Aus Fort Lauderdale berichtet Matthias Dersch
Der ständige Wechsel zwischen stark klimatisierter Innenluft und großer Hitze im Freien hat auch bei Waldemar Anton Spuren hinterlassen. Leicht verschnupft sitzt der Innenverteidiger vor dem Klub-WM-Achtelfinale gegen CF Monterrey in einer Medienrunde im schattigen Außenbereich des Teamhotels in Fort Lauderdale, um über das bevorstehende Duell mit den Mexikanern zu sprechen. Für den 28-Jährigen ist es ein echtes Highlight-Spiel. Nicht nur aufgrund der besonderen Bühne in den USA, sondern vor allem aufgrund eines Gegenspielers: Sergio Ramos, Innenverteidiger-Legende von Real Madrid und inzwischen Führungsspieler bei Monterrey, ist einer von Antons großen Vorbildern.
Für Kovac ist Anton ein "absolutes Vorbild"
"Das ist natürlich etwas Schönes. Als Kind habe ich zu ihm aufgesehen", sagt der Dortmunder, der in seinem ersten Jahr beim BVB zunächst durch etliche Täler gehen musste, ehe er sich im Laufe der Rückrunde zu der erhofften Stütze in der letzten Kette entwickelte. Auch bei der Klub-WM ist er als zentrales Glied der Dreierkette gesetzt.
Trainer Niko Kovac schätzt die Verlässlichkeit des früheren Stuttgarts, der für den 53-Jährigen ein "absolutes Vorbild" ist. Weil Anton sich nie öffentlich beschwerte, als er nur auf der Ersatzbank saß, sondern sich stets mannschaftsdienlich verhielt. Und weil er sich über ansprechende Trainingsleistungen jenen Platz erkämpfte, den die Dortmunder Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer für ihn vorgesehen hatten: den in der Startelf.
"Sie haben eine robuste und harte Mannschaft"
Auch in das Duell mit Ramos wird er wieder als Abwehrchef gehen, assistiert von Rami Bensebaini links und voraussichtlich Niklas Süle rechts. In der Mitte kann Anton das Spiel vor sich leiten, den Mitspielern Kommandos geben und im eigenen Ballbesitz Struktur geben. Auf harte Kämpfe ist er dabei eingestellt in der klimatisierten Arena in Atlanta, die für den BVB dennoch zum heißen Pflaster werden dürfte.
"Es wird kein einfaches Spiel. Sie haben eine sehr robuste und harte Mannschaft", sagt Anton über Monterrey. "Es wird wichtig sein, dass du dagegen hältst und direkt da bist." Denn wer die bisherigen Spiele der Südamerikaner verfolgt habe, der habe auch gesehen, "dass es da zur Sache geht in den Zweikämpfen. Da kann es auch mal wehtun. Das hat auch mich beeindruckt, dass da auch mal von hinten reingehackt wird. Das kannte ich so vielleicht noch aus der Jugend."
Fußballerisch dürfte der BVB im Vorteil sein
Fußballerisch dagegen dürfte der BVB im Vorteil sein - sofern es ihm gelingt, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten und dann wieder jene Kaltschnäuzigkeit zu beweisen, die die Borussia im Schlussspurt der Bundesliga noch in die Champions-League-Plätze geführt hat.
Den Grundstein aber legte auch damals eine stabile Defensive - mit Anton als wichtigem Glied der Kette. Er hatte sich selbst belohnt für das Überstehen einer Zeit, die er als "nicht leicht" bezeichnet und die neu für ihn war: "Das waren Rückschläge, die ich so nicht kannte." Aus der persönlichen Krise ist er gestärkt hervorgegangen und inzwischen auch wieder in die Nationalmannschaft zurückgekehrt. Der nächste Schritt könnte jetzt in den USA folgen: Mit einem Sieg über das Kindheitsidol Ramos würde Anton mit dem BVB dem Titel bei der Klub-WM einen weiteren Schritt näher kommen.