Als Anfang September die Führungsposse bei Nottingham Forest eskalierte und sich die Verantwortlichen von Erfolgstrainer Nuno Espirito Santo trennten, sollte mit der Einstellung von Ange Postecoglou wieder Ruhe einkehren. Und mit ihr der Erfolg der jüngeren Vergangenheit. "Wir holen einen Trainer in den Verein, der nachweislich und kontinuierlich Titel gewonnen hat", sagte Klub-Besitzer Evangelos Marinakis bei der Vorstellung des Australiers, dessen Einstellung der richtige Schritt sein sollte, "um mit den Besten mithalten und um Titel kämpfen zu können." Tatsächlich stehen die Tricky Trees nach 24 Tagen unter dem ehemaligen Tottenham-Trainer noch deutlich schlimmer da als zuvor.
Postecoglous Bilanz: Sechs Spiele, kein Sieg
Das 2:3 gegen den FC Midtjylland am Donnerstagabend markierte den nächsten Tiefpunkt beim zweimaligen Sieger des Europapokals der Landesmeister, der seit Mitte August auf den zweiten Saisonsieg wartet. Postecoglou ist erst seit 24 Tagen im Amt, doch wirklich etwas vorzuweisen hat er nicht. Seine erschreckende Bilanz nach sechs Spielen beim Tabellen-Siebten der Vorsaison: ein Remis gegen Aufsteiger Burnley, dazu fünf Niederlagen. Seit hundert Jahren hat kein Forest-Trainer einen schlechteren Start hingelegt, 1925 blieb John Baynes gar in seinen ersten sieben Spielen ohne Sieg.
Geht es nach den Fans des traditionsreichen Klubs, erhält Postecoglou gar nicht erst die Chance, den Uralt-"Rekord" beim nun anstehenden Gastspiel in Newcastle am Sonntag (15 Uhr) zu knacken. "You're getting sacked in the morning!", skandierten hunderte von ihnen auf den Tribünen des City Ground, als Midtjylland kurz vor Schluss mit dem Tor zum 3:1 die Vorentscheidung sorgte, auf die Melodie von Guantanamera. "Du wirst morgen früh gefeuert!", waren sich die Fans des Rauswurfs Ange Postecoglous sicher, doch noch ist die Trennung nicht erfolgt. Nach englischen Medienberichten gibt es im Klub bislang auch keine Pläne in diese Richtung.
Postecoglou: "Das wird meine Herangehensweise nicht ändern"
Postecoglou indes hatte Verständnis für die Wut der Anhänger, die sich einen anderen Ausgang für ihr erstes europäisches Heimspiel seit 30 Jahren gewünscht hatten. "Die Fans sind enttäuscht, sie haben das Recht, ihre Meinung dazu zu äußern, und ich habe ihre Meinung gehört. Im Fußball überrascht mich nichts mehr", so der 60-Jährige, der einen Rücktritt offenbar ausschließt. "Ich denke, das ist einfach das Klima, in dem wir uns befinden, und es scheint, dass wir diesen Weg weitergehen werden. Das ist meine Verantwortung."
Postecoglou zeigt Verständnis für die Meinung der Fans, glaubt aber weiterhin an seinen Weg: "Mit allem Respekt, aber das wird meine Herangehensweise nicht ändern. Ich glaube fest an den Prozess, den wir durchlaufen, und ich denke nicht, dass wir weit davon entfernt sind, ein Team zu sein, das die Ergebnisse erzielen kann, die wir brauchen." Gegen Newcastle wird er Antworten liefern müssen.