21 Siege, 18 Niederlagen. Nach Jahren der Dominanz im Westen der NBA kann an der Mittelmäßigkeit der Warriors heute kaum noch ein Zweifel aufkommen. Einerseits liegt das natürlich am veränderten Personal. In Klay Thompson ging Golden State 2024 ein Stück Identität verloren, die Produktion eines Jordan Poole - im Championship-Run so enorm wichtig - konnte nie ersetzt werden.
Beim Weggang Pooles ebenso wie an der aktuellen Schieflage ganz zentral beteiligt, ist Draymond Green. Der Forward, der mit seinem einstigen Faustschlag gegen den Mitspieler das Zerwürfnis ursächlich auslöste, war immer für seine Emotionalität und fehlende Selbstkontrolle bekannt.
Früher überwogen allerdings die daraus resultierenden Vorteile. Fehlte den Warriors mal der namensgegebene Kampfesgeist, dann rüttelt Green seine Mitspieler wach - auch auf eine Art und Weise, die das Regelbuch nicht hergab. Doch es funktionierte. Neben Curry und Thompson, zwei eher introvertiert wirkenden Zeitgenossen, fungierte Green immer als emotionaler Anführer. Curry ging und geht vor allem mit gutem Beispiel voran, Green mit Worten - eine lange wertvolle Kombination.
Green: Auf dem Weg seinen persönlichen TECH-Rekord einzustellen
Von Anbeginn seiner Karriere schlug Green auch immer wieder über die Stränge. Man erinnere sich nur an die Spielsperre in Game 5 der NBA Finals 2016, die dem Comeback der Cavaliers durchaus Auftrieb verliehen haben dürfte. Und doch macht die Dosis das Gift. In den folgenden Jahren wusste Green seine Emotionalität durchaus vorteilhaft einzusetzen - eben, wenn es nötig war.
Das Problem: Sein Verhalten hat Green nie der sportlichen Realität angepasst. Golden State ist nun mal nicht mehr einen emotionalen Wachrüttler von der Ligaspitze entfernt. Der Abstand hat sich über die Jahre deutlich vergrößert. Zu kompensieren versucht Green diesen gewachsenen Rückstand jedoch offenbar mit noch mehr Wutausbrüchen als bereits zuvor.
Neun technische Fouls hat der Forward bereits gesammelt - nach noch nicht einmal der Hälfte der Saison wohlgemerkt. Seinen persönlichen Rekord einer vollen Spielzeit (17) dürfte er, geht es so weiter, pulverisieren.
Immer stärker hat man das Gefühl, dass diese einst wohltemperierten emotionalen Spitzen einem unkontrollierten cholerischen Ausbruch weichen. Nicht zuletzt musste das seine Mannschaft spüren, als sich Green am Rande des Spiels gegen Orlando eine hitzige Diskussion mit Trainer Steve Kerr leistete, anschließend wutentbrannt das Spielfeld verließ und danach nicht mehr zurückkehrte.
Teurer Vertrag, geringe Produktion: Ist Green sein Geld noch Wert?
Dass man früher über all diese Eigenheiten hinwegschaute, hing auch damit zusammen, dass Green stets zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. Nicht so in der laufenden Saison, in der der 35-Jährige bislang in zahlreichen Kategorien starke Einbrüche verbucht, insbesondere in Bezug auf Effizienz. Noch immer ist das Net-Rating der Warriors mit Green besser als ohne ihn, wenngleich nur marginal.
Dass Stars bei gleichzeitig fürstlicher Entlohnung einen sportlichen Mehrwert bieten, ist jedoch selbstverständlich. Erlaubt sein sollte viel mehr die Frage, ob Green dem erhofften Vorteil nachkommt. Mit knapp 26 Millionen Dollar Salär verdienen in Golden State nur Curry und Butler besser als der neunmalige All-Defensive-Spieler. In der kommenden Saison, seiner letzten im laufenden Vertrag (Spieleroption), sind es bereits 27,7 Millionen.
Die Ära der Warriors neigt sich unzweifelhaft dem Ende zu. Die Frage ist nur: Wie können die letzten produktiven Jahre von Stephen Curry am effektivsten genutzt werden? In der Zeit als Serienmeister war Draymond Green stets integraler Bestandteil, sowohl sportlich als auch emotional. Immer stärker wächst allerdings das Gefühl, dass Green neue Probleme mit alten Waffen bekämpft, dass er sich von der sportlichen Realität der Warriors entfremdet hat.
Die Verantwortlichen der Warriors sollten sich deshalb einer Frage stellen, die in San Francisco lange als Gotteslästerung galt: Ist Green sein Geld noch wert? Und tatsächlich berichtete zuletzt The Athletic, dass sowohl Green als auch Neuankömmling Jimmy Butler nicht mehr unantastbar seien.
Ein erfolgreiches Warriors-Team ohne Draymond Green ist kaum vorstellbar. Ein erfolgreiches Warriors-Team mit Draymond Green - aktuell - aber ebenso wenig.
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