Kurz vor der Auswärtspartie in Mainz hatte Niko Kovac am Sky-Mikrofon noch Entwarnung bei Serhou Guirassy gegeben und berichtet, dass der Angreifer einen Schlag auf den Oberschenkel "rausgelaufen" habe und bereitstünde. Wenige Minuten später - nach dem Aufwärmen - dann die Kehrtwende, der Guineer hatte sich abgemeldet. Rund eine halbe Stunde vor dem Spiel musste Kovac, der eigentlich seine Offensive unverändert aufs Feld hatte schicken wollen, also umplanen. Das Startelf-Mandat erhielt Julian Brandt. Und der 29-Jährige schwang sich mit zwei Vorlagen prompt zum Matchwinner auf.
"Es war natürlich ein bisschen überraschend, weil Serhou Schmerzen hatte beim Aufwärmen", beschrieb Brandt nach dem Spiel die kurzfristige Planänderung. "Dann wird man so ein bisschen ins kalte Wasser geworfen, auch wenn ich jetzt schon ein bisschen Erfahrung in der Bundesliga sammeln durfte." Ein "bisschen" Erfahrung war da schon ganz schön tief gestapelt, immerhin hatte Brandt vor Anpfiff bereits 357 Bundesliga-Spiele in seiner Vita stehen, musste aber trotzdem zugeben: "Es ist auf jeden Fall anders."
"Anders" stellte sich dann auch die Dortmunder Offensive zusammen. Den Mittelstürmer gab Maximilian Beier, dahinter wirbelten Brandt und Karim Adeyemi. Auf den zweiten Blick gar keine so neue Konstellation, denn die drei hatten schon beim letzten Aufeinandertreffen mit Mainz von Beginn an gespielt. Beim 3:1 am 27. Spieltag der vergangenen Spielzeit hatte Beier doppelt getroffen, Adeyemi einmal aufgelegt, Brandt blieb zwar damals ohne Torbeteiligung, hatte aber eine gute Leistung abgeliefert (kicker-Note 2,5).
Erinnerungen an März 2024
Rund ein halbes Jahr später gelang Beier als einzigem aus dem Trio keine Torbeteiligung (Adeyemi traf zum 2:0), trotzdem gab es für alle drei Lob von Nico Schlotterbeck: "Die drei Jungs vorne, die eh nur zusammenhängen, die haben es dann gerockt."
Beinahe hätte Brandt seine starke Leistung noch gekrönt, doch einen eigenen Treffer verpasste er in der Nachspielzeit. "Der Jule macht einen klasse Job, er hatte jetzt auch eine Hand-OP, deswegen war er jetzt auch nicht dabei", ordnete Kovac ein. Schon beim Gastspiel beim FC St. Pauli (3:3) habe Brandt mit einem "fantastischen Tor" nach Einwechslung geglänzt. "Heute legt er zwei auf und hat selbst eine Chance. Ich weiß genau, was er kann, er ist ein wichtiger Spieler für uns und diesen Klub."
Effektivität und ein Aber
Und der Gelobte? Der analysierte nach der Partie klar: "Es war jetzt kein herausragendes Spiel in der ersten Halbzeit, wir waren sehr effektiv. Wir haben zwei Konter ganz gut ausgespielt." Mit zwei Vorlagen von ihm selbst. "Ich finde nur, dass wir das am Ende ein bisschen besser ausspielen müssen, wenn wir ein Mann mehr sind." Nach der Roten Karte gegen Keeper Robin Zentner wurde dessen Ersatzmann Lasse Rieß selten gefordert, richtig nur von Brandt.
Fernab des kleinen Kritikpunkts ist es für Brandt "ein sehr gutes Zeichen, dass wir einen guten Start erwischt haben", gerade weil der BVB in der Vergangenheit "auch schon auch nicht so gute Starts" hingelegt habe, "wo wir der Musik hinterhergelaufen sind". Aktuell bleiben die Schwarz-Gelben mit vier Siegen und einem Remis Bayern-Jäger Nummer eins.