Aus Bologna berichtet Carsten Schröter-Lorenz
Er freue sich, "wieder italienische Luft zu atmen", sagte Vincenzo Grifo in einem Interview auf der SC-Website vor der Dienstreise nach Bologna. Vor Ort stellte er kurz nach der Ankunft am Mittwochabend dann mit einem Schmunzeln fest: "Die Luft am Flughafen war ähnlich wie an jedem anderen Flughafen auch."
Das macht den Termin am Donnerstagabend im Stadio Renato Dall'Ara (18.45 Uhr LIVE! bei kicker) aber nicht weniger speziell für den Freiburger mit dem begnadeten rechten Fuß: "Es ist mein Heimatland. Ich freue mich immer hier zu sein. Ich genieße sicherlich die Luft und auch die Atmosphäre beim Spiel."
„Normalerweise verbinde ich Italien mit Meer, Strand, Sonne und gutem Essen. Aber wir sind ja nicht hierher gekommen, um Urlaub zu machen.“ (Vincenzo Grifo)
Mit Genuss wird das Geschehen auf dem Rasen für die Freiburger Profis aber wohl eher wenig zu tun haben. Trainer Julian Schuster warnte eindringlich vor der "abgefuchsten, körperlichen" Spielweise des Gegners: "Da muss man einiges einstecken." Auch der gebürtige Pforzheimer Grifo weiß natürlich, dass der aktuelle Trip wenig mit seinen langen, alljährlichen, sommerlichen Aufenthalten im Land des "Dolce Vita" zu tun hat.
"Normalerweise verbinde ich Italien mit Meer, Strand, Sonne und gutem Essen. Aber wir sind ja nicht hierher gekommen, um Urlaub zu machen", sagt der Freiburger Routinier, der speziell vor Bolognas Rechtsaußen Riccardo Orsolini warnt, der mit bisher drei Treffern in fünf Serie-A-Einsätzen der aktuell beste Torschütze bei den Rossoblu ist.
"Er ist ein Linksfüßer, der sehr viel ins Eins-gegen-eins geht und sich toll entwickelt hat. Er ist ein Schlüsselspieler mit sicherlich viel Selbstvertrauen, am Wochenende gegen Lecce hat er auch getroffen", sagt Grifo: "Er ist verdienter Nationalspieler, der jetzt auch unter Trainer Gennaro Gattuso seine Einsätze bekommen hat. Aber Bologna hat nicht nur ihn, da müssen wir noch ganz andere Spieler auf dem Schirm haben."
Der besondere 11. November 2020
Etwa auch Federico Bernardeschi, der im Vergleich zu Orsolini (11 Länderspiele/2 Tore) noch deutlich mehr Erfahrung in der Squadra Azzurra vorzuweisen hat (39/6) und im Sommer nach drei Jahren beim FC Toronto in der MLS in die Serie A zurückkehrte. Dort hatte er während acht Spielzeiten in Florenz und bei Juve seine Spuren hinterlassen.
Mit beiden verbindet Grifo eine besondere Erinnerung an den 11. November 2020 - und das hat nichts mit Karneval zu tun. "Da haben wir in Florenz gegen Estland gespielt und alle drei getroffen", erzählt Grifo mit einem breiten Grinsen. Dem Freiburger gelang seinerzeit im vierten Länderspiel mit dem 1:0 sein erster Treffer für die Azzurri, dem er per Strafstoß noch das 3:0 folgen ließ. Bernardeschi, in der Startelf gegenüber von Grifo auf der rechten Offensivseite aufgeboten, erzielte das 2:0, der für Bernardeschi eingewechselte Orsolini den 4:0-Endstand.
Grifo lief damals mit der Rückennummer 11 auf und wurde nach seinen Treffern von den Mannschaftskollegen innig geherzt. Dazu zählten auch heutige Stammkräfte wie Sandro Tonali, Giovanni di Lorenzo oder Alessandro Bastoni. Tolle Erinnerungen, die Grifo niemand mehr nehmen kann.
Auch diese Saison Top-Scorer
Auch, wenn er nicht für ein großes Turnier nominiert wurde, ist seine Nationalmannschafts-Laufbahn absolut respektabel. Gerade für einen Profi, der im Ausland ausgebildet wurde und nur außerhalb der Landesgrenzen spielte, ist es in Italiens Nationalteam deutlich schwieriger, nachhaltig Fuß zu fassen, weil der Fokus doch sehr auf der heimischen Serie A liegt.
Grifo ließ beim 3:1-Sieg in Albanien im November 2022 noch einen zweiten Doppelpack folgen und liegt nach seinem bisher letzten Auftritt beim 2:0 auf Malta im März 2023 bei neun Einsätzen und vier Treffern für die Azzurri. Gut möglich, dass keine weiteren Berufungen hinzukommen. Das tut Grifos beeindruckenden Zahlen im Verein aber keinen Abbruch - trotz steigenden Alters und damit nachlassender Dynamik, die ohnehin noch nie seine Stärke war.
"Jeder weiß, dass ich kicken möchte"
In all seinen bisher acht kompletten Saisons im Freiburg-Trikot führte Grifo die interne Scorerliste an und liegt auch 2025/26 schon wieder an der Spitze dieses Rankings, mit zwei Ligatoren und je einem Assist in Bundesliga und Europa League. Dabei kommt ihm die derzeitige Spielweise mit vielen langen Bällen, die maßgeblich zum Umschwung nach dem Fehlstart beigetragen hat, nicht besonders entgegen.
"Jeder, der mich kennt, der weiß ganz genau, dass ich Fußball spielen möchte, dass ich kicken möchte", betont Grifo: "Aber ich habe über viele Jahre einfach auch gelernt, dass das natürlich ein Mittel sein kann, um ins Spiel zu kommen." Gegen Stuttgart (3:1), in Bremen (3:0), als er per Elfer den Dosenöffner und auch die Vorlage zum 2:0 beisteuerte, sowie gegen Basel, als er per Flanke zum 2:0 servierte, habe das gut geklappt.
"Gegen Hoffenheim (1:1, Anm. d. Red.) war es vielleicht nicht ganz so der Fall und wichtig ist, dass man Dinge auch akzeptiert und einen Gegner hat, der natürlich auch Qualitäten hat", so Grifo, der über sich selbst meint: "Ich fühle mich fit, ich fühle mich gut." Das möchte er am Abend in Bologna auch auf dem Rasen zeigen. Beim sicher freudigen Wiedersehen mit zwei alten Bekannten.