Im ersten Spiel getroffen, im zweiten Spiel getroffen: Antoine Semenyo ist bei seinem neuen Klub Manchester City beachtlich gestartet, doch seine Ausbeute hätte sogar noch besser sein können. Am Dienstagabend traf der 72-Millionen-Euro-Neuzugang im League-Cup-Halbfinalhinspiel bei Newcastle United nicht nur zum 1:0 (53.), sondern auch zum 2:0 (63.) - dachte er zumindest.
Doch nach fast sechs Minuten entschied Schiedsrichter Christopher Kavanagh, dass Erling Haaland bei Semenyos Abschluss strafbar im Abseits gestanden hatte, und nahm den Treffer zurück. Was der St. James' Park feierte, als hätte Nick Woltemade den Ausgleich erzielt, war nach dem Schlusspfiff das große Gesprächsthema, obwohl ManCity die Partie trotzdem noch mit 2:0 gewonnen hatte. Wie konnte es zu diesem schier endlosen VAR-Check kommen?
Die banale Aufklärung: Weil die halbautomatische Abseitstechnologie versagte, mussten die Linien in der unübersichtlichen Strafraumszene händisch gezogen werden. Und als nach mehr als vier Minuten schließlich das nötige Bild vorlag, dauerte es noch einmal lange, bis Kavanagh in der Review Area beurteilt hatte, ob Haaland, dessen Abseitsposition nur minimal war, Newcastles Torhüter Nick Pope tatsächlich die Sicht genommen hatte. Währenddessen war der Unmut auf den Rängen riesig, Buhrufe waren ebenso zu hören wie auch in Deutschland übliche Anti-VAR-Sprechchöre.
Sogar Pep Guardiola, der sich regelmäßig damit brüstet, öffentlich nicht über Schiedsrichterentscheidungen zu sprechen, konnte nach dem Schlusspfiff nicht an sich halten. "Ich bin mir sicher, dass mich Howard Webb (Schiedsrichterchef in England, Anm. d. Red.) morgen anrufen und Erklärungen dafür finden wird. Es hat heute mehr als sechs Minuten gedauert und wir können nicht mal mit dem Referee darüber sprechen. Aber sie werden mich anrufen", schimpfte ManCitys Coach bei Sky Sports sarkastisch und führte noch einige Szenen aus der Vergangenheit auf, in denen der VAR zu ManCitys Nachteil gar nicht eingegriffen habe.
Die FIFA arbeitet bereits an einer Lösung
Die FIFA arbeitet bereits fieberhaft daran, lange VAR-Checks aus dem Spiel zu verbannen. Auch mit Blick auf die WM will sie nicht nur die halbautomatische Abseitstechnologie noch auf andere Spielsituationen ausweiten, sondern durch eine 3D-Nachbildung der Torhüter den Schiedsrichtern auch eine schnellere Entscheidung ermöglichen bei der Frage, ob sich ein Spieler im Sichtfeld eines Keepers befunden hat.