Die letzten Tage waren alles andere als Routine für Steffen Baumgart und seine Unioner. Erst retteten die Eisernen im ungewöhnlichen Donnerstagsspiel in Augsburg (1:1) spät einen Punkt, und das auch noch in Unterzahl. Statt danach gleich wieder die Heimreise nach Köpenik anzutreten, siedelte der Union-Tross um nach Herzogenaurach. Ein Mini-Camp soll die Reisewege verkürzen, schließlich steht am Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) das nächste Spiel im Schwabenländle an, diesmal beim VfB Stuttgart.
Von einer "Riesenherausforderung" sprach Baumgart am Samstagmorgen auf der diesmal digital abgehaltenen Pressekonferenz mit Blick auf das Gastspiel beim VfB: "Egal wer von Stuttgart auf dem Platz stehen wird, über ihre Qualität brauchen wir nicht zu diskutieren." Bei der offensiven Wucht der Schwaben sei es vor allem wichtig, "dass wir über eine sehr stabile Defensive kommen, eine gute Kompaktheit haben, um aus der immer wieder nach vorne zu kommen", forderte der Union-Trainer von seinen Spielern.
Union will "unangenehm bleiben"
Im neuen Jahr hatten die Eisernen sowohl gegen Mainz (2:2) als auch gegen Augsburg mehr Ballbesitz, an den 15 Spieltagen zuvor war dies nur ein einziges Mal der Fall (beim 1:3 in Wolfsburg). Doch der Trend werde sich in Stuttgart nicht fortsetzen, da ist sich Baumgart sicher: "Das war nicht Sinn und Zweck. Augsburg und Mainz haben uns einfach mehr den Ball gegeben. Wir werden keine Ballbesitzmannschaft mehr werden." In den nun anstehenden Spielen gegen die Top-Teams aus Stuttgart, Dortmund (24.1.) und Hoffenheim (31.1.) werde Union wie gewohnt wieder weniger Ballbesitz haben, wagt der Trainer eine Prognose.
Gerade beim VfB - die laut Baumgart "zweitbeste Mannschaft im Ballbesitz" nach Bayern München - dürfte dies gelten. Im Hinspiel hatte Union magere 25 Prozent Ballbesitz, holte aber dennoch einen 2:1-Sieg gegen die Schwaben. "Wir sind eine Mannschaft, die für alle unangenehm ist, die wollen wir auch bleiben", meinte Baumgart stolz. Die individuelle Qualität sei bei den meisten Gegnern aus der Bundesliga größer, aber im Kollektiv seien seine Unioner schwer zu bespielen: "Wir können jedem Gegner weh tun!"
Engpass auf der linken Schiene
Einen Engpass gilt es für den Union-Trainer auf der linken Schiene zu beheben. Tom Rothe fehlt weiterhin verletzt, zudem muss sein Ersatzmann Derrick Köhn nach seiner Roten Karte gegen den FCA zwei Spiele aussetzen. Doch Baumgart hat schon zwei Optionen im Kopf: Die Entscheidung werde zwischen Josip Juranovic und Stanley Nsoki fallen. Janik Haberer, eigentlich Unions Schweizer Taschenmesser, sieht der Coach dagegen nicht auf der linken Seite.
Es könnte noch zu mehr Wechseln in der Startelf kommen, Baumgart kündigte an, man solle sich "überraschen lassen". Gegen formstarke Stuttgarter will Union erneut punkten - zum Abschluss einer ungewöhnlichen Woche.