35 Millionen Euro investierten die Tottenham Hotspur im Sommer, um Mathys Tel nach einer halbjährigen Leihe fest vom FC Bayern zu verpflichten. Weil sie zuvor die Frist für die 50 Millionen schwere Ausstiegsklausel hatten verstreichen lassen, schienen sie einen guten Deal gemacht zu haben - der gerade aber einige Fragen aufwirft.
Es häufen sich Medienberichte in Frankreich und England, wonach Tel die Spurs ein halbes Jahr später schon wieder verlassen möchte. Im Guardian heißt es, der 20-jährige Flügelstürmer habe die Verantwortlichen darüber informiert, eine Leihe anzustreben. Damit möchte er demnach seine WM-Chancen aufrechterhalten. Denn in London kämpft er nach wie vor um Spielzeit - eine Situation, die ihn bereits zum Bayern-Abschied bewogen hatte.
Erste mögliche Abnehmer geistern schon herum
Trainer Thomas Frank, drei Tage vor Tels fester Verpflichtung installiert, setzt den Franzose trotz der anhaltenden Offensivflaute seiner Elf meist nur als Joker ein, immer wieder auch gar nicht. In 465 Spielminuten, verteilt auf 14 Einsätze, markierte er trotz eines xGoals-Werts von nur 0,57 immerhin drei Tore; zuletzt vor fünf Tagen beim 2:3 in Bournemouth, als er zum fünften Mal beginnen und erstmals durchspielen durfte.
Das scheint Tel - wie übrigens auch vielen Spurs-Fans - nicht zu genügen, weil er ahnt, dass dies auch Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps nicht genügt, von dem er bislang noch keine Einladung erhielt. Mit dem FC Paris oder Galatasaray geistern bereits potenzielle Abnehmer für Tel herum, dessen Lage allerdings nicht nur wegen seiner Einsatzzeiten verzwickt ist: Die Spurs können sich eigentlich nicht erlauben, ihn gehen zu lassen.
Denn: Mit Brennan Johnson, der zu Crystal Palace verkauft wurde, haben sie bereits eine Offensivkraft weniger, dazu fällt Mohammed Kudus voraussichtlich bis April aus. Der 14. der Premier- und Elfte der Champions-League-Tabelle bräuchte vielmehr Verstärkung in der Offensive, keine weiteren Abgänge. Gleichwohl scheint Franks Vertrauen in Tel begrenzt zu sein und sich bestenfalls nur sehr langsam aufzubauen.
In der Champions League darf Tel erst seit Dezember mitwirken
Der offensichtlichste Hinweis: Der neue Chefcoach nominierte den Franzosen nicht für die Champions-League-Ligaphase. Erst als sich Angreifer Dominic Solanke verletzte, rückte er im Dezember unverhofft nach und verzeichnet deswegen inzwischen einen Jokereinsatz. Auch in diesem Wettbewerb würde Tel sich gerne viel häufiger präsentieren.
Sollten die Spurs Tel eine Leihe verwehren, wofür es Hinweise zu geben scheint, bleibt ihm noch eine leise Hoffnung, um seine Lage in London kurzfristig zu verbessern: das Aus für Frank, der schon vor dem FA-Cup-Aus gegen Aston Villa am Samstag wackelte. Im Moment sieht es aber danach aus, als wären beide - Frank und Tel - auch Anfang Februar noch in London.