Nach kicker-Informationen wurde an diesem Montag seitens der Bonner Behörde sowohl der Bayer-AG als auch der Volkswagen-AG, die jeweils die Lizenzgesellschaften der Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg besitzen, die Beiladung zu dem Verfahren bestätigt. Bereits Anfang des Jahres hatten die beiden Konzerne dies beantragt.
Hintergrund des Antrags ist das Aktiengesetz
Die Thematik spitzt sich also weiter zu, nachdem das Amt vor einigen Monaten die 50+1-Regel grundsätzlich für vereinbar mit dem europäischen Kartellrecht erklärt hatte, allerdings die Ausnahmen in Frage gestellt hatte. Die Empfehlung der Wettbewerbshüter: Die Regel, die sicherstellt, dass stets der Mutterverein das Sagen hat, möge von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) respektive dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) diskriminierungsfrei und konsequent anwenden.
"Drittens muss die DFL bei der vorgeschlagenen Änderung der Bestandsschutzregeln für die vormaligen Förderklubs nachbessern, denn die europäische Rechtsprechung legt hier jetzt einen strengen Standard an", hatte Kartellamtspräsident Andreas Mundt in der Stellungnahme betont und neben Bayer und dem VfL auch RB Leipzig in die Pflicht genommen, weil dort die stimmberechtigte e.V.-Mitgliedschaft lediglich einem ausgewählten Kreis vorbehalten ist, der enge Bindung zum geldgebenden Red-Bull-Konzern hat.
Hintergrund des Beiladungsantrags der Konzerne ist das Aktiengesetz, wonach die Vorstände von Bayer und VW dazu verpflichtet sind, das Vermögen der Aktionäre vor etwaigen weiteren Folgen des Verfahrens zu schützen. Wenn beispielsweise Ligaverband, Förderausnahmen und Kartellamt nicht auf einen Nenner kommen und es zu Klagen kommen könnte.
Einen Kompromiss zu finden, wird ein komplizierter Balanceakt
Bis Ende Oktober sind die Liga sowie die beigeladenen Parteien - darunter befinden sich diverse Vereine und nun eben auch die beiden Konzerne - vom Amt aufgefordert, ihre Stellungnahmen abzugeben. Die handelnden Personen im Liga-Präsidium dürften einen sich weiter zuspitzenden Konflikt vermeiden wollen. Dass zuletzt mit Fernando Carro der Vorsitzende der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen in den DFL-Aufsichtsrat gewählt wurde, ist ein klares Zeichen für den Willen zur Suche nach einer einvernehmlichen Lösung.
Ob diese gelingt und auch dem Gusto der Wettbewerbshüter entspricht, hängt von den Verhandlungen in den nächsten Wochen und Monaten ab. Allerdings heißt es hinter vorgehaltener Hand auch, dass vor allen Dingen die organisierten Fanszenen ähnlich wie in der Debatte um einen Liga-Investor in den Klubs Druck machen würden, wenn 50+1 nicht konsequent umgesetzt würde. Hier einen Kompromiss zu finden, dürfte zu einem komplizierten Balanceakt werden.