Kurz vor Weihnachten steht der KSV Hessen Kassel ohne Geschäftsführer da. Sören Gonther (39), der seit 2023 bei den Nordhessen im Amt war, wechselt zum 1. Januar zum Zweitligisten Dynamo Dresden. Dort wird er ebenfalls den Posten des Geschäftsführers übernehmen. Über die Wechselkonditionen haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Gonther hatte beim KSV noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2026. "Wir haben mit Sören einen langfristigen Plan verfolgt", bedauert Vorstandsmitglied Daniel Bettermann den Abgang des ehemaligen Zweitliga-Profis (Paderborn, St. Pauli, Dresden und Aue). "Wir wissen aber natürlich auch, dass ein Wechsel in die 2. Bundesliga für ihn eine sehr große Chance bedeutet".
Der Abgang trifft Kassel zu diesem Zeitpunkt zwar überraschend, aber nicht vollkommen unerwartet. Gonthers zuletzt erfolgreiche Arbeit beim KSV wurde von der Konkurrenz durchaus wahrgenommen und weckte Begehrlichkeiten. Dazu hat der smarte und eloquente Gonther einen hohen Bekanntheitsgrad durch seine Tätigkeit als Experte beim TV-Sender Sky und damit einhergehend auch ein gutes Netzwerk.
Nach einem zunächst etwas holprigen Beginn seiner Tätigkeit traf Gonther viele Entscheidungen, die sich als richtig erwiesen haben. Als sich der KSV im Herbst 2024 im freien Fall befand und der Abstieg in die Hessenliga immer näher rückte, verpflichtete Gonther mit René Klingbeil einen Trainer, der die Mannschaft souverän zum Klassenerhalt führte. Zudem glückten zuletzt die meisten seiner Transfers. So entwickelten Gonther und Klingbeil den Abstiegskandidaten zu einem Team, das im Kalenderjahr 2025 saisonübergreifend die zweitmeisten Punkte in der Regionalliga Südwest erringen konnte, nur die SGV Freiberg war erfolgreicher. Wichtiger noch als die nackten Zahlen: Gonther und Klingbeil verpassten dem KSV einen attraktiven Spielstil. Nicht zuletzt deshalb stieg der Zuschauerschnitt in Kassel in dieser Saison auf knapp 3.400. Als Gonther 2023 nach Kassel kam, waren es mit 1.800 annähernd nur halb so viel.
Ein Nachfolger mit KSV-Vergangenheit?
Wie geht es nun in Kassel weiter? Als mögliche Nachfolger werden im Vereinsumfeld Namen genannt, die bereits eine Vergangenheit bei den Nordhessen haben. Eine heiße Spur führt zu Marc Arnold (55), der von 2005 bis 2007 52 Oberliga- und Regionalliga-Spiele für den KSV bestritt. Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete der in Südafrika geborene Ex-Profi (u. a. Dortmund und Hertha BSC) bereits ein Jahr als Manager für die Nordhessen, bevor er 2008 als sportlicher Leiter zu Eintracht Braunschweig wechselte. Dort schaffte er 2011 den Aufstieg in die 2. und 2013 in die 1. Bundesliga. Zuletzt war Arnold beim Nordost-Regionalligisten Chemnitzer FC tätig. Auch der Name André Schubert (54) taucht als möglicher Nachfolger von Gonther auf. Der frühere Bundesliga-Trainer von Borussia Mönchengladbach lebt in Nordhessen und half bereits in der letzten Saison als Interimstrainer aus, bevor Klingbeil verpflichtet werden konnte. Für Schubert spricht, dass er die Verhältnisse und Strukturen beim KSV optimal kennt.
Eine andere Option wäre, die Aufgaben des Geschäftsführers auf das vorhandene Personal zu verteilen. So könnte der Arbeitsbereich von Trainer René Klingbeil erweitert werden. Klingbeils Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Zuletzt hatte er seinen Verbleib indirekt an eine Vertragsverlängerung von Sören Gonther geknüpft. Dieser ist nun weg, der von Verein und Umfeld hochgeschätzte Klingbeil soll unbedingt gehalten werden. Mehr Befugnisse könnten Klingbeil möglicherweise davon überzeugen, seine Arbeit in Kassel fortzusetzen. Wie es beim KSV weitergeht, soll spätestens zu Beginn der Wintervorbereitung im Januar entschieden sein.