Als Aufsteiger ging die Bochumer U 21 mit einer klaren Marschroute in die Saison: Entwicklung vor kurzfristigem Erfolg, Klassenerhalt als realistisches Ziel. Wie hoch die Anforderungen in der vierthöchsten Spielklasse sind, wurde sofort deutlich. Das 1:4 zum Auftakt gegen den Bonner SC setzte früh den Maßstab für das, was die junge Mannschaft erwarten würde.
Die Hinrunde verlief wechselhaft. In vielen Partien hielt Bochum mit, agierte phasenweise auf Augenhöhe, ließ jedoch wiederholt Punkte durch späte Gegentore oder verspielte Führungen liegen. Am letzten Spieltag der Hinserie gelang mit dem 2:0 bei Fortuna Düsseldorf II ein versöhnlicher Ausklang. Der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze blieb überschaubar.
Über weite Strecken erwies sich die Torhüterposition als stabilster Mannschaftsteil. Hugo Rölleke überzeugte mit konstanten Leistungen und hielt seine Mannschaft mehrfach im Spiel. Ein Fehler wog allerdings schwer: Beim Stand von 2:1 gegen die SSVg Velbert ließ er einen Rückpass von Daniel Hülsenbusch unter der Sohle durchrutschen, der zum 2:2-Ausgleich führte.
Holtkamp und Jahn bilden das Rückgrat
Im zentralen Mittelfeld bildeten Kapitän Lars Holtkamp und Niklas Jahn das Rückgrat. Holtkamp bestätigte seine Rolle als Führungsspieler auch eine Liga höher und gab dem Team Struktur. Ganz anders verlief zunächst die Entwicklung beim gebürtigen Nürnberger Jahn: Seit seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zum VfL Bochum im Sommer 2024 blieb er ohne Profi-Einsatz. Ein geplanter Wechsel scheiterte, zudem endete sein Saisondebüt in der Regionalliga West mit einer Gelb-Roten Karte. U-21-Trainer Heiko Butscher betonte stets, dass die Tür für ihn offen sei. Zum Ende der Hinrunde zahlte Jahn dieses Vertrauen mit starken Leistungen zurück, auch wenn sein erster Einsatz bei den Profis weiter auf sich warten lässt.
Offensiv fehlte lange die Durchschlagskraft. Der Ausfall von Semin Kojic, in der Aufstiegssaison mit 20 Treffern bester Torschütze, wog schwer. Ciwan Günes (aus der U 19) arbeitete sich nach anfänglichen Schwierigkeiten und begrenzten Einsatzzeiten in die Startelf, erzielte gegen Gütersloh sein erstes Regionalliga-Tor und deutete sein Potenzial an. In vielen Phasen überzeugte zudem der vom MSV Duisburg ausgeliehene Stürmer Luis Hartwig, der sein hohes Niveau zum Ende der Hinrunde verletzungsbedingt nicht ganz halten konnte. Zunehmend stärker präsentierte sich Jonathan Akaegbobi, der nach einer Anlaufzeit mit dynamischen Offensivaktionen auf sich aufmerksam machte.
Profisupport und Kaderumbau
Punktuell erhielt die U 21 Unterstützung aus dem Profikader. Colin Kleine-Bekel nutzte seine Einsätze effektiv, erzielte Tore und stabilisierte das Aufbauspiel. Mathis Clairicia brachte Tempo und Kreativität ins Umschaltspiel, während Ibrahim Sissoko und Alessandro Crimaldi nach Verletzungen zurückkehrten und phasenweise die individuelle Qualität erhöhten.
Parallel begann der Klub im Winter, den Kader gezielt umzubauen. Spieler ohne realistische Einsatzperspektive wie Tolga Özdemir (SV Schermbeck) oder Jan Nzeba-Bost (Rot Weiss Ahlen) verließen den Verein. Weitere Abgänge waren Stevan Tasic, Ben Heuser und Keleb Nwubani.
Mit dem zuletzt vereinslosen Aurel Wagbe, der in der 2. Liga bereits für Holstein Kiel auflief, verpflichtete der VfL zudem einen flexibel einsetzbaren Flügelspieler mit Regionalliga-Erfahrung und physischer Präsenz, der zunächst noch auf sein Debüt warten musste. Gleichzeitig können bei Bedarf weiterhin U-19-Spieler wie Darnell Keumo, Alessandro Crimaldi oder Kacper Koscierski hochgezogen werden.