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Barca-Torhüter Szczesny: "Ich habe genug von diesem Leiden"

kicker

Seit Jahren ist Wojciech Szczesny Teil des europäischen Spitzenfußballs: FC Arsenal, AS Rom, Juventus Turin und aktuell FC Barcelona - die Stationen des 35-Jährigen können sich sehen lassen. Dass er ein guter Torhüter ist, ist unbestritten - und dennoch wurde er immer wieder unterschätzt und trotz beständiger Leistungen nie als Star betrachtet. Das dürfte sich bis heute nicht geändert haben, beim FC Barcelona ist der Pole inzwischen auch ins zweite Glied gerückt und hinter Joan Garcia nur die Nummer 2. Wenn Marc-André ter Stegen nach seiner Verletzungspause vollständig zurückkehrt, könnte er sogar zu Nummer 3 degradiert werden. Szczesny dürfte damit leben können, hat er sich doch bereits jetzt einen Traum erfüllt.

In einem Interview mit der polnischen GQ sprach er zunächst über sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater Maciej, der wie sein Sohn polnischer Nationaltorhüter war. "Als Kind hatte ich Angst vor meinem Vater", sagte der Barca-Schlussmann und verriet, dass ihn dieser "immer wieder öffentlich vor wildfremden Leuten gedemütigt hat. Ich fragte mich, 'Papa, warum tust du das?', lernte so aber auch, meine Emotionen zu verstecken und alles herunterzuschlucken." Das habe ihn geprägt und hatte auch Auswirkungen auf seine Karriere, denn, "wenn du Torhüter bist, dann denken alle, dass du cool, selbstbewusst und furchtlos bist - und ich habe sehr jung gelernt, ruhig zu sein. Vielleicht war es mir deshalb so wichtig, nie 'auszurasten', um nicht wieder der kleine Junge zu sein, der vor Fremden rot wird."

Barcelona wichtiger als Geld

Karrieretechnisch hat Wojciech seinen alten Herrn längst in den Schatten gestellt, mit ihm in Konkurrenz treten, wollte er aber ohnehin nie, betonte der 35-Jährige und verriet, dass er vor seinem Wechsel zum FC Barcelona eigentlich vorhatte, seine Handschuhe an den Nagel zu hängen, was er ja auch bereits offiziell gemacht hatte. "Es ist nicht so, dass ich meine Leidenschaft für den Fußball verloren hatte, aber es gab keine Angebote, die mich begeisterten. Ich wollte nicht nur wegen des Geldes spielen. Drei Tage bevor ich meinen Rücktritt bekannt gab, sagte ich sogar zu Lewa (Robert Lewandowski, die. Red.), dass ich nur noch für einen Verein spielen wolle - und zwar für Barcelona. Als sie mich dann anriefen, wussten sie wahrscheinlich, dass sie mich überzeugen konnten."

Wie sehr er für die Blaugrana spielen wollte, zeigt die Tatsache, dass er das in seinem ersten Jahr fast ohne Gehalt getan hat. "In meiner ersten Saison in Barcelona habe ich umsonst gespielt. Was ich von Barça bekommen habe, war genau das, was ich Juventus für die vorzeitige Auflösung meines Vertrags zurückzahlen musste. Ich habe keinen Euro mehr verdient." Barcelona habe es ihm aber ermöglicht, "nicht mit Bitterkeit in den Ruhestand zu gehen, sondern noch einmal Teil eines großen Vereins zu sein. Das war mir damals mehr wert als Geld."

Frotzeleien von Lewandowski

In Spanien spielt er auch mit seinem Landsmann Lewandowski, den er bestens aus gemeinsamen Zeiten bei der Nationalelf kennt - und der ihn für gewöhnlich aus einem bestimmten Grund immer wieder aufzieht. "Ich liebe es, zu essen. Obwohl ich es schaffe, innerhalb des zulässigen Gewichts zu bleiben, habe ich den Rekord von Barcelona in Bezug auf den Körperfettanteil gebrochen. Ich fand das lustig", gestand der Routinier und meinte, dass er damit leben könne, wenn es "das Schlimmste an meiner Professionalität ist, dass ich Essen liebe."

Einmal soll Lewandowski sogar gefragt haben, wie Szczesny "mit so einem Körper eine solche Karriere machen" konnte. "Natürlich hatte ich keine Ruhe mehr, sobald Lewa von meinem Körperfettanteil gehört hatte", verriet der Keeper und erläuterte: "Er ist ein Fanatiker, was Ernährung und Training angeht, er lebt wie ein Roboter. Immer wenn wir den Umkleideraum der Nationalmannschaft betreten, ist es das Erste, was er tut, mich von Kopf bis Fuß zu mustern und mich auf irgendeine Weise zu kritisieren." Dennoch war es ihm wichtig zu betonten, dass er es geschafft habe, "während meiner 17-jährigen Profikarriere immer ein hohes Niveau zu halten".

Eine Karriere unter Schmerzen

Körperlich musste der Torhüter ebenfalls einiges durchmachen, besonders aufgrund einer Verletzung, die er 2008 als 17-Jähriger noch beim FC Arsenal erlitten hat, damals kam es beim Hanteltraining zu einem Unfall, bei dem er sich beide Unterarme brach. Seitdem hat er Metallschienen zur Unterstützung - und Langzeitfolgen, die ihn bis heute einschränken. "Es erstreckt sich vom Handgelenk bis zum Ellenbogen und ist in der Saisonvorbereitung immer schlimmer, weil das Training belastender ist." Während der Saison sei es jedoch einfacher, weil man weniger Trainingseinheiten hat.

Und dennoch: "Es gibt Momente im Training, in denen ich komplett das Gefühl in meinen Händen verliere und wegen der Schmerzen nicht mal eine Wasserflasche halten kann. Meine Trainer und ich scherzen dann, dass das Training vorbei ist, weil ich wieder 'gelähmt' bin, aber die Wahrheit ist, dass ich genug von diesem Leiden habe - und der Angst, dass ein Ball oder ein Schuss irgendwas kaputt machen könnte. Die Leute sehen, wie ein Torwart durch die Luft fliegt, unmögliche Bälle fängt und sich in die Abwehr wirft, aber niemand sieht, was nach dem Training passiert. Ich ziehe die Handschuhe aus und meine Hände pochen, als würden sie brennen. Das ist ein Schmerz, der stundenlang anhält."

Dennoch wird Szczesny das wohl noch etwas länger in Kauf nehmen, schließlich läuft sein Vertrag mit dem spanischen Renommee-Klub bis 2027.