Der letzte Abstieg traf die TSG Sprockhövel ins Mark. Nach jahrelanger Zugehörigkeit zur Oberliga und einem kurzen Abstecher in die Regionalliga stand der schmerzhafte Gang in die Westfalenliga an. Doch die TSG erholte sich schnell und schaffte den sofortigen Wiederaufstieg.
"Wir hatten uns ein Zeitziel von maximal drei Jahren gesetzt, aber in der Winterpause gemerkt, dass wir es sofort schaffen können", erklärt Fußball-Abteilungsleiter André Meister rückblickend,
Andrius Balaika kehrte 2024 zur TSG zurück
Trainer Andrius Balaika hat der Mannschaft klare Strukturen gegeben. Der Pole stand bereits von 2015 bis 2022 an der Seitenlinie, bevor es damals zur Trennung kam. Im Februar 2024 kehrte der 47-Jährige als Nachfolger des am Ende glücklosen Yakup Göksu an den Baumhof zurück - zu spät, um den Abstieg zu verhindern, aber früh genug, um die Weichen für die direkte Rückkehr zu stellen.
"Andrius legt größten Wert auf Disziplin - auf Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Stellungsspiel. Das ist immer sein höchstes Gebot", betont Meister. Rückblickend glaubt er, dass ein früherer Trainerwechsel den Abstieg womöglich hätte verhindern können: "Wir hätten noch etwas eher reagieren müssen."
Nach neun Spieltagen steht Sprockhövel mit neun Punkten auf Platz 12 - im unteren Mittelfeld, aber für einen Aufsteiger ordentlich. Bereits die ersten Partien zeigen deutlich: Die TSG reagiert nicht mehr nur, sondern gestaltet die Spiele aktiv. Schon am 24. August setzte Sprockhövel ein erstes Ausrufezeichen mit dem 3:1 gegen Westfalia Rhynern. Alle Begegnungen, auch das jüngste 1:2 gegen Preußen Münster II, waren bis zum Schluss umkämpft.
Routiniers halten die Mannschaft zusammen. Ishak Dogan ist der Mann für die Stabilität. 35 Jahre alt, 187 Zentimeter groß, mit Stationen bei Trabzonspor, Karabükspor und Giresunspor bringt der gebürtige Hagener internationale Erfahrung in die Oberliga. Seit 2022 hält er bei der TSG Sprockhövel die linke Seite dicht - robust, clever, kompromisslos. "Ishak ist ein absoluter Supertyp, vereinsdienlich, ein Führungsspieler", lobt Meister.
Kapitän Max Michels (25) ist das Bindeglied - Kapitän und Antreiber. Der Mittelfeldmann sorgt für Kontinuität, hält Routiniers und Youngster zusammen - auf dem Platz wie in der Kabine. Er ist die Stimme, wenn es mal nicht läuft, und das Vorbild, wenn Einsatz gefragt ist.
Agon Arifi, seit 2022 im Verein, ist Sprockhövels Dauerläufer und Torgarant in einem. Im Aufstiegsjahr war er mit 20 Toren der entscheidende Faktor - und auch jetzt liefert er wieder:
„Die TSG ist in der Region als Talentschmiede bekannt - und genau das wollen wir bleiben.“ (Fußball-Abteilungsleiter André Meister)
Wichtiger als kurzfristige Ergebnisse ist der langfristige Auftrag: Talente auszubilden und ihnen den Weg nach oben zu ebnen. "Die TSG ist in der Region als Talentschmiede bekannt - und genau das wollen wir bleiben", betont Meister. Ein aktuelles Beispiel sind die Flügelspieler Oussama und Zakaria Anhari. Zakaria wechselte aus der U 19 des MSV Duisburg, Oussama kam vom TuS Ennepetal. "Beide sind torgefährlich und mit Ball enorm schnell. Zakaria hat eine tolle Übersicht, ist manchmal noch etwas verspielt", lobt Meister.
Diese Spieler stehen exemplarisch für die Philosophie des Klubs: Ausbildung statt Schnellschüsse. "Die TSG gilt in unserer Region als Wunschausbilder - wir haben viele Spieler ausgebildet und weitergebracht", sagt Meister. Grundlage dafür sind die Nachwuchsteams von der A- bis zur B-Jugend, betreut von qualifizierten Trainern. "Wir fangen früh an und wollen Talente so entwickeln, dass sie den nächsten Schritt schaffen."
Antwi-Adjei als Vorbild
Auch Beratung gehört zur Ausbildung: "Bevor ein Spieler vorschnell zu einem höherklassigen Klub geht, raten wir manchmal: 'Häng noch ein Jahr dran - dann machst du einen richtigen Schritt nach vorne!'" Dass dieser Ansatz Früchte trägt, zeigt unter anderem Christopher Antwi-Adjei, der 2017 von Sprockhövel zum SC Paderborn 07 wechselte und aktuell mit Schalke 04 den Bundesliga-Aufstieg anpeilt.
Mehrere vielversprechende Talente fehlen derzeit verletzt, darunter Jonah Husseck (kam von RW Oberhausen/früher BVB-Nachwuchs) und Aleksandar Gudalovic (SSVg Velbert). Mit ihrer Rückkehr dürfte die TSG noch stabiler werden. Am kommenden Sonntag wartet eine schwere Prüfung: Das Team gastiert bei Aufstiegsfavorit Wattenscheid 09. Anstoß ist um 15 Uhr im Lohrheidestadion.