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Orlando Magic in Berlin: Die Brüder kommen nach Hause

kicker

Der deutsche Basketball erlebt im Moment goldene Zeiten. Die Nationalmannschaft ist Welt- und Europameister, gleich sieben Deutsche verdienen inzwischen in der besten Basketballliga der Welt, der NBA, ihr Geld. Am Donnerstag gibt es eine weitere Premiere, wenn die NBA erstmals für ein Spiel der Hauptrunde zwischen den Orlando Magic und den Memphis Grizzlies ihre Zelte in Berlin aufschlägt. In der Vergangenheit waren stets London oder Paris die Austragungsorte für solche Spiele, nun ist die Bundeshauptstadt an der Reihe - auch wegen der Brüder Franz und Moritz Wagner, die inzwischen in ihrer fünften gemeinsamen Saison bei den Magic spielen.

Jene Magic haben die Zeichen der Zeit erkannt, sie wollen Deutschlands Team sein, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Orlando mit den Wagner-Brüdern und Tristan da Silva hier antreten würde. Für die Wagners wird dieser Donnerstag ein ganz besonderer, schließlich wuchsen beide in Prenzlauer Berg auf und gingen beide ihre ersten Schritte bei Alba Berlin, bevor sie ans US-College nach Michigan wechselten und in der NBA Karriere machten.

Moritz debütierte mit 17 Jahren für den elfmaligen Deutschen Meister, Franz sogar mit 16 Jahren. Ex-Nationalspieler Akeem Vargas, heute als Routinier noch in der BBL in Diensten des SYNTAINICS MBC, war sowohl 2014 als auch 2018 mit dabei, als die Brüder reinschnupperten. "Moritz hatte schon immer diese Kaltschnäuzigkeit. Der hat sich seine Würfe genommen, und wer unseren damaligen Trainer Sasa Obradovic kennt, weiß, dass der das nicht so gut fand."

Wagner-Brüder erste deutsche NBA-Spieler der Albatrosse

Damals war noch die etwas strengere jugoslawische Schule bei Alba präsent, Franz debütierte dagegen unter der spanischen Legende Aito und profitierte vom freien und kreativen Stil. Die Grundlagen wurden aber schon viel früher gelegt. Dutzende Nationalspieler produzierten die Albatrosse, man ist stolz auf die Jugendarbeit in Berlin.

Dass man allerdings die ersten kommenden NBA-Spieler formen würde, davon ahnte man auch in Berlin wenig. "Ich war damals noch ein recht junger Trainer, und es fehlte mir der Referenzrahmen, um das wirklich einzuordnen", erinnerte sich Marius Huth, der in der Jugend beide Wagners betreute. "Bei Moritz hat man früh sein Bewegungstalent gesehen, seine Energie und sein Feuer", sagt Huth, allerdings war der ältere Wagner in der Jugend kein Überflieger, da er immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hatte und andere körperlich weiter waren.

Moritz machte vieles mit Leidenschaft wett, schon damals war seine Präsenz nicht zu übersehen oder -hören. "Freude, Ärger, Energie - das bekam die gesamte Halle mit. Das war im Kindesalter nicht immer leicht zu kontrollieren und führte teilweise zu Fouls und Frust", erinnert sich Huth. Bei Franz verhielt es sich ein bisschen anders. "Als er etwa 12 oder 13 Jahre alt war, hatte ich erstmals das Gefühl, dass da etwas Besonderes ist. Er brachte etwas mit, das über das Normale hinausgeht." Der jüngere Bruder war weniger extrovertiert,dafür aber nicht weniger ehrgeizig.

Auch heute sehen Franz viele als Musterprofi an, die ZDF-Doku "The Wagner Brothers" lieferte Einblicke, wie akribisch und diszipliniert der 24-Jährige sein ganzes Leben dem Basketball widmet. "Ich bin jemand, der Regeln befolgt", sagt Franz selbst. "Das ist meine Persönlichkeit. Ich bin auch jemand, der alles perfekt machen möchte. Ich hatte gute Trainer um mich herum, habe denen zugehört, immer probiert, das zu machen, was sie mir gesagt haben." Dabei gehe es nicht nur um die Fähigkeiten am Ball, sondern auch um Details wie Ernährung, Schlaf oder Erholung. Das Optimum ist gerade gut genug.

