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"Alle waren sich einig - nur die Schiris sehen es anders"

kicker

Herr Fernie, mit zwei Tagen Abstand und in Anbetracht der offiziellen Stellungnahme durch den DFB: Wie blicken Sie heute auf die Rote Karte gegen Patric Pfeiffer in Dresden im Vergleich zu Gelb für Dynamos Thomas Keller fürs Halten gegen Isac Lidberg?

Bis jetzt habe ich mich dazu ja noch gar nicht öffentlich geäußert. Und ich war auch am Freitag im Gespräch mit dem Schiedsrichter nicht emotional unterwegs. Insofern habe ich also keinen Abstand gebraucht für meine Bewertung. Die fällt immer noch genauso aus wie direkt in Dresden: Man hätte beide Szenen gleich bewerten müssen, so wie das unser Trainer Florian Kohfeldt ja auch deutlich gemacht hat.

Die anderslautende Erklärung von Marco Fritz als Leiter Regelauslegung und Evaluation der DFB Schiri GmbH überzeugt Sie also nicht?

Nein, ich finde sie nicht nachvollziehbar. Der DFB stellt heraus, dass beide Szenen nicht identisch sind. Darum ging es uns aber auch gar nicht. Sondern darum, dass beide Szenen identisch hätten bewertet werden müssen. Das ist ein Unterschied.

Woran machen Sie Ihre Argumentation fest?

Marco Fritz hat die Gründe genannt, die in der ersten Szene für eine Gelbe Karte sprechen. Obwohl ich nicht zustimme, kann ich die Argumentation irgendwo nachvollziehen. Aber ebenso sehe ich mehrere Gründe, die bei Patric Pfeiffer für Gelb statt Rot gesprochen hätten: Die Position unseres Verteidigers Matej Maglica, der sich näher zum Tor befindet als der gefoulte Ben Bobzien. Die Position von Hiroki Akiyama, der in hohem Tempo kommt und noch eingreifen könnte. Die Position von Bobzien, der hätte abschließen können - aber nicht wirklich aussichtsreich. All diese Aspekte spielen in der Aufarbeitung des DFB aber keine Rolle und für den Schiedsrichter auf dem Feld auch nicht. Wobei Lars Erbst ja zunächst Gelb geben wollte.

„Es geht um die Spielleitung, nicht eine Abfolge von Entscheidungen.“ (Paul Fernie)

Jedenfalls war zu sehen, dass er zunächst in Richtung Brusttasche griff, in der die Gelbe Karte steckte.

Ja, das meine ich. Dann bekam er einen Hinweis aus dem Assistententeam, Rot zu geben. Es ist schade, dass er sich davon umstimmen ließ, denn sein Bauchgefühl war eigentlich das richtige. Gerade im Sinne einer ausbalancierten Spielleitung. Dieses Thema beschäftigt mich, ganz losgelöst von unserem Fall, seit langem bei all den ständigen Diskussionen um Schiedsrichterentscheidungen und den VAR hier in Deutschland. Wir müssen dahin kommen, dass unsere Schiedsrichter wieder Spiele leiten und nicht einfach nur eine Abfolge von Entscheidungen treffen.

Heißt konkret?

Vieles wird am Ende vom VAR bestimmt und damit anhand von Einzelszenen, die durch TV-Bilder aus dem Gesamtkontext herausgelöst sind. Den Schiedsrichtern bleibt dadurch immer weniger Spielraum. Das ist nicht gut für den Fußball.

Erbst hätte in Dresden sehr wohl den Spielraum gehabt, Pfeiffer Gelb zu geben.

Ja, aber er hat ihn nicht genutzt. Ich würde mir wünschen, dass man solche Szenen deshalb vor allem unter diesem Aspekt aufarbeitet. Am Freitagabend konnten wir doch feststellen: Trainer und Spieler beider Vereine waren sich in der Bewertung einig, auch die allermeisten Kommentatoren - nur die Schiedsrichter sehen es anders. Dabei sind wir doch keine Gegner, sondern alle gemeinsam in der Verantwortung, die bestmöglichen Spielleitungen hinzubekommen. Im Sinne des Fußballs und nicht vorrangig im Sinne einer abstrakten Regeltechnik. Dafür braucht es offene Diskussionen auf Augenhöhe, deshalb spreche ich es an. Ich will kein öffentliches Ping-Pong-Spiel, das am Ende keinem weiterhilft. Der Blick zurück auf Dresden ist für mich mit diesem Gespräch auch endgültig vorbei.

„Mehr als ein Spiel Sperre für Pfeiffer wäre unverhältnismäßig.“ (Paul Fernie)

Pfeiffers Fehlen wird Sie aber weiter daran erinnern.

Ich hoffe, dass angesichts der vielen Zweifel an seiner Roten Karte zumindest die Sperre angemessen sein wird.

Heißt aus Ihrer Sicht: Ein Spiel - obwohl auf Notbremse in der Regel zwei Spiele stehen?

Ja. Mehr als ein Spiel wäre aus den genannten Gründen für uns unverhältnismäßig.

Und ein weiterer Rückschlag im "Aufstiegsrennen", von dem Marcel Schuhen in der Emotion am Freitag plötzlich sprach. Auch Kohfeldt formulierte im Kontext der Schiri-Kritik, Darmstadt spiele "um die ersten drei Plätze". Solche forschen Ansagen standen bislang auf dem Index - gibt's jetzt eine Strafe für Kapitän und Trainer?

(lacht) Gute Frage. Aber im Ernst: Es gibt bei uns keinen Index. Und dass sich eine Mannschaft nach 24 Spieltagen auf Platz 3 im Aufstiegsrennen befindet, ist nun mal objektiv Fakt. So wie andere eben im Abstiegskampf stecken. Das ist aber etwas anderes als den Aufstieg plötzlich zum Saisonziel auszurufen. Das tun wir weiterhin nicht, sondern konzentrieren uns von Woche zu Woche. Unser grundlegendes Ziel, mehr Punkte zu holen als vergangene Saison, haben wir ja schon erreicht. Alles Weitere ist für uns Bonus.