Er war genauso konsterniert wie seine Kollegen. "Es war nicht unser Tag", sagte Josip Brekalo nach Herthas 0:1-Niederlage gegen Holstein Kiel. Sein Tag wäre es indes beinahe geworden. Nach 60 Sekunden traf er zur vermeintlichen Berliner Führung, Vorlagengeber Luca Schuler stand hauchzart im Abseits - das Tor wurde nach VAR-Hinweis einkassiert. Und nach 88 Minuten, als Herthas Chancenwucher längst groteske Ausmaße angenommen hatte, servierte Brekalo dem eingewechselten Dawid Kownacki den Ball punktgenau auf den Kopf. Doch der Pole brachte das Kunststück fertig, aus Nahdistanz neben das Tor zu köpfen.
"Er tut unserem Spiel auf unterschiedlichen Positionen gut"
Trotz des 0:1 und kollektiver Enttäuschung nach dem Abpfiff: Brekalo hat am vergangenen Samstag den nächsten ansehnlichen Auftritt hingelegt. Der 35-fache kroatische Nationalspieler, Anfang Februar von La-Liga-Schlusslicht Real Oviedo nach Berlin gewechselt, ist binnen weniger Wochen zu einem Schlüsselspieler für Hertha BSC geworden. Der Ex-Wolfsburger kombiniert eine Top-Technik mit Kreativität und großem Spielverständnis. Nach neun Zweitliga-Partien steht er bei drei Toren und zwei Vorlagen. "Er tut unserem Spiel auf unterschiedlichen Positionen einfach gut", sagt Sportdirektor Benjamin Weber. "Die Rote Karte in Dresden hat ihn massiv geärgert und ein bisschen rausgebracht. Aber wir sind sehr glücklich, dass er bei uns ist."
Das wird er ziemlich sicher noch etwas länger sein. Der im Winter abgeschlossene Vertrag läuft bis zum 30. Juni, beinhaltet aber eine an die Zahl der Einsätze gekoppelte Option für ein weiteres Jahr. Intern gilt als ausgemacht, dass Brekalo im Sommer an Bord bleibt, auch wenn Weber noch keinen Vollzug der Option vermeldet und über einen Verbleib des Offensivakteurs sagt: "Die Berichterstattung, dass es mit dem Kiel-Spiel etwas zu tun hatte, kann ich nicht bestätigen. Ich will mich zu vertraglichen Dingen auch nicht groß äußern. Aber wir wissen, was wir an ihm haben, und er fühlt sich hier sehr wohl. Deshalb bin ich grundsätzlich optimistisch."
Transferüberschuss in zweistelliger Millionen-Höhe
Ähnlich zuversichtlich klingt auch Geschäftsführer Peter Görlich: "Es gibt sehr gute Voraussetzungen, dass dieser sehr gute Spieler auch in der neuen Runde bei uns agieren wird." Der Zweitliga-Sechste muss im anstehenden Sommer wie bereits im Vorjahr einen Transferüberschuss in zweistelliger Millionen-Höhe erzielen und wird nach Görlichs Worten "Qualität verlieren". Aber vieles von ihrer Kader-Qualität wollen die Berliner mit Blick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auch behalten: Brekalo, der sowohl auf dem Flügel als auch auf der Zehn spielen kann, soll auch 2026/27 ein Fixpunkt sein.
Schon Anfang Februar, nach dem Debüt des Winter-Zugangs beim 3:0-Sieg in Elversberg, hatte Trainer Stefan Leitl prophezeit: "Dieser Spieler wird ein ganz wichtiger Faktor für uns werden. Er verfügt über eine Qualität, die wir in dieser Form noch nicht im Kader hatten." Für Leitl geht es zur neuen Saison weiter bei Hertha - und für Brekalo ziemlich sicher auch.