Wagner war in der Jugend trotz Verletzung beim Training

Gleichzeitig ist dies etwas, was der Leistungsträger im Nationalteam schon immer hatte. Wegen einer Knieverletzung verpasste Franz ein komplettes Jahr, und das in einer Phase mit 13 Jahren, als viele einen Leistungssprung machten. "Ich bin trotzdem jeden Tag zum Training gegangen. Viele wissen nicht, was sie machen wollen. Aber ich hatte da Spaß daran, im Sitzen zu werfen oder zu dribbeln", sagt Wagner über diese schwere Zeit, die laut Huth auch etwas Positives hatte. "Eine Verletzung zwingt dich, Widerstandsfähigkeit zu entwickeln und dich mit deinem Körper auseinanderzusetzen."

Geschadet hat es zumindest nicht. Mit 16 Jahren löste Franz seinen Bruder als jüngsten Alba-Spieler der Historie ab. "Es wurde immer getuschelt, dass Franz womöglich sogar besser als sein Bruder ist", erinnert sich Vargas. "Dann hat er mit 16 bei uns gespielt, und uns wurde klar, dass der noch wächst. Es dauerte nicht lang, dann kamen plötzlich auch der Wurf und die Athletik dazu."

Während Moritz sich nach nur vier Kurzeinsätzen ans US-College verabschiedete, war Franz 2018/19 fester Bestandteil der Rotation, erreichte mit Alba sogar das Finale im EuroCup und verlor in der Bundesliga eine enge Serie mit dem FC Bayern um die Meisterschaft. In Spiel zwei war der damals 17-Jährige sogar bester Scorer der Hauptstädter, doch nach der Saison folgte Franz seinem Bruder nach Michigan. Zusammen spielten sie dort aber nie, weil Moritz im Jahr zuvor schon von den Los Angeles Lakers an 25. Stelle gedraftet wurde. Eine strategische Entscheidung, wie der Flügelspieler verrät. Dabei stellte der Forward damals fest, dass er in Berlin deutlich besser als die US-Amerikaner geschult wurde.

Orlando Magic: Mittlerweile drei deutsche Spieler

Zwei Jahre (von möglichen vier) blieb der jüngere Wagner, 2021 meldete er sich schließlich für den Draft an. Die Orlando Magic machten den Berliner zum am höchsten gedrafteten Deutschen (zusammen mit Detlef Schrempf im Jahr 1985) und schlugen an Position acht zu. Wenige Monate zuvor hatte die Franchise schon Bruder Moritz verpflichtet, nachdem der nach einigen Trades und vier verschiedenen Teams von den Boston Celtics entlassen worden war.

So ist das auch noch heute, mit da Silva erhielt die kleine deutsche Kolonie in der Mitte Floridas im Sommer 2024 sogar noch einmal Zuwachs. Die Hauptrollen in Berlin werden nun aber die Wagners spielen - in ihrer Stadt, wenige Kilometer vom eigenen Elternhaus entfernt. Entsprechend groß dürfte der Trubel sein, Moritz erzählte vor einigen Wochen in seinem Podcast "Kannst du so nicht sagen" schon, dass er keinen Schimmer habe, wie er all die Ticketanfragen von Freunden und Verwandten bearbeiten solle. Es dürfte nach den Erfolgen mit der Nationalmannschaft eines der Highlights ihrer NBA-Karriere sein.

Denn noch ist mit Orlando der große Wurf noch nicht gelungen. Die Magic gelten zwar als aufstrebendes Team in der Eastern Conference, scheiterten zuletzt aber zweimal in Serie in der 1. Playoff-Runde. In der aktuellen Spielzeit hängen die Trauben höher. Der Kader wurde noch einmal verstärkt, doch aufgrund diverser Verletzungen und einiger Startschwierigkeiten hechelt man Top-Teams wie den New York Knicks oder den Detroit Pistons ein Stück hinterher. Für Franz, mittlerweile mit seinem Fünfjahresvertrag über 224 Millionen Dollar der bis dato bestbezahlte deutsche Sportler, ist die Entwicklung der Magic dennoch positiv. Auch wenn es für Orlando bis zu einer Meisterschaft noch ein weiter Weg ist, auch in dieser Saison sind erst rund die Hälfte der Spiele absolviert. Die Partie in Berlin ist streng genommen nur ein weiteres einer Marathon-Saison mit 82 Partien exklusive Playoffs, sie ist aber sowohl für die Wagners als auch für den deutschen Basketball ein weiterer Meilenstein.

Schrempf, Dirk Nowitzki, Dennis Schröder und die Wagner-Brüder, sie stehen für die Fortschritte in vorderster Reihe, sie bringen Aufmerksamkeit. "Spieler wie die beiden braucht der deutsche Sport", sagt Vargas über seine ehemaligen Berliner Mitspieler. "Wir brauchen mehr Idole, mehr Geschichten und mehr Wissen über Basketball." Das Spiel in der Uber Arena kann in dieser Hinsicht nur helfen.

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