Regular Season zogen die Bulls einen physischen Wing - hatten zunächst aber kaum Verwendung. 8,5 Minuten spielte Butler während seiner Rookie-Saison im Schnitt. Wenig später wirkte es, als hätten die Bulls am Ende der ersten Runde einen Defensiv-Spezialisten geklaut. Zu klein gedacht. In seiner vierten Saison explodierte Butler, legte plötzlich gut 20 Punkte auf, wurde All Star und Most Improved Player. Da es Chicago nie gelang, ein Team um ihn herum aufzubauen, wechselte er zunächst nach Minnesota, später nach Philadelphia und Miami. Gut war er immer. Zur Playoff-Legende wurde Butler bei den Heat, die er trotz kaum vorhandener Chance gleich zwei Mal in die Finals führte.
Tony Parker: 28. Pick 2001
Einem 19-jährigen Point Guard aus Europa die Schlüssel zur Franchise in die Hand geben… auf derlei Ideen kommt womöglich nur Gregg Popovich. Ausgezahlt hat es sich dennoch. Nach fünf Spielen durfte Parker während seiner Rookie-Saison erstmals starten, um die Spurs am Ende der Spielzeit in Steals und Assists anzuführen. So stand er als erster nicht-amerikanischer Guard der Geschichte im All-Rookie First Team. Parker entpuppte sich als der Playmaker, den San Antonio rund um Pop und Tim Duncan benötigten: dynamisch, gleichzeitig selbstlos, smart, dazu unangenehm. In Jahr zwei gewann er mit den Spurs seine erste Meisterschaft. Drei würden folgen. Dabei hätte auch alles anders laufen können.
Ausgerechnet nach den Finals 2002 sollen die Spurs an Parkers Gegenüber Jason Kidd interessiert gewesen sein. Der Franzose überzeugte Pop, Starting Point Guard bleiben zu dürfen, hatte gleichzeitig leichte Probleme. Sowohl beim Conference-Finals-Aus gegen die Lakers 2004 als auch während der erfolgreichen Finals 2005 tat er sich schwer. Parker durfte weitermachen und gewann 2007 den Finals-MVP Award. Nicht schlecht für einen Fast-Zweitrunden-Pick
Kawhi Leonard: 15. Pick 2011
Den 2011er Draft dürften sich diverse Teams dezent bereuen. Derrick Williams (2), Enes Kanter (3), Jan Vesely (6) und Jimmer Fredette (10) wurden alle vor Nikola Vucevic (16), Jimmy Butler (30), Bojan Bogdanovic (31) und Isaiah Thomas (60) gezogen. Auch vor Kawhi Leonard. Erst an 15 schlugen die Spurs zu. Verteidigen, so glaubte die meisten, würde er auch in der NBA. Fragezeichen hinterließen Offense und Shooting. Doch Leonard arbeitete. Vor allem an seinem Wurf. 2015/16 traf er 44 Prozent seiner 4 Dreier pro Spiel. Verteidigen, da hatten Beobachtende bereits 2011 einen Punkt, konnte er ebenfalls. Mitunter wie kein Zweiter.
So gewann Kawhi 2016 seinen ersten Finals-MVP Award, hätte in Jahr eins der Durant-Warriors womöglich eine der größeren Playoff-Überraschungen hauptverantwortet, wäre er nicht auf Zaza Pachulias ausgefahrenem Fuß gelandet. Revanche nahm Leonard zwei Jahre später, als er die Raptors gegen Golden State zum Titel führte und auf dem Weg einen der legendärsten individuellen Playoff-Runs der jüngeren Vergangenheit hinlegte.
Marc Gasol: 48. Pick 2007
Die Grizzlies durften sich einiges anhören, als sie Pau Gasol und einen Second-Round Pick im Februar 2008 für Kwame Brown, Javaris Crittenton, Aaron McKie, zwei First-Round Picks (2008 und 2010) sowie die Draft-Rechte an Marc Gasol zu den Lakers schickten. Beschwerden waberten durch die Liga. Einerseits zurecht, andererseits gewann Memphis auch etwas - was nicht vollends abzusehen war, als der damals nicht ganz austrainierte Marc im Sommer 2008 als MVP der spanischen ACB in die NBA wechselte. Bei den Grizzlies entwickelte sich Gasol zu einem der besten Defender der Liga, wurde 2013 zum Defensive Player of the Year gewählt und prägte die "Grit and Grind Grizzlies" entscheidend mit; auch durch seine kluge Offense und Passing-Fähigkeiten. 2019 gewann er mit Toronto zudem die Meisterschaft.
