Am Ende wussten die Münchner selbst nicht so genau, wie sie dieses Spiel verlieren konnten. 3:21 Minuten vor dem Ende schickte Nick Weiler-Babb seinen Gegenspieler Ben Saraf ins Nirgendwo und verwandelte eiskalt einen Dreier zum 77:71. Es fühlte sich fast schon wie eine Vorentscheidung an, doch danach blieben die Münchner ohne einen eigenen Punkt und Matchwinner Justinian Jessup (22 Punkte) erzielte die letzten zehn Ulmer Zähler mit drei Dreiern und einen verwandelten Freiwurf.
"Sie haben am Ende große Würfe getroffen", stellte Bayern-Coach Gordon Herbert fest und hatte damit gewissermaßen recht. Jessup lief zur rechten Zeit heiß und war durchaus gut gedeckt, er traf seine Dreier trotzdem. Das war nicht das Problem der Bayern, sondern vielmehr die eigene Offense - zumindest die Starting Five. Die Synergie war einfach nicht da, ohne den verletzten Carsen Edwards (Rücken) fehlte den Bayern das Besondere, der Unterschiedsspieler.
Herbert vertraut seinen Startern - und verliert
Shabazz Napier (14 Punkte) war dies die meiste Zeit, der Rest der Starter wirkte seltsam saft- und ideenlos. Weiler-Babb offenbarte im Eins-gegen-Eins gegen Ben Saraf ungewohnte Schwächen, Devin Booker war unter dem Korb kein Unterschiedsspieler und Andreas Obst (nur drei Würfe) schaffte es nicht, sich gegen die physische Ulmer Verteidigung freizulaufen.
Die bayerische Starting Five funktionierte einfach nicht, das deutete sich bereits in Halbzeit eins an. In 20 Minuten hatten die Münchner zwei Phasen, in denen sie jeweils rund vier Minuten ohne einen eigenen Punkt blieben, stets standen die Starter auf dem Feld. Die besten Münchner waren stattdessen Niels Giffey (16. 5/9) und Johannes Voigtmann (12, 3/5 Dreier, 5 Assists), am Ende sahen sie das Spiel aber nur von der Bank.
"Jo und Niels waren beide müde und haben nach einer Pause gefragt", erklärte Herbert. "Am Ende wollten wir switchen, deswegen haben wir uns für Devin entschieden." Voigtmann selbst bestätigte die Aussage vom Coach, zumindest in Teilen. "Er hat mich gefragt, ob ich eine Minute Pause brauche und da habe ich Ja gesagt", sagte Voigtmann. Sechs Minuten vor Schluss wurde der deutsche Nationalspieler ausgewechselt und blieb in der Folge auf der Bank. "Nichts wildes", schob der Center nach, allerdings war der 33-Jährige in dieser Partie deutlich besser, trotzdem vertraute Herbert auf Booker.
Erstes Endspiel in Ulm
Die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache. Der Plus-Minus-Wert von Booker lag in gut 22 Minuten bei -24, Voigtmann war dagegen in 17 Minuten +22. Überhaupt dominierten die Bayern mit ihrer Bank, am Ende vertraute Herbert aber wieder seinen Startern (am Ende spielte Napier für den schwachen Jack White), doch diese Rechnung ging nicht auf.
Stattdessen müssen die Bayern nun in Ulm gewinnen, was auf nationaler Ebene in dieser Saison nur Heidelberg gelang. "Wir müssen dahin fahren und daran glauben", predigte Herbert. „Wir haben schon große Spiele auswärts gewonnen und werden ein paar Sachen verändern. Aber sie sind offenkundig ein gutes Heimteam, es wird eine große Herausforderung.
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