Es brauchte nur einen kurzen Blickkontakt und ein Nicken von BVB-Keeper Gregor Kobel, dann wusste Karim Adeyemi, was er zu tun hatte. Es lief am Samstag die 67. Minute des Auswärtsspiels der Borussia beim FSV Mainz, als sich die kurze Szene abspielte - und Kobel nach seiner Kopfbewegung den Ball nach vorne schlug. Genau dorthin, wohin Adeyemi nach dem Signal seines Keepers hingesprintet war.
Zwar lief es aus Sicht des BVB-Stürmers nicht perfekt, weil der Ball am Ende nicht im gegnerischen Kasten landete, aber: Da ihn der herausstürmende Robin Zentner umgrätschte, als er ihn gerade umkurven wollte, gab es die Rote Karte für den FSV-Keeper - und dadurch eine noch etwas entspanntere Schlussphase für Adeyemi und Co., die zu diesem Zeitpunkt bereits mit 2:0 in Führung lagen.
Form seines Lebens? Das wäre noch etwas verfrüht
Es wäre vielleicht etwas verfrüht, bei Adeyemi von der Form seines Lebens zu sprechen. Schließlich ist er a) erst 23 Jahre jung und hat entsprechend noch viel Zeit in seiner Profikarriere vor sich und ist b) der Vergleichszeitraum noch relativ kurz. Doch unstrittig ist, dass Adeyemi äußerst gut in diese erst fünf Spieltage alte Saison gefunden hat.
Der pfeilschnelle Angreifer erzielte in Mainz bereits seinen dritten Pflichtspieltreffer in der Spielzeit 2025/26 - nach seinem Siegtreffer zum 1:0 gegen Wolfsburg in der Vorwoche sowie seinem Tor beim spektakulären 4:4 in der Champions League bei Juventus Turin. Hinzu kommen noch je ein Assist in der Liga und der Königsklasse. Eine Zwischenbilanz, die sich ohne Zweifel sehen lassen kann.
"Ich habe jetzt fünf Spiele gut gespielt, aber ich brauche mehr Partien, die so verlaufen", sagte Adeyemi in Mainz und nannte sein Erfolgsrezept: "Das Einzige, was ich brauche, ist, mich gut zu fühlen." Und das tut er derzeit ganz offensichtlich. Indizien dafür gab es in der Partie am Samstag jedenfalls zuhauf zu beobachten: seine vielen Sprints in der gegnerischen Hälfte, die nicht nur zum Platzverweis für Zentner, sondern auch zu den beiden Toren führten. Sein überlegter Abschluss zum 2:0. Aber auch: seine vielen starken Defensivszenen, die ein Teil seines derzeitigen Formhochs sind.
Starke Weiterentwicklung unter Kovac
Unter Niko Kovac hat sich Adeyemi zu einem kompletteren Spieler entwickelt. Er ist reifer geworden, seriöser, erwachsener. Das wird in den vielen Interviews deutlich, die er inzwischen gibt. Vor allem aber in der Verantwortung, die er auf dem Platz trägt und auch annimmt. "Der Trainer erwartet von mir, dass ich defensiv mitmache", verriet Adeyemi in Mainz und stellte sich selbst ein ordentliches Zeugnis aus: "Ich versuche, der Mannschaft defensiv zu helfen. Ich glaube, das mache ich relativ gut. Und vorne versuche ich, meine Sachen zu machen. Wenn mir da niemand reinredet, läuft es bei mir besser."
Kovac lässt ihn Richtung gegnerisches Tor sein Ding machen - solange Adeyemi gegen den Ball die Anforderungen erfüllt. Das Ergebnis ist ein Win-Win-Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. Die 13 Punkte, die der BVB aus fünf Liga-Spielen sammelte, stehen ebenso dafür wie die vier Zu-Null-Spiele in Serie, die in Dortmunds Bundesliga-Bilanz notiert sind.