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"Da sind Verbindungen da": Wie Schuster die Freiburger Wende erklärt

kicker

Manchmal braucht es im Fußball offenbar einen schlechten Auftritt als Hallo-Wach-Ereignis, um die Sinne zu schärfen und eine Wende hin zu besseren Leistungen einzuleiten. Wenn das dann recht schnell gelingt, kann sich manche Niederlage vor allem im Nachhinein auch als "ganz gut" erweisen. Das findet auch Maximilian Eggestein. "Also Niederlagen sind immer schlecht", meinte Freiburgs Sechser nach dem erfolgreichen Europa-League-Start am späten Mittwochabend gegen Basel im Rückblick auf den Fehlstart in der Liga, "aber sie haben uns die Augen geöffnet."

Besonders die erschreckende und in der Art und Weise sehr überraschende 1:4-Klatsche in Köln, nachdem die 1:3-Start-Niederlage bei Freiburger Überlegenheit noch vor allem unglücklich zustande gekommen war. Die folgende Länderspielunterbrechung sei für den SC "zum richtigen Zeitpunkt" gekommen, findet Eggestein: "Da haben wir die Zeit genutzt, Dinge offen und ehrlich besprochen und sind froh, dass das so schnell gewirkt hat."

Und was genau wurde besprochen und hat dann inhaltlich gewirkt? " In Köln haben wir einfach ein richtig schlechtes Spiel gemacht, vor allem haben wir richtig schlecht verteidigt", sagte der gegen Basel mit seinem Kopfball zum 2:0 als Torschütze erfolgreiche Eggestein: "Das haben wir schon offen und ehrlich auch in der Videositzung angesprochen, dass wir da eine schlechte Box-Verteidigung hatten und schlechtes Anschlussverhalten. Das waren so die inhaltlichen Hauptpunkte. Und die machen wir jetzt mittlerweile noch nicht perfekt, aber auf jeden Fall besser."

„Ich finde auch, dass wir griffig sind.“ (Julian Schuster)

Gute Verteidigungsarbeit hängt auch viel von individueller Einsatz- und Laufbereitschaft, sowie Griffigkeit und Aggressivität in den direkten Duellen zusammen. Den viel zitierten Basics also, die in Köln fast komplett gefehlt hatten und die im Basel-Spiel erneut so gut ausgeprägt waren, dass sie danach sogar Gäste-Trainer Ludovic Magnin lobend erwähnte. Sein Gegenüber Julian Schuster, der mit Magnin früher beim VfB Stuttgart zusammengespielt hatte, stimmte zufrieden zu.

"Ich finde, das ist spürbar und das sieht man. Das ist im Moment sehr geschlossen zusammen und dieser Verbund, der stimmt", freute sich Schuster: "Da sind einfach Verbindungen da, die Jungs sind füreinander da. Das summiert sich und dann kann es sich mit Sicherheit so für den Gegner anfühlen. Ich finde auch, dass wir griffig sind." Sinnbildlich dafür stand am Mittwochabend Patrick Osterhage. Der offensivere Part der Doppelsechs erzielte nicht nur überlegt und technisch stark die Führung, sondern zündete mit dynamischen wie robusten Balleroberungen (etwa 10., 42. und 78. Minute) nach vorangegangen Sprints das Publikum wie auch die Mitspieler an.

Ein wichtiger Punkt für den SC-Coach außerdem: Die gute Präsenz bei zweiten Bällen. "Das ist immer wieder ein entscheidender Punkt, in welche Richtung es dann auch geht. Es gibt uns auch Möglichkeiten, vor allem auch wenn wir überspielt sind, grundsätzlich aber ein hohes Pressing geplant haben, dann trotzdem die Kontrolle zu haben, zusammenzubleiben und auch mal tief zu verteidigen", analysierte Schuster: "Das ist eine hohe Kunst im Fußball, auch mal zu akzeptieren, wenn du zwei, drei Minuten nicht den Ball hast und nicht sofort irgendwelche negativen Gedanken zulässt, sondern darauf vertraust, dass du im Verbund dann auch tiefer verteidigen kannst."

In diesem Bereich erkennt der 40-Jährige bei seiner Mannschaft deutliche Entwicklungsschritte: "Das haben wir letztes Jahr hinten raus phasenweise besser gemacht, aber das brauchst du eben gegen solche Mannschaften, wo sich auch durch Einwechslungen der Druck erhöhen kann. Das war definitiv positiv."

Tatsächlich ließ der SC neben dem sehenswerten und für Noah Atubolu unhaltbaren Schlenzer-Anschlusstor von Philip Otele in der zweiten Hälfte keine gegnerische Torchance zu. Und konnte, wie schon zuletzt, durch die eigenen Joker frischen Wind in die Partie bringen.

Philipp Treu, der schon in Bremen für den insgesamt auch deutlich verbesserten Niklas Beste gekommen war und daher erneut vor seinem eigentlichen Rechtsverteidiger-Rivalen Lukas Kübler agierte, hätte in der 76. Minute das Spiel bereits entscheiden können. Nach einem guten Antritt bis zur Grundlinie im Strafraum spielte er auf der Suche nach seinen Mitspielern aber letztlich den Ball dem Gegner in die Füße. Dennoch war Treu erneut positiv auffällig durch seine Dynamik und Griffigkeit in den Zweikämpfen.

"Die Jungs, die reinkommen, bringen Dampf rein"

Stürmer Igor Matanovic legte acht Minuten später nach einer guten Aktion von Kübler über rechts Eggestein die vierte und letzte Freiburger Torchance des Abends auf. Den Schuss des Sechsers konnte Mirko Salvi aber noch entschärfen.

"Wir haben Qualität im Kader, wenn alle fit sind und wir haben die Möglichkeit, das auf verschiedene Schultern zu verteilen", sagte Christian Günter, der nach zwei Bankmandaten in Serie diesmal wieder hinten links anstelle von Jordy Makengo in der Startelf stand. "Ich gönne es jedem, der auf dem Platz steht. Ich gebe im Training Gas und wenn jeder diese Einstellung hat und bis jetzt hat sie jeder, dann sieht man auch: die Jungs, die reinkommen, bringen Dampf rein", so Günter weiter.

Unterm Strich hat der Sport-Club nach dem Liga-Fehlstart schnell wieder zu den Basistugenden zurückgefunden, die seit jeher das Fundament seiner erfolgreichen Saisons gebildet haben. Insgesamt sind die jüngsten Leistungen von einer stabilen Defensive mit dem Anker Atubolu, offensiver Effizienz und dem gewissen Extra durch einige Sommerzugänge geprägt. So fügte sich der als Back-up verpflichtete Routinier Anthony Jung bei seinem überraschenden ersten Startelfauftritt als guter Zweikämpfer nahtlos ins funktionierende Kollektiv ein. Treu, Matanovic und Derry Scherhant, der auch stets ein belebendes Element von der Bank verkörperte, brennen derweil auf ihre erste Startelfchance.

Mit Blick auf die schon gegen Basel leicht begonnene Rotation, die auch durch das krankheitsbedingte Fehlen von Philipp Lienhart und Lucas Höler zustande kam, winken den Genannten schon am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim und nächsten Donnerstag beim FC Bologna die nächsten Gelegenheiten auf ein Anfangsmandat.