Giannis Antetokounmpo: 15. Pick 2013
Ein wenig Phantasie brauchten die Bucks schon, als sie sich 2013 in der ersten Runde für einen schlaksigen Griechen entschieden. Potenzial bescheinigten ihm viel. Aber würde Giannis es nutzen können? Antetokounmpo kam roh, zudem sehr schmal in die NBA. Wirklich erahnen, welche Naturgewalt die Bucks einige Jahre später auf die Liga loslassen würden, konnten damals die wenigsten. Passiert ist es dennoch. Giannis ist einer der dominantesten Spieler der Geschichte, gewann zwei Mal den MVP-Award, führte Milwaukee vor allem zur ersten Meisterschaft seit Kareem Abdul-Jabbar. Im entscheidenden Spiel 6 malte er 2001 50 Punkte, 14 Rebounds und 5 Blocks aufs Parkett. Potenzial komplett ausgefüllt…
Rudy Gobert: 27. Pick 2013
Auch 2025, nach vier Defensive Player of the Year Awards, polarisiert Gobert. Seine Offense wirkt immer noch so roh, dass sie mitunter kaum an einen Profi in der besten Basketballliga der Welt erinnert. Dazu gibt es diverse Szenen, die ihn rund um die Dreierlinie in Schwierigkeiten gegen die schnellen Bewegungen kleinerer Gegenspieler zeigen. Genau die werden Gobert jedoch nicht gerecht. So streitbar er sein mag, der Franzose ist einer der besten Verteidiger der letzten Jahre, ein eigenes Defensivsystem, das die Schwächen von Mitspielern kaschieren kann. Wartet Gobert in Korbnähe, verkomplizieren sich Abschlüsse am Ring deutlich. Womöglich hätten ihn die Nuggets, die den Center ursprünglich drafteten, gut gebrauchen können. Andererseits wählten sie ein Jahr später Jokic aus. Das tröstet trotz der Gewissheit, kurz vor Ende der ersten Runde einen der besten Verteidiger der letzten zehn Jahre geklaut zu haben.
Pascal Siakam: 27. Pick 2017
Eine Meisterschaft (2019) hatte Pascal Siakam bereits. Womöglich wäre eine weitere hinzugekommen, hätte sich Tyrese Haliburton in Spiel 7 der 2025er Finals nicht die Achillessehne gerissen. Reine Spekulation. Fakt ist, dass sich Siakam, der erst mit 17 erstmals organisierten Basketball spielte, zu einem exzellenten, vielseitigen Spieler entwickelt hat, der Teams besser macht. Die Pacers 2025 gibt es nicht ohne den ehemaligen Raptor. Siakam verteidigt hinten mehrere Positionen, provoziert vorne immer wieder Mismatches, nutzt sie aus, zieht seine Teams mit. Vielleicht ist er keine klare erste Option, dafür vereint er die Fähigkeiten eines Leaders, Glue Guys und zuverlässigen Scorers.
Kyle Lowry: 24. Pick 2006
Die ersten Jahre waren nicht leicht für Lowry. Während seiner Rookie-Saison brach er sich die Hand. 2009 verlor er seinen Starting Spot bei den Grizzlies an Mike Conley, wurde nach Houston getradet, wo er sich erst etablierte, um während einer Pause wegen einer bakteriellen Infektion zusehen zu müssen, wie Goran Dragic so überzeugte, dass auch die Rockets den Point Guard tradeten. Zu Beginn habe Lowry in Toronto danach gewirkt, als wolle er nicht da sein, erinnert sich DeMar DeRozan. Dennoch wurden die beiden enge Freunde, führten die Raptors an die Spitze der Eastern Conference. Lowry gewann sogar mitbestimmend eine Meisterschaft (2019) und gilt seither als Inbegriff von Einsatz, Härte und Playoff-Bereitschaft. Drei All-NBA Third Team- und sechs All-Star-Nominierungen erahnten 2006 die wenigsten am Horizont.
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