Kreso Ljubicic glaubt fest an sein Team. "Wir sind absolut Regionalliga-tauglich. Ich kann den Jungs nichts vorwerfen, und die Mannschaft ist völlig intakt. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren", stellt der Trainer des FC Bayern Alzenau seinen Kickern ein gutes Zeugnis aus, obwohl der Start in die aktuelle Saison bislang nicht unbedingt zufriedenstellend verlaufen ist.
Nach drei 1:3 Niederlagen in Trier, bei der U 23 des FSV Mainz 05 und in Balingen rutschten die Unterfranken aktuell auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Mit dem Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers und der Auswärtspartie beim TSV Steinbach Haiger warten nun zwei dicke Brocken auf den FCB. "Wir stehen unter Druck und müssen gegen Stuttgart Punkte einfahren. Sonst droht es uns, dass wir den Anschluss verlieren", weiß Ex-Profi Ljubicic um den Ernst der Lage.
Doch wo hapert es bei dem letztjährigen Vize-Meister der Hessenliga? Der Blick auf die Statistik zeigt, dass den Bayern bislang nur vier Treffer aus dem Spiel heraus gelungen sind, weitere vier Einschläge im gegnerischen Kasten resultierten aus verwandelten Elfmetern. "In der Offensive sind wir im Moment zu schwach", hat auch der Vereinsvorsitzende des Aufsteigers, Andreas Trageser, erkannt. Während Lukas Fecher gegen Mainz drei gute Einschussmöglichkeiten vergab, verfehlte sein Sturmpartner Lucas Sitter in Balingen gleich mehrfach das gegnerische Gehäuse. Der zuletzt vom FSV Frankfurt verpflichtete Zielspieler Filip Pandza feierte zwar beim bislang einzigen Sieg in Bahlingen einen Einstand nach Maß, danach flachte seine Leistungskurve aber ab. "Er hatte ein Jahr lang fast keine Spielpraxis", nimmt Ljubicic den 1,95 Meter-Hünen jedoch in Schutz.
Anfällig bei Eckbällen
Aber nicht nur im Angriff, sondern auch im Defensiv-Bereich offenbarten die Weiß-Blauen bereits mehrfach Schwächen. Vor allem nach Eckbällen schlug es immer wieder hinter dem bislang überzeugenden Keeper Alessio Samarelli ein. "Bei defensiven Standards geht es einzig und allein um den unbedingten Willen, die Situation verteidigen zu wollen. Das kann man so gut wie nicht trainieren", weiß Ljubicic.
Um die Effizienz in den Trainingseinheiten zu erhöhen, stellte der 36-Jährige das wöchentliche Übungsprogramm in der vergangenen Woche um. Künftig laufen die Alzenauer Kicker am Sonntag aus. Nach dem trainingsfreien Montag müssen die bayerischen Kicker nun von Dienstag bis Freitag auf dem Trainingsplatz antreten. "Ich habe auch eine Einheit am Morgen angeboten. Da wir aber nur Berufstätige und Studenten in unserem Kader haben, bringen wir es zeitlich leider nicht hin."
Kommt die Systemumstellung?
Um den Druck im Spiel nach vorne zu erhöhen, zieht der Alzenauer Trainer eine Systemumstellung in Betracht. Bereits gegen die Stuttgarter Kickers könnte das von Ljubicic favorisierte 4-2-3-1 von einer offensiveren Variante ersetzt werden. "Ich finde, dass wir uns bisher sehr gut verkauft haben. Im Moment haben wir einfach eine kleine Ergebniskrise", gibt sich Vereinschef Trageser entspannt.
Gleichzeitig betont der 62-Jährige, welch große Umstellung die vierte Liga für einen reinen Amateurklub wie den FC Bayern Alzenau bedeutet. "Die Belastung für den Gesamtverein und unsere vielen Helfer ist schon deutlich höher als in der Hessenliga. Aber ich bin total stolz auf unsere Ehrenamtlichen", so Trageser. Und was den langjährigen Funktionär besonders stolz macht. "Unser schönes Stadion und die Gastfreundschaft wird von jedem Gegner gelobt." Nur die Punkte dürften künftig ruhig öfters in Alzenau bleiben.